Aachen - Kämpfe an der„Kaffeefront“: Schmuggelware gesucht

Kämpfe an der„Kaffeefront“: Schmuggelware gesucht

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Aachen. „Kaffeefront“ und „Sündige Grenze“: Das Aachener Grenzland war in der Nachkriegszeit ein Dorado der kleinen und der großen Schmuggler. Dabei kamen Utensilien wie Milchkannen mit doppeltem Boden oder Mäntel mit versteckten Taschen zum Einsatz.

Das Centre Charlemagne und das Aachener Zollmuseum suchen jetzt derartige „Schmugglerwaren“.

Denn im Herbst soll eine Wechselausstellung die dramatischen Ereignisse der „Schmuggelzeit“ ins Visier nehmen. Daher bitten die Wissenschaftler der beiden Museen alle Bürger des euregionalen Grenzgebietes – vom Selfkant über Eupen bis zur Eifel – darum, in Dachböden und Kellern auf Spurensicherung zu gehen und Fundstücke zur Begutachtung vorbeizubringen. Interessante Objekte sollen dann in der Herbst-Ausstellung präsentiert werden.

In der Region zwischen Niederrhein und Eifel, vor allem aber im Aachener Grenzgebiet, wurde zwischen 1945 und 1953 intensiv geschmuggelt. Mit von der Partie: Normalbürger, die aus blanker Not handelten, und hoch professionelle Banden, für die der Schmuggel ein einträgliches Geschäft war.

In beiden Fällen gingen die Beteiligten ein hohes Risiko ein. Die Zollbehörden des Bundes waren stark auf die Region konzentriert. Nicht selten kam es zu gewaltsamen und zuweilen tödlichen Konfrontationen, denen binnen weniger Jahre mehr als 30 Menschen zum Opfer fielen – die meisten von ihnen Schmuggler.

Die „Aachener Kaffeefront“ wurde zum Politikum der frühen Bundesrepublik, und sie gehört zu den prägendsten gesellschaftlichen „Grenz“-Erfahrungen der heutigen Euregio. Dabei hatte es bereits in den 1920er Jahren – zur Zeit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise – vergleichbare Entwicklungen im Aachener Grenzland gegeben.

Die Wissenschaftler des Centre Charlemagne und des Zollmuseums gehen davon aus, dass auf den Dachböden und in den Kellern der Euregio noch viele Objekte oder Dokumente der Schmugglerzeit schlummern, beispielsweise Schmuggelverstecke und Schmuggelutensilien, ehemaliges Schmuggelgut, Fotos und Fotoalben oder auch persönliche Erinnerungsstücke. Generell sind Objekte aller Art interessant, die einen Einblick in die Ereignisse der damaligen Zeit geben.

Hierzu gehören natürlich auch Gegenstände aus dem Kreis der Zoll- und Polizeibehörden wie etwa Aufzeichnungen oder Ausrüstungsgegenstände. Und natürlich interessieren auch Erinnerungsstücke der einfachen Leute, die an der Grenze gelebt oder als Grenzgänger gearbeitet haben.

Die Sammelaktion hat das Ziel, die Hinterlassenschaft der „Schmuggelzeit“ umfassend zu sichern, für die Öffentlichkeit aufzubereiten und für die Nachwelt zu erhalten. Da das Zollmuseum in Zukunft auch andere Themen rund um „Grenze“ darstellen möchte, die in der bisherigen Ausstellung noch nicht vertreten sind, besteht auch an anderen grenz- und zollgeschichtlichen Themen großes Interesse.

Die Sammelaktion richtet sich daher auch an diejenigen, die andere, nicht aus der „Schmuggelzeit“ stammende Objekte oder Dokumente (zum Beispiel Filmaufnahmen) zur Verfügung stellen möchten.

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