Kaiserplatz: Ein Bagger für die Galerie?

Von: Robert Esser
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Sinkendes Interesse: Am Büchel - gegenüber dem Parkhaus, das in unbestimmter Zukunft zum Einkaufszentrum „Bel Etage” umgebaut werden soll - stehen auffallend viele Geschäfte leer. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein einziger Bagger und ein Radlader sind am Donnerstag zwischen Ruinen auf die künftige Mammut-Baustelle Kaiserplatz-Galerie gerumpelt. Das gesetzlich vorgeschriebene Baustellenschild mit dem typischen roten Punkt weist bislang allerdings nicht etwa eine Baustelle zur Errichtung der 240 Millionen Euro teuren Einkaufslandschaft von Investor Hans Kahlen aus: „Abriss eines Mehrfamilienhauses” steht dort nur.

Will sagen: Monatelang wird der Bagger Stückchen für Stückchen den Boden für den 2011 dann womöglich beginnenden Hochbau bereiten. Wie ein fulminanter Auftakt zur größten Baustelle der Stadt wirkt das - vor allem angesichts jahrelanger Verzögerungen - immer noch nicht. Mit der Eröffnung der Galerie ist frühestens 2013 zu rechnen.

Derweil machen anderswo Geschäftsleute die Pforten dicht. Nicht nur in der Kleinen Adalbertstraße, auch am Büchel. Dort herrscht Stillstand. Längst hätte das Parkhaus dem neuen Einkaufszentrum „Bel Etage” der Strabag Real Estate weichen sollen. Stattdessen weichen Einzelhändler aus der Ladenzeile davor.

„Die Kaiserplatz-Galerie sollte eher heute als morgen fertiggestellt sein”, sagt Strabag-Projektentwickler Rainer Schäfer. „Bis dahin verharrt ganz Aachen in einer schädlichen Abwarteposition. Die Hängepartie hat weitreichende Auswirkungen auf andere Investitionen - inklusive Bel Etage”, betont er. Noch halte man an einem Baustart im kommenden Jahr fest.

So lange will mancher Einzelhändler aber nicht mehr warten, auch wegen der Verkehrsanbindung. Vier Geschäftslokale stehen in der kurzen Ladenzeile am Büchel schon leer. Zwei weitere folgen demnächst: „Die Baustellen und die neue Fußgängerzone Ursulinerstraße kosten uns enorm viele Kunden und Umsätze”, klagt Boutique-Chef Thomas Herbord. Er schließt sein „Aldente” zum Monatsende. „Hier sind immer weniger Leute unterwegs - abgesehen von aggressiven Bettlern, die zusätzlich Kundschaft verscheuchen”, kritisiert der Geschäftsmann.

Nebenan, am Büchel 32, betreiben Michaela und Andreas Schaffarczyk den „Ma-Store”. „Es ist furchtbar”, sagt Schaffarczyk. „Wir zählen seit zwei Jahren jeden Samstag unsere Kunden. Mittlerweile kommen 50 Prozent weniger als früher - als wir noch nicht durch die Fußgängerzone vom Verkehr abgeschnitten waren.” Beim „Haarprofi”, einige Häuser weiter, fürchtet man vor allem die wegfallenden Parkplätze, falls die „Bel Etage” realisiert wird.

Bei der städtischen Wirtschaftsförderung ist Herbert Kuck für den Einzelhandel zuständig. Er glaubt nicht, dass alle Leerstände auf die Sperrung der Ursulinerstraße zurückzuführen sind. Aber er räumt ein, dass die unklare Situation am Büchel hinsichtlich der Zukunft des Parkhauses „sicher nicht förderlich ist”.

Auch Kuck ist überzeugt, dass „die unsägliche Dramaturgie der Kaiserplatz-Galerie” auch anderswo in Aachen Investoren abhält, sich mit neuen Geschäften anzusiedeln. „Die Kaiserplatz-Galerie wirkt wie ein Staubsauger, der anderen Investitionen die Luft nimmt”, sagt er. Das jetzt ein einziger Bagger aufgefahren wurde, löse noch keine Aufbruchstimmung aus. Leider.
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