„Jutestun“: Schnelle Hilfe kommt an

Von: Marie Eckert
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Wollen "Jutes tun": (vl.) Robert Meyer, Tobias Burgholz, Ingo Schartmann, Lotte Meyer, Heidi Baumsteiger und David Muschiol. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Fast jeder hat wohl etwas bei sich zu Hause, das er nicht mehr braucht, was aber noch funktionstüchtig ist – ein altes Fahrrad oder ausrangierte Kleidung, vielleicht sogar eine Waschmaschine. Die kleinen Schätze, die auf dem Dachboden oder im Keller schlummern, könnten Bedürftigen eine große Hilfe sein – und da kommt die Plattform „Jutestun“ ins Spiel.

Auf der Internetseite werden Gesuche von Flüchtlingen mit den Angeboten von Spendern passgenau zusammengebracht. Das Besondere: Auf der Plattform werden nicht etwa Gegenstände oder Dienstleistungen angeboten, sondern es gibt ausschließlich Gesuche. Die Sozialarbeiter und Initiativen, die die Flüchtlinge in Aachen betreuen, stellen gezielt die Sachen ins Netz, die dringend benötigt werden.

Die Gesuche sind auf der Internetseite sichtbar und jeder, der mit diesem Gegenstand oder mit der gesuchten Dienstleistung helfen kann, kann sich melden. Der Vorteil: Der organisatorische Aufwand ist relativ gering und es werden keine Räume zur Lagerung von Gegenständen gebraucht.

Hinter der Plattform stehen vier befreundete Studenten und zwei Sozialarbeiter. Seit knapp zwei Monaten ist die Seite im Netz online, die Idee hatten der Medizinstudent Robert Meyer und der Sozialarbeiter Ingo Schartmann aus einer aktuellen Situation heraus: Als Schartmann für einen seiner Klienten einen Laptop zum Deutschlernen suchte, stellte sich das als komplizierter heraus als zunächst gedacht.

„Die Idee war, ohne lange Planung die Plattform mit den einfachsten Mitteln auf die Beine zu stellen“, erklärte Meyer. Und bisher läuft es ausgezeichnet für das ehrenamtliche Projekt: „Wir sind begeistert, was bis jetzt darauf geworden ist“, freute sich Meyer. Eine große Hilfsbereitschaft habe er über das Portal erfahren. „Bisher sind fast alle Gesuche beantwortet worden.“

Über 300 Newsletter-Abonnenten und rund 1600 „Gefällt mir“-Angaben auf der Facebook-Seite hat das junge Projekt schon. Wöchentlich finden zwischen 10 und 20 Vermittlungen statt – von Matratzen über Möbel und sogar ein ganzes Zimmer zum Wohnen bis hin zur Waschmaschine war schon alles dabei. Auch Menschen, die Deutsch-Unterricht geben oder auf Kinder aufpassen, haben sich schon über die Seite gefunden.

Der Ablauf ist immer ähnlich: Eine Institution, Initiative oder ein Sozialarbeiter, der bei „Jutestun“ angemeldet ist, schreibt ein Gesuch und vereinbart anschließend einen Termin. Unterstützt wird das Projekt von der Arbeiterwohlfahrt und der Caritas. „Es ist realistisch, dass jeder Flüchtling hier in Aachen eine Kontaktperson hat, die sich bei „Jutestun“ anmelden könnte und somit ein Gesuch aufgeben könnte“, betonte Heidi Baumsteiger von der Caritas Aachen.

Für die vier Studenten ist das Projekt auch ein Statement. „Es ist schön zu sehen, dass die Menschen helfen wollen“, sagte David Muschiol, Jura-Student in Bonn und einer der vier Seitenbetreiber. „In den Nachrichten sieht und liest man oft Negatives im Zusammenhang mit Flüchtlingen, da ist es andersherum schön, die Hilfsbereitschaft mitzuerleben.“

Im Moment investiert jeder der vier ungefähr eine halbe Stunde täglich in die Internetseite, demnächst könnte sich der Zeitaufwand aber erhöhen. „Wir arbeiten daran, die Leute aus der ganzen Städteregion miteinzubeziehen und so einen größeren Radius zu erreichen“, erzählte Meyer. „Wenn wir mit dem Projekt zeigen können, dass es gar nicht weh tut, Neuankömmlingen in der Region den Start ein Stück leichter zu machen, haben wir unser Ziel erreicht.“ Weitere Infos und Anmeldung auf www.jutestun.de.

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