Junkerstraße: Als die Bautrupps kamen, gingen die Kunden

Von: Stephan Mohne
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Loch in der Kasse und blanke N
Loch in der Kasse und blanke Nerven: Tankstellenpächter Bernd Passenheim hat mit der Baustelle Junkerstraße einiges hinter sich. Foto: Steindl

Aachen. Über dem Eingang der Shell-Tankstelle prangt ein Banner. Von „Vorteilswochen” ist da die Rede. Für den Pächter der Station an der Ecke Junkerstraße/Gartenstraße waren die vergangenen Wochen jedoch keineswegs von Vorteil.

Bernd Passenheim, seit 1989 dort beheimatet, hat eher Horrorwochen hinter sich. Am laufenden Band sei er „verarscht” worden, wie er verärgert wie unverblümt sagt. Dabei ist Passenheim gar kein Mann der lauten Töne. Aber seit Anfang September hat sein Nervenkostüm arg gelitten.

Das hat mit der Baustelle zu tun, die seit einigen Wochen auf der Junkerstraße zu Dauerstau führt. Die Stawag erneuert dort die Versorgungsleitungen, bevor auch noch die Stadt anrückt, um eine neue Fahrbahndecke nebst veränderter Aufteilung - wie berichtet fallen dort zugunsten von Radwegen Fahrbahnen weg - aufzubringen. Bernd Passenheim hat jetzt schon die Nase gestrichen voll, während seine Kasse deutlich leerer ist.

„Mindestens 40 Prozent weniger”

Auf „mindestens 40 Prozent” beziffert er den Umsatzrückgang. Fatal. „Denn insgesamt läuft das Geschäft schon schlecht genug.” Dabei hat Passenheim eigentlich Verständnis für die Ausbesserung der Leitungen: „Das muss natürlich gemacht werden.” Aber wie es mit der Baustelle für ihn lief oder eben nicht lief, das treibt dem Mann die Zornesröte ins Gesicht. Bisweilen sei ihm morgens einfach die Zufahrt von der Junkerstraße aus zugemacht worden: „Das standen plötzlich Absperrungen. Auf die Frage was das soll, bekam ich nur die Antwort, das müsse eben so sein.”

Was dazu führte, „dass ich Alarm gemacht habe”, wie er sagt. Nicht nur einmal. Denn zu allem Überfluss habe die Stadt just in diesen Wochen zeitweilig auch die Gartenstraße - die andere wichtige Zufahrt zur Tankstelle - gesperrt, weil die Fahrbahn ausgebessert wurde. Erste Anrufe bei der Stadt seien in einer Sackgasse geendet. Als die Zufahrt Junkerstraße dann dicht war, ging besagter Alarm Richtung Stawag. Dann wurde eine Zufahrt hergerichtet, „aber die war so eng, dass man gar nicht hineinkam”, erzählt Passenheim. Also wieder zur Stawag - mehrfach an einem Tag. Stawag-Sprecherin Corinna Bürgerhausen sagt auf Nachfrage, man habe die Baufirma angewiesen, die Zufahrt zu vergrößern - „hoffentlich ist das auch passiert”. Ist es erstmal nicht. Vielmehr sei ihm, so Passenheim, nun seitens der Baufirma unwirsch erklärt worden, das gehe aus „Verkehrssicherungsgründen” nicht. „Blödsinn. Die hatten nur keine Stahlplatten mehr”, fühlt sich der Pächter auch hier verschaukelt. Schließlich drohte Bernd Passenheim mit einer Schadensersatzklage. Davon hat er Abstand genommen, denn: „Ich habe keine Lust, gegen Windmühlen zu kämpfen.” Stadt und Stawag räumen indes ein, dass hier „einiges schiefgelaufen ist” und „der Wurm drin war”. Für die kommenden Arbeiten habe man die Nöte von Bernd Passenheim auf dem Schirm.

„Nicht den Mund halten”

Nun, die Stawag-Baustelle ist fast fertig. Bernd Passenheim hat das Schlimmste hinter sich. Hofft er. Genauso hofft er, dass die Kunden nicht auf Dauer fernbleiben. Was in Sachen städtischer Baustelle auf ihn zukommt, weiß er nicht: „Mit mir hat niemand darüber gesprochen.” Das wird noch folgen, wie Rita Klösges vom Presseamt allen Betroffenen verspricht. Bernd Passenheim hat aus der ganzen Sache etwas gelernt: „Man darf nicht den Mund halten, sonst ist man der Dumme.” Die Umsatzeinbußen muss er nun wegstecken. Für Betroffene an anderen Stellen der Stadt hofft er, dass sein Beispiel zumindest dazu führt, „dass demnächst bessere Absprachen getroffen und auch gehalten werden”.
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