Aachen - Kaiser Friedrich III. muss Platz für Neubau machen

Kaiser Friedrich III. muss Platz für Neubau machen

Von: Robert Esser
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Ganz schön abgehoben: Der widerspenstige Kaiser Friedrich III. schwebte rund 20 Minuten zwischen Sockel und Tieflader. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist Montagabend, exakt 20.42 Uhr, als Preußenherrscher Friedrich III. Zentimeter für Zentimeter abhebt. Am Rande spenden ein paar Besoffene Applaus. Auf dem Kaiserplatz brummt der 60-Tonnen-Autokran, Ketten und Gurte am „fliegenden“ Reiterdenkmal ächzen – und das Herz von Monika Krücken, Leiterin der Denkmalpflege, schlägt Purzelbäume.

Sie ist sichtlich erleichtert, als der fünf Meter hohe und sechs Tonnen schwere Bronzekaiser samt Pferd und steinerner Plattform wohlbehalten von seinem Sockel geholt wird – fast auf den Tag genau 125 Jahre nach seinem Tod. Kehlkopfkrebs hatte Friedrich III. am 15. Juni 1888 nach nur 99-tägiger Amtszeit dahin gerafft. Dafür zeigte er sich am Montag umso robuster – und widerspenstiger.

Das Team um Steinmetz Christoph Schwartzenberg und Kunstgießer Heinz Plein hatte alle Mühe, das Reiterdenkmal – 1911 von Bildhauer Hugo Lederer fertiggestellt – buchstäblich loszueisen. „Wir hatten keine Ahnung, wie tief die Eisenanker unter den beiden Hufen, die die ganze Bronzefigur halten, in den Steinplatten darunter verankert waren“, räumt Steinmetz Schwarzenberg ein.

Deshalb brauchen die Experten fast acht Stunden, bis Friedrich an den Haken genommen werden kann. Mühsam stemmen sie erst die Eckplatten unter dem Denkmal auf, treiben dann Keile in die Fugen, stoßen Stemmeisen in winzige Spalten. Weil sich sonst aber stundenlang gar nichts bewegt, holt ein Arbeiter schließlich zwei handelsübliche Hydraulikwagenheber aus dem Kofferraum.

Mit diesen und ein paar Vierkanthölzern improvisiert die Mannschaft eine Art „Stein-Spreizer“, der schließlich die Bodenplatte zwei Zentimeter vom Betonsockel trennt, so dass die Schwerlastspanngurte des Krans hindurchgezogen werden können. Dann hebt Friedrich III., mit rund vierstündiger Verspätung ab. Per Tieflader rollt er am späten Abend auf Schwartzenbergs Betriebshof in Aachen-Sief.

Dort nimmt ihn Plein unter die Lupe. Ein paar Granatsplitter-Wunden aus Kriegszeiten sollen ausgebessert, vielleicht das fehlende Schwert ersetzt werden. „Aber die grüne Patina bleibt, die kommt vom Harnstoff, also von rund 100 Jahren Tauben-Pipi“, erklärt der Spezialist. Die Trinkerszene vom Kaiserplatz habe damit jedenfalls nichts zu tun, heißt es.

Auf deren angestammtem Terrain führt bald eine Tunnelrampe unter das Parkhaus des 290 Millionen Euro teuren Einkaufszentrums „Aquis Plaza“, das als Kaiserplatz-Galerie bekannt ist. Deswegen lassen die Bauherren ECE und Strabag dort die Verkehrsführung ändern und den Dreiecksplatz vor St. Adalbert verkleinern, auf dem Kaiser Friedrich III. beheimatet ist.

Weil genau die Platzecke wegfällt, auf der das Reiterdenkmal thronte, muss er rund sieben Meter umziehen, wie Bauleiter Jonas Fuhrmann erklärt. Schon in rund acht Wochen soll er zurückkehren; das neue Betonfundament ist bereits angelegt. Nun muss noch sein Sockel zerlegt und neu aufgebaut werden. „Alles soll so aussehen wie vorher“, bestätigt Krücken.

Die Denkmalschützerin erinnert an die Bedeutung Friedrichs für Aachen. Den hatte damals nämlich die Aachen-Münchener Feuerversicherung mit 500 Talern milde gestimmt, damit die „Polytechnische Schule“ nicht in Köln, sondern in Aachen etabliert wurde – der Grundstein für die RWTH.

Übrigens: Dort hätten Wissenschaftler heutzutage sicherlich ein Röntgengerät zur Hand gehabt, um Kaiser Friedrichs verborgene eiserne Verankerung aufzuspüren. Aber auch das ist jetzt Geschichte.

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