„Justiz und Nationalsozialismus“: Versäumnisse und Fehler bei Bestrafung

Von: Lilian Killmeyer
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Eröffneten die Ausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“ im Justizzentrum Aachen: Landgerichtspräsident Stefan Weismann und Dirk Frenking, Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Der Dolch des Mörders war unter der Robe des Richters verborgen.“ Dieser Satz aus dem Juristenprozess im Jahre 1947, dem ersten der zwölf Prozesse des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals, weist auf die Schuld hin, die Juristen während der NS-Diktatur auf sich geladen haben. Im Namen einer nur scheinbar unabhängigen Justiz sprachen sie ihre Urteile, dienten dabei jedoch einem verbrecherischen System.

Die Ausstellung „Justiz und Nationalsozialismus“, die im Justizzentrum Aachen zu sehen ist, widmet sich den von der Justiz im Dritten Reich begangenen Verbrechen, aber auch den Versäumnissen und Fehlern bei der Bestrafung und Aufarbeitung des begangenen Unrechts in der jungen Bundesrepublik.

Initiiert wurde die Wanderausstellung von der Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus“ NRW, die 1989 gegründet wurde und bundesweit einmalig ist. In Zusammenarbeit mit Gedenkstätten (unter anderem Yad Vashem), historischen Forschungsinstituten und vielen anderen Einrichtungen hat die Dokumentations- und Forschungsstelle es sich zum Ziel gemacht, einen eigenen Beitrag zur Aufarbeitung dieses NS-Justizunrechts zu leisten: „Es gibt immer weniger Zeitzeugen, daher ist es unsere Verantwortung, dieses Wissen weiterzutragen“, erklärt Dirk Frenking, Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle.

Mit zahlreichen Dokumenten, Fotos sowie Begleittexten ist die völlig neu konzipierte Ausstellung an die veränderten Sehgewohnheiten heutiger Besucher und Besucherinnen angepasst und lädt zum selbstständigen Studium ein. An zehn thematisch in sich abgeschlossenen Stationen erfährt man, wie bereits die Justiz in der Weimarer Republik dem nationalsozialistischen Regime den Weg ebnete, mit welcher Selbstverständlichkeit die Gleichschaltung der Justiz nach der Machtübernahme gelang und wie sich die meisten Juristen den neuen Machthabern unterordneten und „im Namen des deutschen Volkes“ an der Entrechtung von Minderheiten und politisch Andersdenkenden mitwirkten.

Doch dieses begangene Unrecht der Justiz blieb nach dem Ende der Diktatur offenbar ungesühnt, kein einziger Richter eines Sondergerichts oder des Volksgerichtshofs ist in der BRD zur Rechenschaft gezogen worden. „Wir wissen mittlerweile, dass der Nationalsozialismus nicht am 8. Mai 1945 geendet hat. Gegenstand der Ausstellung ist daher auch die Ideologie, die in die 50er Jahre weitergetragen wurde und bis heute vorkommt“, erläutert Frenking.

Die Ausstellung wendet sich auch an junge Besucher, die ihr Wissen erweitern können und dadurch auch unsere durch rechtspopulistische Parolen attackierte Demokratie bewusster schätzen werden. „Es ist gerade für junge Leute notwendig, die Mechanismen zu erkennen, die dazu führen, das Rechtssystem zu entkräften“, meint auch Dr. Stefan Weismann, Präsident des Landgerichts Aachen.

Daher werden Führungen für Schulklassen angeboten, in denen sie wie Historiker in die Zeit eintauchen und sich anhand von Dokumenten ein Bild machen können. Denn wie der Jurist Fritz Bauer gesagt hat: „Die Auseinandersetzung mit unserer jüngsten Vergangenheit erfordert gewiss ein Wissen um Fakten, aber das genügt nicht, nötig ist auch der Versuch ihrer Deutung, ohne die keine Folgerung und keine Lehre gezogen werden können.“

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