Aachen - Käfer hinterlässt Dachschaden am Dom

Käfer hinterlässt Dachschaden am Dom

Von: Thorsten Karbach
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Hat die Zukunft des Welterbes
Hat die Zukunft des Welterbes Dom immer im Blick: Propst Helmut Poqué bittet um Spenden für die Sanierung der Nikolauskapelle, bei der das Dach (links unten im Bild) dringend erneuert werden muss. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Gemütlich hatte es sich der gescheckte Nagekäfer in Dachstuhl der Nikolauskapelle gemacht. Ungemütlich wird es nun für Dombaumeister Helmut Maintz zwischen den alten Balken, Dach und Gebälk der Kapelle aus dem 19. Jahrhundert müssen zwingend saniert werden.

Zwar hatte Maintz den gefräßigen Käfer schon 2003 mit heißer Luft - im Wortsinne - wieder vertrieben. Die Schäden aber blieben allgegenwärtig. Balken drücken auf das Gewölbe, Löcher lassen die Sonne durch die Dachgauben strahlen und setzen durchgebogene tragende Balken, offene Zapfenlöcher und morsche Hölzer ins Licht - nicht unbedingt ins rechte.

Die für den Sanierung des hinter - nun losem - Schiefer verborgenen Dachstuhls wurde zugunsten der unübersehbaren kostbaren Mosaiken im Innern immer wieder nach hinten geschoben. Ein paar Notmaßnahmen aus der Mitte der 80er sind längst nicht mehr ausreichend. Maintz duldet keinen Aufschub mehr für die Nikolauskapelle (links vom Eingang): hier müssen Fachleute ran. Die Ausschreibungen laufen, das Domkapitel kalkuliert mit Kosten von rund 1,5 Millionen Euro.

Sein Zeitplan ist bereits ausgefeilt: Ab dem 3. September soll ein 3000 Kubikmeter großes Stalrohrkupplungsgerüst montiert werden. Das reicht bis in den Domhof. Ein 600 Quadratmeter Wetterschutzdach mit 1200 Quadratmetern Wetterschutzplane wird über das Gerüst und damit die Kapelle gespannt. Darunter müssen dann rund 25 Kubikmeter Holzbalken überarbeitet werden. 600 Quadratmeter Schiefereindeckung werden erneuert. „Es gibt ganz viele Ecken, an die wir ran müssen”, sagt Maintz.

Das Gerüst muss jedenfalls bis zum 15. November stehen, denn dann wird der Weihnachtsmarkt aufgebaut und der Kran der Gerüstbauer muss vom Katschhof verschwunden sein. Die Bauleute hat Maintz dann bis Juli 2013 eingeplant. Neben dem Dach werden sie auch den Naturstein ins Visier nehmen. „Wir haben bereits Schäden durch Taubenkot entdeckt”, erklärt der Dombaumeister. Der Stein werde durch den Kot regelrecht weggeätzt. Käfer und Tauben zählen gewiss nicht zu den gern gesehenen Dombesuchern.

1,5 Millionen Menschen werden - nach Angaben des Domkapitels - dagegen umso lieber die Türen geöffnet. Weiterhin bei freiem Eintritt, aber neben dem Portal wurde ein neues Spendenbanner angebracht, die Sammelbox bereitgestellt. Denn ein Drittel der Sanierungskosten müssen auch an der Nikolauskapelle durch Spenden getragen werden. „Wenn jeder Dritte nur einen Euro gibt, hätten wir hier überhaupt kein Problem”, sagt Maintz. Doch nicht jeder geht wie Karlspreisträger Dr. Wolfgang Schäuble nach dem Besuch des Hohen Doms zu Aachen mit der Geldbörse zur Spendendose. „Es bleibt ein Problem, dieses wunderbare Gebäude für die nachfolgenden Generationen zu erhalten”, erklärt Dompropst Helmut Poqué.

Und so wird das Projekt „Sanierung Nikolauskapelle” einmal mehr zum finanziellen Kraftakt. Der Dompropst bittet einmal mehr um Spenden, freut sich, dass eine Fachfirma mit einem Lieferwagen auch auf der Straße um Unterstützung für das Welterbe wirbt. „Wir freuen uns über jede Hilfe”, sagt Dompropst - ein Spendenkonto (Kontonummer 1 000 644 060) ist bei der Pax-Bank Aachen (BLZ 370 601 93) eingerichtet. Zumal immer wieder kurzfristig neue Baustellen ausgemacht werden - so wie an der Ungarnkapelle. Dort musste Richtung Münsterplatz ein kleines Gerüst an der Ungarnkapelle aufgebaut werden, um einen Bleischaden zu untersuchen.

Es wurden Löcher in der Bleiverkleidung von 1993 festgestellt. Augenscheinlich sind die Konstrukteure damals der gängigen Praxis buchstäblich auf den Leim gegangen. Unter dem Blei liegt nämlich verleimtes Holz. Dort, wo die Sonne direkt auf das Blei strahlt, verdampft der Leim nun und zerstört das Blei. „Zum Glück nur in einem kleinen Bereich an der Rinne”, berichtet Maintz. Und seit 1997 wurde kein verleimtes Holz mehr am Dom verarbeitet. Schließlich gibt es auch so noch genug Arbeit - an der Nikolauskapelle.
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