Aachen - Justiz schaut Bestatter auf die Finger

Justiz schaut Bestatter auf die Finger

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Annemarie Stieger, so sagt sie selbst, hatte doppelt verloren. Erst ihren Vater, Anfang März ist er gestorben. Und dann das Vertrauen in Ehre und Anstand. Anfang der Woche hat sie Anzeige gegen den Bestatter erstattet, der sich um die Beerdigung ihres Vaters gekümmert hat.

Der Vorwurf lautet Betrug. Ein Rechtsanwalt ist schon länger eingeschaltet. Rechnungen, die der Bestatter übernehmen sollte und für die er Geld von der Versicherung der Stiegers erhalten hat, seien nicht bezahlt worden und gingen nun an Annemarie Stieger. „Das darf doch nicht wahr sein. Wir haben dem Bestatter vertraut”, sagt sie. „Nun sollen wir selber bezahlen.”

Stiegers Fall ist nicht der erste dieser Art. Schon im März berichtete die Aachener Zeitung über den Betrugsverdacht gegen einen Aachener Bestatter, etwa ein Dutzend Strafanzeigen waren da eingegangen. Und die Beschwerdeliste wird länger und länger. Polizei und Staatsanwaltschaft sind im Bilde. „Das Ermittlungsverfahren dauert an”, sagt Dr. Jost Schützeberg als Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Schadenssummen liegen meist im vier- bis niedrigen fünfstelligen Bereich. „Aber auch wenn es nur um zehn Euro geht, empfehlen wir jedem Geschädigten, sich bei der Polizei zu melden”, kommentiert Dieter Mirbach, Vorsitzender des Aachener Bezirksverbandes der Bestatter. Mirbach weiß um den Fall oder besser die Fälle, und er sagt immer wieder, dass sich ihm „die Nackenhaare sträuben”.

Der Bestatterverband hat längst ausgelotet, wie er diesem Geschäft mit dem Tod den Garaus machen könne. Doch rasch wurde klar, dass der betroffene Betrieb nicht Mitglied des Verbandes und der Innung sei. „Wir haben keine Handhabe. Ich würde ihn nicht mal als Kollegen bezeichnen”, sagt Mirbach. Zwar haben die Bestatter in ihrem Bundesverband eine Schlichtungsstelle (mehr unter http://www.bestatter-nrw.de) für solche Fälle eingerichtet, doch auch die können nichts ausrichten. „Wir könnten tausend Briefe schreiben, er muss sich an nichts halten. Das ist einfach nur unbefriedigend. Hier bringt ein schwarzes Schaf alle in Verruf.”

Der unter Betrugsverdacht stehende Bestatter hat sich trotz einer Ankündigung bislang nicht geäußert. Eine entsprechende AZ-Anfrage blieb unbeantwortet. Mirbach empfiehlt, bei Bestattern immer auf die Verbandszugehörigkeit zu achten. „Dort haben wir einen Ehrenkodex. Aber das hilft den Geschädigten nicht mehr.” Und Annemarie Stieger sagt: „Erst der Tod des Vaters, und dann auch noch so was.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert