Aachen - JVA-Freigänger bestreitet Totschlag an 42-Jährigem

JVA-Freigänger bestreitet Totschlag an 42-Jährigem

Von: Wolfgang Schumacher
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Vorne rechts auf der Anklageba
Vorne rechts auf der Anklagebank im Schwurgericht Verteidiger Rainer Dietz mit dem Angeklagten Markus J.. Der gibt an, aus Angst vor Konsequenzen in der JVA das Haus fluchtartig verlassen zu haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein grauenvolles Bild bot sich Polizeioberkommissar Dirk H., als er nach Mitternacht am 16. Juli letztes Jahr mit Kollegen in ein Haus am Westpark stürmte.

Dort, in dem abgewohnten Gebäude in der Gartenstraße, kämpfte auf dem Treppenabsatz im zweiten Obergeschoss ein 42-jähriger Hausbewohner um sein Leben.

„Der Geschädigte lag halb aufgerichtet in den Armen seiner Freundin. Er bewegte sich aber nicht mehr”, erinnerte sich der Polizist bei seiner Aussage vor dem Aachener Schwurgericht. Der 42-Jährige war Opfer einer brutalen Gewalttat, die sich Minuten vor Ankunft der Polizei in dem Haus abgespielt hatte, der Schwerverletzte wurde im Koma ins Klinikum eingeliefert und starb einen Tag später.

Für die Tat müssen sich seit dem 11. Januar drei junge Männer wegen Totschlags verantworten, die Staatsanwaltschaft geht von einer gemeinsamen Tat der drei Angeklagten aus. Vor allem Markus J. (28) geriet ins Visier der öffentlichen Meinung, weil er an diesem Sommerwochenende ein JVA-Freigänger war und kurz vor der Entlassung stand.

Doch nach ersten Einlassungen und Zeugenaussagen scheint es wahrscheinlicher, dass seine Kumpane im Sinne der Anklage handelten und mutmaßlich den 42-Jährigen töteten - aus nichtigem Anlass.

Der Verteidiger von Markus J., der Aachener Anwalt Rainer Dietz, schilderte den Verlauf des tragischen Tages aus Sicht des 28-Jährigen. Ja, der sei durchaus dabei gewesen. Doch der brutale Gewaltexzess sei das Werk der beiden anderen, David C. (27) und seinem Cousin Alexander J. (28), gewesen, alle stammen aus Aachen. „Papa, ich habe keine Ahnung, ich habe nichts gemacht”, sagte er damals zu seinem Vater, als er am nächsten Tag von dem furchtbaren Ende des Mannes aus der Gartenstraße hörte. Dann stellte er sich.

Der Tag habe für den Freigänger ungezwungen seinen Lauf genommen, das wurde in der Erklärung vor dem Schwurgericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl) genau dargelegt. Einige Bierchen flossen, aber nicht im Übermaß, und abends habe er sich mit seinem Cousin und David getroffen. Man kam durch den Westpark an dem Haus in der Gartenstraße vor bei, hier wollten sie zusätzlich zum Alkohol eine Droge, Speed, kaufen. Sie gingen in eine Wohnung ins dritte Obergeschoss - und hier gab es umgehend Zoff. Er habe im hinteren Teil des Wohnzimmers gesessen und sich die Klagen eines jungen Mädchens angehört, das dort mitfeierte.

Inzwischen prügelten sich bereits lautstark der Wohnungsmieter mit seinem Freund David. Dann kamen Mieter von unten, drei an der Zahl, die in den Streit eingreifen wollten, einer habe ein Messer in der Hand gehalten. Da habe er gewusst, dass ist sein Ende als Freigänger und als jemand, der alsbald aus dem Knast entlassen werden soll, wenn er jetzt nicht sofort mache, dass er weg kommt. Und das habe er dann getan. Er sei über einen benommenen Mann gesprungen, der auf dem Zwischenpodest des zweiten und dritten Obergeschosses lag. Das war nicht das spätere Gewaltopfer, sondern sein Begleiter, der zuerst etwas abbekommen hatte.

In den Vernehmungen, so Polizeizeuge Dirk H., sei in der Tat auch nur von zwei Tätern die Rede gewesen, die brutal auf den Kopf des Opfers eintraten, der später in einer Blutlache liegend in den Armen der Freundin gefunden wurde. Erst später habe man sich an den Dritten erinnert. Die Zeugen, so der Polizist in der Rückschau, beschrieben als aggressivsten Schläger einen Täter „mit großen Ohrringen und weißem T-Shirt”, das war wohl nicht Markus J.. Die beiden anderen Angeklagten schweigen bislang.

Der Prozess wird am morgigen Donnerstag, fortgesetzt.
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