Kaiserliche Anerkennung für Studenten

Von: Matthias Hinrichs
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Eine kunstvoll gestaltete Medaille als Erinnerung an Karl IV. – und Anerkennung für wichtige Brückenbauer zwischen Aachen und Prag: Vera Blazek, Vorsitzende des Kulturvereins Aachen-Prag (Mitte), und OB Marcel Philipp (2.v.l.) stellten die Preisträger 2016 gemeinsam mit Jurysprecher Professor Dr. Harald Müller (l.), Kulturdezernentin Susanne Schwier und Dompropst Manfred von Holtum vor. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ganz besondere Freundschaften machen selbst so etwas möglich: Da hatte auch der Oberbürgermeister persönlich, gespannt wie der sprichwörtliche Flitzebogen, mitten im Ratssaal Platz genommen, um zu erfahren, wer denn nun sein Nachfolger wird.

Nicht als „erster Bürger“ der Kaiserstadt, versteht sich - aber als buchstäblich ausgezeichneter Brückenbauer zwischen zwei der wichtigen historischen (Krönungs-)Städte des Kontinents. Vera Blazek, Vorsitzende des Kulturvereins Aachen-Prag, hatte das Geheimnis bis dahin beinahe so streng gehütet wie das Domkapitel seine kapitalsten Schätze: Keine einzelne Persönlichkeit, dafür aber viele kluge Köpfe werden im kommenden Jahr von der Initiative gewürdigt. Der Kulturpreis Karl IV. des Kulturvereins Aachen-Prag wird am 3. Juli 2016 an den Studierendenaustausch zwischen der traditionsreichen Prager Exzellenz-Hochschule VUT und der Exzellenz-Hochschule RWTH Aachen verliehen.

Nachdem der OB als fünfter Preisträger im September 2014 bei einem großen Festakt in der tschechischen Hauptstadt geehrt wurde, wird die Auszeichnung diesmal also zahlreichen (angehenden) Akademikern zuteil, die den wissenschaftlichen Brückenschlag zwischen den renommierten Universitäten gestaltet und vorangetrieben haben. „Bereits 1996 wurde der erste Kooperationsvertrag zwischen den Fakultäten der Elektrotechnik beider Hochschulen in Prag unterzeichnet“, erläuterte Jury-Sprecher und RWTH-Historiker Professor Dr. Harald Müller beim Pressegespräch im Rathaus, wo sich auch der stellvertretende Vereinsvorsitzende Herbert Zantis sowie – ebenfalls als Mitglieder der Jury – EU-Abgeordnete Sabine Verheyen, Dompropst Manfred von Holtum und Kulturdezernentin Susanne Schwier eingefunden hatten. So soll der Festakt, diesmal an repräsentativer Stätte der Aachener Hochschule, auch an die Initialzündung einer akademischen Partnerschaft erinnern, die im kommenden Jahr 20-jähriges Jubiläum feiert und inzwischen in vielen Facetten gediehen ist. Seit 1998 bzw. 2007 arbeiten auch Architekten und Biomediziner aus Aachen und Prag nachhaltig und intensiv zusammen, im Frühjahr soll der nächste Kooperationsvertrag zwischen den Fakultäten des Bauingenieurwesens besiegelt werden. Anno 2000 wurde ein entsprechendes „Memorandum of Understanding“ von den Rektoren der RWTH Aachen und der Czech Technical University Prag unterzeichnet. Seit 2013 sind Doppelabschlüsse an beiden Hochschulen auf der Basis gemeinsamer Studienpläne möglich. Vor wenigen Tagen erst, am 13. November, wurde das Abkommen auf höchster universitärer Ebene erneuert.

„Wir dürfen hier von einem europäischen Musterprojekt sprechen, das als echtes Vorbild für kulturelle und wissenschaftliche Austauschprogramme gelten kann“, sagte Vera Blazek. Derzeit studieren im Rahmen der Vereinbarung etwa 20 bis 30 Prager Studenten in Aachen und etwa ebenso viele RWTHler in der Metropole an der Moldau. Bei der Preisverleihung werden zudem zehn „Ehemalige“ aus Prag erwartet. Auch sie sollen beim Festakt nicht in Gestalt einer „klassischen“ Laudatio, sondern auf lockerer Gesprächsebene gewürdigt werden, erläuterte Susanne Schwier. Offiziell werde die Auszeichnung dann an RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg und seinen Prager Amtskollegen Professor Petr Konvalinka übergeben.

Seit 2010 erinnert der Kulturpreis an Karl IV. (1316-1378), einen der bedeutendsten Herrscher des späten Mittelalters und leidenschaftlichen Verehrer Karls des Großen, dessen Nachfolge er mit seiner Krönung zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches am 25. Juli 1349 im Aachener Dom antrat. Und natürlich wird der 700. Geburtstag des böhmischen Fürsten anno 2016 in Prag mit ähnlichem Aufwand begangen wie der 1200. Todestag der Frankenkönigs im vorigen Jahr im Dreiländereck.

Dass die Aachener auch dazu ihren Beitrag leisten werden, steht ebenfalls längst fest. So werden einige bedeutende Leihgaben aus der Domschatzkammer im kommenden Frühjahr im Rahmen einer Ausstellung in Prag präsentiert, allen voran die Krone der Karlsbüste, die dereinst von Karl IV. selbst gestiftet wurde. „Wir freuen uns sehr, dass wir auf diese Weise einen schönen Beitrag zu den Feierlichkeiten leisten können“, sagte Dompropst Manfred von Holtum. „Denn Karl IV. verdanken wir nicht ,nur‘ diesen besonderen Schatz. Auch der Bau der Chorhalle des Aachener Doms, die 1414 fertiggestellt wurde, ist ganz maßgeblich auf seine Initiative zurückzuführen.“

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