Jungs können auch mal Nägel lackieren

Von: Kristina Toussaint
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Die Frisur sitzt 1a: Judith Kneuttinger zeigte den jungen Teilnehmern, wie man Köpfe verschönert. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Der Girls‘- beziehungsweise Boys‘-Day lässt Schülerinnen und Schüler für einen Tag in ein Berufsfeld ihrer Wahl hineinschnuppern. Ziel ist, die Jungen und Mädchen an Berufe heranzuführen, die eher vom anderen Geschlecht dominiert werden.

Die Handwerkskammer zeigt auf, welche Chancen und Perspektiven ein Job im Handwerk bietet.

Sollte mit dem Girls‘-Day zunächst erreicht werden, Mädchen stärker an technische und naturwissenschaftliche Berufe heranzuführen, hat man mit dem Boys‘ Day inzwischen den Spieß umgedreht: Jungs probieren Berufe aus, in denen die Frauenquote bei über 60 Prozent liegt. Die Handwerkskammer Aachen war zum fünften Mal bei dem jährlichen Aktionstag dabei.

Am Bildungszentrum an der Hüls testeten Mädchen ihre Eignung für die Arbeit als Maler und Lackierer oder in der Metallverarbeitung, an der Akademie auf Gut Rosenheim versuchte sich eine gemischte Gruppe am Handwerksdesign.

Im Bildungszentrum für Friseur und Kosmetik jedoch: nur Jungs. Zehn föhnende, stylende und Nägel-lackierende Jungs zwischen 12 und 15 Jahren.

Von Scham oder Unbehagen gegenüber dem vermeintlichen Frauenberuf keine Spur. „Mich interessiert es, wie man Menschen sozusagen gestalten kann und das Styling einen anderen Ausdruck erzeugen kann“, so der 14-jährige Johannes. Bislang gebe es kaum signifikante Bewegungen bei den Klassikern der beliebtesten Berufe, so Ulrich Käser, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. Wie man sehe, wachse aber zum Beispiel das Interesse vieler Jungen am Friseurberuf.

Die in allen deutschen Städten florierenden Barbershops haben daran sicherlich ihren Anteil, ist Friseur-Ausbildungsmeisterin Mona Müller überzeugt. Starke, bärtige Männer, die in Lederschürze in hippem Ambiente Bärte schneiden und Haare legen, bieten ein verändertes Rollen- und Berufsbild. „Das finden die Jugendlichen cool“, so Käser. Ein weiterer Punkt, der das Friseur-Image verändert: Geflüchtete aus den arabischen Ländern kennen den Friseur als traditionellen Männerberuf, den schon Cousin, Onkel oder Vater ausgeübt haben. Bestes Beispiel ist Rayan: „Ich wollte immer schon Friseur werden“, so der 14-Jährige. Freunden oder Familienmitgliedern schneidet er jetzt schon oft die Haare.

Insgesamt 40 Schülerinnen und Schüler konnten einen Einblick in die Handwerksberufe erlangen, 67 Prozent davon gehen auf ein Gymnasium. Ein gutes Zeichen, findet Käser. Die Agentur für Arbeit setzt bei ihrem ganzheitlichen Beratungsansatz darauf, Abiturienten auch auf Ausbildungsberufe im Handwerk aufmerksam zu machen und begleitet den Girls‘- und Boys‘ -Day beratend. Mit einem Meister ist ein früher Berufseinstieg auf hohem Niveau oder ein ergänzendes Studium möglich. „Für viele ein toller Weg, um Chef zu werden“, lacht Andrea Hilger von der Agentur für Arbeit.

Der Girls‘- und Boys‘-Day bietet Schülern die Möglichkeit, anders als im Schulalltag auch mal mit den Händen zu arbeiten und herauszufinden, wofür man den Abschluss überhaupt macht – oder wo man nicht hin will. Das breite Informationsangebot soll dabei helfen, die Zahl der Ausbildungs- und Studienabbrecher zu reduzieren.

Etwa 2900 Ausbildungsplätze für den Herbst sind aktuell noch unbesetzt, 50 freie gibt es auch noch im Friseurbereich. Wer die eigene Eignung für einen Handwerksberuf erproben will: Die nächste Möglichkeit zum Talentetest bietet der Tag des Handwerks am 16. September im Bildungszentrum an der Hüls.

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