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Kaiser Karl in allen historischen Gassen

Von: Carolin Kruff und Nina Krüssmann
Letzte Aktualisierung:
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Festlicher Marsch: Die Karlsschützen zogen nach dem Pontifikalamt im Dom nach guter Tradition Richtung Rathaus.
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Heiß begehrt und heiß serviert: Die „Aixtra-Fleischer“ verwöhnten die Gäste mit original Aachener Karlswurst.
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Feiern wie weiland im 9. Jahrhundert: Mit beschaulichen Schreittänzen in stolzen Gewändern zelebrierten zehn Paare im Rathaus unter anderem den „Taubenritt“.
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Fantastisches „Comeback“ der alten Rittersleut‘: Beim mittelalterlichen Spektakel zum Patronatsfest anlässlich des 1200. Todestags Karls des Großen gab es für die begeisterten Aachener und deren Gäste natürlich auch den einen oder anderen spannenden Schwertkampf.

Aachen. Um Kaiser Karl kommt in diesem Jahr niemand herum. Grund ist der 1200. Todestag des Frankenherrschers, der seinerzeit Aachen als seine Lieblingspfalz erkor und daher bis heute in der Kaiserstadt allgegenwärtig ist.

Am Sonntag fiel mit dem traditionellen Karlsfest im Rathaus und auf dem Aachener Marktplatz der Startschuss zum Karls-Marathon, der das ganze Jahr über die Aachener mit Festen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Vorträgen in Atem halten wird (siehe auch unsere Berichterstattung auf der Titelseite und „Region“).

Fröstelnde Temperaturen sorgten jedoch dafür, dass sich das Jubiläumsfest zu großen Teilen im Rathaus abspielte. Und wie! „Bis zum Abend haben wir exakt 7338 Besucher gezählt. Das ist Rekord, noch nie hat es derartig gebrummt im Rathaus“, frohlockte OB-Referent Alexander Lohe am Sonntag. Die Besucher konnten nicht nur den Krönungssaal, das Dienstzimmer des OB, den Weißen Saal, den Friedenssaal und den Ratssaal besichtigen, sondern auch die eine oder andere kulinarische Spezialität verköstigen.

Denn schon in der Eingangshalle stieg der verlockende Duft der Karlswurst in die Nase, die von den „Aixtra-Fleischern“, einem Zusammenschluss von 16 Fleischereibetrieben, angeboten wurde. Für diese Mettwurst werden nur Gewürze und Kräuter verwendet, die schon zu Kaiser Karls Zeiten bekannt waren. Auch Wolfgang Flachs, Obermeister der Fleischerinnung Aachen-Stadt, ließ es sich nicht entgehen, die eine oder andere Karlswurst zu reichen. Der Clou zum Jubiläumsjahr: Die 100 ersten Besucher mit dem Namen Karl oder Karla konnten sich über eine Gratis-Wurst freuen. Der Erlös aus dem Verkauf geht vollständig an den Rathausverein.

Vis à vis präsentierte die Limburger Ritterschaft nicht nur glitzernde mittelalterliche Waffen, sondern reichte auch heißen Met in Tontassen. „Schon Kaiser Karl ordnete in seinen Ländereien die Bienenzucht an, um Met zu produzieren. Daher passt dieses Getränk hervorragend zum Karlsfest“, meinte Lothar von Limburg, der Herzog der Limburger Ritterschaft.

Wer den kühlen Außentemperaturen trotzte, wurde auf dem Markt Zeuge von beeindruckenden ritterlichen Duellen: Klirrende Schwerter, scheppernde Rüstungen, kunstvolle Schilde und raschelnde Kettenhemden begeisterten nicht nur die Kleinen. Die konnten sich auf der Rathaustreppe von Wolf Reichsritter von Eckbertstein sogar zum Ritter schlagen oder zum Burgfräulein erheben lassen. Etwas stiller kam Falkner Arnd Jansen mit seinem majestätischen Falken Raschid daher, der die mittelalterliche Szenerie perfekt ergänzte.

Hoher Besuch auch aus Naumburg

Und während die Aachener Stadtreiter über den Markt stolzierten, wachte die Rathausgarde „Öcher Duemjroefe“ an den Eingängen des Rathauses über das bunte Treiben. Drei Ritterschaften legten hingegen im Krönungssaal mittelalterliche Tänze aufs Parkett. Angeführt von Lothar von Limburg, führten die zehn Paare unter anderem den „Traubentritt“, einen mittelalterlichen Schreittanz, den Geistertanz sowie eine Ungaresca auf. Ihre mittelalterlichen Kostüme wurden so originalgetreu wie möglich hergestellt.

Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen des Karlsfestes übrigens das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft Aachen-Naumburg gefeiert – ein Erlebnis, dass den Besuchern im Gedächtnis geblieben ist. Denn auch in diesem Jahr besuchten 50 Naumburger, die spontan einen Bus für ihre Reise organisiert hatten, das Karlsfest, wo sie von OB Marcel Philipp begrüßt wurden. Unter ihnen befand sich nicht nur Bernward Küper, Oberbürgermeister der Stadt Naumburg, sondern auch Harri Reiche, Landrat des Burgenlandkreises, und Daniel Sturm, Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt.

Und auch wenn Karl der Große nicht persönlich an dem Fest teilnehmen konnte, so wurde er doch würdig vertreten. Denn Josef Beuel alias Kaiser Karl stolzierte als quicklebendige Symbolfigur des Ausschusses Aachener Karneval gemeinsam mit seinem „Maatwiiv“ Renate Juchems über den Markt und durch das Rathaus. Und so wurde das Karlsfest zu einem wahrlich kaiserlichen Fest.

„Karl der Große gehört der Champions League der Historie an“, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp im Krönungssaal, wo die Karlsschützen-Gilde ihr Patronatsfest beging. „An Karl kommt niemand vorbei, denn es hat nur wenige Persönlichkeiten wie ihn gegeben“, betonte Philipp. Man gedenke mit dem Karlsfest einer Herrscherpersönlichkeit, die ungezählte Impulse für die Völker in seinem Reich und Fundamente für Kultur und Bildung gesetzt habe. Viele Amts- und Würdenträger bereicherten mit ihrer Anwesenheit den Festtag, darunter Seine Kaiserliche Hoheit Karl von Habsburg-Lothringen, Erzherzog von Österreich. Er stellte die große Relevanz Karls für unser heutiges Europa heraus.

Das Patronatsfest war einer der Höhepunkte des Festtages, der mit einem Pontifikalamt im Dom begann. Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff beleuchtete in seiner Predigt das Leben Karls des Großen und ging der Frage nach, warum er als Heiliger verehrt wird. „Auf der einen Seite hat Karl viele und grausame Kriege geführt. Auf der anderen Seite hat er Kirchen und Klöster gegründet und ausgestattet“, sagte Mussinghoff. Aus heutiger Sicht sei nur schwer nachvollziehbar, wie Karl Frömmigkeit und Brutalität vereinbaren konnte – etwa bei der Ausschaltung von Rivalen oder bei der drakonischen Christianisierung der Sachsen. Heute seien die Kriterien anders. „Als Schlüssel seines Handelns muss man seine Herrschaftsauffassung sehen. Seine Herrschaft hat Karl verantwortet vor Christus und gemäß dem Evangelium des Herrn, nicht vor den Fürsten, nicht vor dem Volk“, betonte der Bischof. Musikalisch gestaltet wurde das Pontifikalamt zum Karlsfest vom Aachener Domchor, dem Sinfonieorchester Aachen und Vokalsolisten.

In einem großen Festzug, begleitet von der Musikvereinigung Roetgen, ging es anschließend zum Rathaus, wo der Oberbürgermeister die geladenen Gäste und viele interessierte Bürger begrüßte.

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