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Justizirrtum? Anwalt von Ali C. ruft Europäischen Gerichtshof an

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Bis zum Jahresende wollte Strafverteidiger Harald Bex eine Sache zu Ende bringen, die ihm seit einiger Zeit auf dem Magen liegt. Der Anwalt hält nach wie vor ein Urteil des Landgerichts Aachen vom 3. Mai 2012 für einen Irrtum, weil die Täterschaft des Angeklagten in diesem Indizienprozess nicht bewiesen sei.

An jenem Tag verurteilte die 1. Schwurgerichtskammer mit dem inzwischen pensionierten Vorsitzenden Richter Gerd Nohl an der Spitze nach mehr als 20 Hauptverhandlungstagen den Schweißer Ali C. (47) aus Aachen-Haaren zu lebenslanger Haft. Das Gericht erkannte C. des Mordes schuldig, begangen an einer 72-jährigen Unternehmerin aus Haaren. C. habe sie im Vorjahr am Abend des 12. April in deren Einfamilienhaus erdrosselt, stellte die Kammer fest.

„Falsches Urteil durchgewunken“

Auch die folgenden In­stanzen bis hin zum Bundesverfassungsgericht befanden so. Sie hätten aber, so der Anwalt, das „falsche Urteil“ einfach „durchgewunken“. Deswegen verfasste er eine umfangreiche Beschwerdeschrift und reichte sie beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg ein. Dort soll das Aachener Urteil erneut auf Herz und Nieren geprüft werden.

Der Schweißer gestand die Tat nicht, weder bei der Polizei noch im Gerichtsverfahren. Er sei im Haus gewesen, habe das Opfer aber tot aufgefunden. Seine DNA fand man nicht am Tatwerkzeug. Es war ein um den Hals des Opfers geschlungenes Handtuch. Die Strangulation führte binnen acht Minuten zum Tod des Opfers auf der Kellertreppe ihres Hauses.

Dem voraus ging womöglich eine Auseinandersetzung zwischen dem Opfer und Ali C., der bei der oft wohltätig agierenden Unternehmerin Schulden hatte – was bekannt und unbestritten war. C. sei notorischer Spieler, hieß es damals von Seiten der Staatsanwaltschaft, er habe das Geld nicht zahlen können oder wollen, es waren rund 1000 Euro. Das seien „Peanuts“ für die Familie von C., hieß es von Seiten der Verteidigung.

Im Prozess spielte ein Abwehr-Pfefferspray der Schweizer Marke „Guardian Angel“, das man in der Küche an Wänden und Möbeln fand, eine entscheidende Rolle. Mit ihm soll C. die 72-Jährige angegangen sein. Er habe unmittelbar danach beschlossen, die in den Keller flüchtende Frau zu töten, das erfüllt das Mordmerkmal „Verdeckung einer Straftat“. „Für diese Tatversion gibt es keine objektiven Beweise“, moniert der Anwalt die rechtliche Bewertung.

Entlastendes nicht beachtet?

C. sollte ein solches Spray von einer Bekannten gekauft haben, doch die Proben der Sprays stimmten nicht überein. Weiter hatte eine Zeugin am Tatabend einen Mann in der offenen Garagentüre gesehen, ein Phantombild des LKA wurde verbreitet. Die Suche nach dem Mann habe man nicht ernsthaft betrieben, monierte der Anwalt. „Es haben sich acht weitere Zeugen auf die Phantomzeichnung gemeldet“, erinnert er sich, alle seien jedoch deswegen nicht gehört worden, weil die Ursprungszeugin am Ende „wackelte“.

Der Prozess war „kein faires Verfahren“, so das Resümee, weil keine entlastenden Ergebnisse ins Urteil eingeflossen seien, das Ganze müsse neu verhandelt werden. Selbst die Tatsache, dass sich keine DNA vom vermeintlichen Täter an dem Drosselwerkzeug fand, habe die Kammer gegen und nicht für den Angeklagten gewertet, das sei die „Umkehr der Beweislast“. „Ich bin überzeugt, dieser Mann ist unschuldig“, erklärt Harald Bex sein Engagement.

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