Aachen - JVA-Häftling flieht aus Arbeitsagentur: Polizei fahndet

JVA-Häftling flieht aus Arbeitsagentur: Polizei fahndet

Von: akas
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Großaufgebot an der Roermonder Straße: Rund drei Stunden lang durchsuchten die Polizeibeamten das Gebäude der Agentur für Arbeit nach dem flüchtigen Straffälligen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Duft der Freiheit war wohl zu verlockend. Ein Insasse der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg hat am Dienstag einen begleiteten Termin bei der Agentur für Arbeit zur Flucht genutzt – und das, obwohl seitens des Jugendgefängnisses geprüft wurde, ob der junge Mann bereits in wenigen Monaten vorzeitig entlassen werden könne. Wegen guter Führung.

Rund drei Stunden lang war die Polizei mit mehreren Dutzend Einsatzkräften an der Roermonder Straße vor Ort und durchsuchte das Gebäude. Ohne Erfolg. Der wegen Diebstahls verurteilte Mann wurde zur großangelegten Fahndung ausgeschrieben, wie Polizeisprecherin Petra Wienen am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. „Die Kollegen der Streifenpolizei sind sensibilisiert und halten die Augen offen.“ Auch die Nachbarbehörden in den Niederlanden und Belgien seien informiert worden. Bis Redaktionsschluss war der Mann auf freiem Fuß.

Eine Fehleinschätzung

Der 18-Jährige, der seit Februar 2016 wegen Diebstahls in der JVA Heinsberg einsaß, sollte zusammen mit einem weiteren Insassen als Teil der vollzugsöffnenden Maßnahme bei der Arbeitsagentur einen psychologischen Test absolvieren. Das teilte der stellvertretende Anstaltsleiter Franz-Josef Bischofs am Dienstag auf Anfrage mit. Einen Gang zur Toilette nutzte der Straffällige zur Flucht.

Die beiden Männer waren nicht gefesselt und wurden von einem Mitarbeiter der JVA Heinsberg begleitet, der keine Schusswaffe bei sich trug. „Wir gingen davon aus, dass dies nicht nötig ist“, sagte Bischofs. Eine Fehleinschätzung, wie er auf Anfrage einräumte. „Wir können den Menschen nun mal nicht in den Kopf gucken.“ Nach Aussagen Bischofs ist der Flüchtige nicht gewaltbereit, es bestehe keine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Der Abstecher zur Arbeitsagentur sei Teil der Entlassungsvorbereitung gewesen, um berufliche Perspektiven des jungen Mannes zu erörtern. Seine Haftstrafe lief ursprünglich bis Ende August 2018, wie Bischofs mitteilte. Bereits Ende Dezember/Anfang Januar hätte der 18-Jährige allerdings wegen guter Führung vorzeitig aus der JVA entlassen werden können. „Das hat sich damit natürlich erledigt.“

Bereits im Mai 2016 hatte die JVA Heinsberg mit der Flucht eines Insassen für Negativschlagzeilen gesorgt. Ein 22-Jähriger, der wegen Verdachts schwerer räuberischer Erpressung in mehreren Fällen einsaß, war eingeklemmt unter einem Lieferwagen aus dem Gefängnis entkommen. Mitarbeiter hatten versäumt, den Lkw an der Gefängnispforte von unten mit einem Spiegel zu kontrollieren. Zudem hatte ein Werksbeamter seine acht Gefangenen bei dem Ladevorgang des Wagens nicht ausreichend beaufsichtigt und zu spät auf Vollständigkeit gezählt.

Der Flüchtige wurde sechs Tage später in einer Pension in Eschweiler aufgegriffen. Offenbar hatte er während seiner Flucht einen Supermarkt in Eschweiler überfallen. Der Fall hatte anschließend den Rechtsausschuss des Landtags beschäftigt.

Nach Ansicht des stellvertretenden Anstaltsleiters sind diese beiden Fälle „zwei unterschiedliche Paar Schuhe“, schließlich habe es sich 2016 um eine Flucht aus dem geschlossenen Bereich gehandelt. Der vorliegende Fall sei hingegen ganz anders. „Wir müssen die jungen Leute an ihre Entlassung heranführen und auch mal was ausprobieren, sofern davon keine Gefahr für andere ausgeht.“ Da sich der junge Mann in der JVA Heinsberg „vernünftig benommen“ habe, hätten sich die Mitarbeiter der JVA Heinsberg zu diesem Schritt entschlossen. „Doch bei jeder Lockerung gibt es immer ein gewisses Risiko.“

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