Kaiserplatz: Erst Abrissbagger, jetzt Erhaltungssatzung?

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Erhaltenswert? Die Verwaltung will die Gebäude rund um den Kaiserplatz mit St. Adalbert in der Mitte besser schützen. Auch die Fassade des riesigen Einkaufszentrums Aquis Plaza liegt in den Grenzen. Anlass, um über solch eine Satzung nachzudenken, ist der geplante Abriss und Neubau des Hauses an der Ecke Kaiserplatz/Martin-Luther-Straße, in dessen Erdgeschoss früher eine Apotheke war. Der untere Abschluss der Zone liegt knapp unterhalb des Randes unseres Luftbilds. Die Politik ist skeptisch, ob das so sinnvoll ist. Foto: Andreas Steindl/Bearbeitung: Horst Thomas
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Im Jahr 2006 war noch keine Rede von Erhaltungssatzung: Das Gloria-Kino wurde zugunsten des Aquis Plaza-Baus, der damals noch „Kaiserplatz-Galerie“ hieß, abgerissen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wo in den vergangenen zehn Jahren eine der größten Abrissmaßnahmen der jüngeren Stadtgeschichte stattfand, um Platz für das riesige Einkaufszentrum Aquis Plaza zu schaffen, will die Stadtverwaltung nun auf die Wahrung des Status Quo setzen: Mit einer sogenannten Erhaltungssatzung will man rund um den Kaiserplatz die „städtebauliche Gestalt und Eigenart“ des Gebietes schützen.

Der Politik wird dieser Plan am Donnerstag, 6. April, um 17 Uhr präsentiert: Dann diskutiert der städtische Planungsausschuss über das Vorhaben der Verwaltung.

Ausgelöst hat diese Initiative eine Bauvoranfrage, über die das selbe Gremium bereits Anfang Februar in nicht-öffentlicher Sitzung informiert worden war und die ein besonders markantes Bauwerk am Kaiserplatz betraf – jenes Gebäude an der Ecke Martin-Luther-Straße, das früher über Jahrzehnte eine Apotheke beherbergte und dessen großes Ladenlokal zuletzt leer stand.

An dieser Stelle wollte ein Investor einen Neubau errichten, womit „zwingend der Abbruch des städtebaulich prägnanten Gebäudes verbunden“ wäre, wie die Verwaltung es in der Vorlage für die Politik schreibt. Denkmalgeschützt ist besagtes Bauwerk nämlich nicht. Die Politik hatte deswegen im Februar die Verwaltung beauftragt, nach Lösungen zu suchen.

Änderungen nicht prinzipiell tabu

Das Ergebnis ist die vorgeschlagene Erhaltungssatzung. Der Sache nach Denkmalschutz betreiben wolle man damit zwar nicht – das sei per Satzung aus kompetenzrechtlichen Gründen auch gar nicht möglich –, aber gleichwohl die Möglichkeiten für den Erhalt historischer Bausubstanz verbessern.

Im Kern soll der Grund für die Erhaltung dabei die charakteristische städtebauliche Struktur rund um den Kaiserplatz sein. Dazu gehört als Fixpunkt im Zentrum des Platzes die Kirche St. Adalbert, die auf einem Felsen thront, sowie ihr zu Füßen „die geduckte, kleinteilige mittelalterlich geprägte Bebauung“, die „die Erhabenheit des Solitärbaus“ steigere. Und dazu gehört – grob formuliert – die komplette Häuserzeile rund um den Kaiserplatz, wo laut Verwaltung „noch in weiten Teilen die städtebauliche Planstruktur des 19. Jahrhunderts erhalten“ ist.

Damit sei das Satzungsgebiet, das den Kaiserplatz und in kleinen Teilen die angrenzenden Stichstraßen Stiftstraße, Adalbertstraße, Beeckstraße, Martin-Luther-Straße, Adalbertstift, Wilhelmstraße, Heinrichsallee und Adalbertsteinweg umfasst, „ein städtebauliches Ensemble, das im Gesamten erhaltenswert ist“, so die Verwaltung.

Und deshalb sei eine Erhaltungssatzung sinnvoll, um die „Beseitigung von besonders gestalteten Gebäuden“ zu verhindern, zumal „in der jüngsten Vergangenheit diese historischen Strukturen und Maßstäbe nicht immer beachtet wurden“ – ein Hinweis auf den umfangreichen Einsatz des Abrissbaggers, mit dem unter anderem das alte Gloria-Kino niedergelegt wurde? Dessen früherer Standort läge jedenfalls im Geltungsbereich der neuen Erhaltungssatzung.

Die Verwaltung weist allerdings auch darauf hin, dass die bauliche Weiterentwicklung rund um den Kaiserplatz weiterhin gewährleistet werden soll. Die Satzung „würde nicht bedeuten, dass der Abbruch, die Änderung oder Nutzungsänderung sowie die Errichtung neuer baulicher Anlagen grundsätzlich verboten wären“, heißt es in der Vorlage. Allerdings dürften Bauvorhaben schwieriger werden.

Gespräche das bessere Mittel?

In der Politik reagiert man auf den Vorstoß der Verwaltung relativ verhalten. Ein Problem sei es an dieser Stelle, dass die alten Gebäude oft über enorme Deckenhöhen verfügten, wodurch man bei Abriss und Neubau schnell ein rentables Zusatzgeschoss bauen könne, ohne zu sehr in die Höhe zu gehen, sagt Norbert Plum (SPD).

„Aber ich weiß nicht, ob eine weitere Satzung da ein gutes Instrument ist.“ Besser als neue Regelungen, die ja auch immer überwacht werden müssten, sei es, bei jedem Vorhaben mit dem Investor zu reden. Eine Satzung wäre nur eine Lösung, „wenn es gar nicht anders geht“.

Auch die CDU ist noch nicht auf die neue Satzung eingeschwenkt. „Wir müssen noch beraten, ob das Sinn macht“, sagt Fraktionschef Harald Baal. Zwar gebe es am Kaiserplatz sicher einige erhaltenswerte Gebäude, „aber auch solche, die das nicht sind“. Zu welcher Kategorie das Gloria-Kino und die an der Beeckstraße einst niedergelegten Bauten gehören würden, wird sich indes nie mehr klären lassen – Satzung hin oder her.

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