Junge Union Monschauer Land: Rock-Musik trifft auf Politik

Von: Nina Leßenich
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Nachts Frontsänger, tagsüber politisch aktiv: Für Nicolas Lunz ist die Musik ein perfekter Ausgleich zu seinem politischen Engagement. Foto: Nina Leßenich
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Zwei Interessen, die verschiedener nicht sein könnten: Nicolas Lunz ist Sänger der Band „Vorübergehend“ und Vorsitzender der Jungen Union Monschauer Land. Foto: Andreas Gabbert

Aachen. Es gibt Dinge, die Nicolas Lunz gar nicht leiden kann: Meckern, ohne etwas zu unternehmen, zum Beispiel. Im Interview erklärt der 26-Jährige, weshalb er es so wichtig findet, sich zu engagieren – und warum Rock-Musik ein guter Ausgleich zur Politik ist.

Im Juni hast Du die Junge Union (JU) Monschauer Land neu aufgestellt, bist nun deren Vorsitzender. Warum braucht das Monschauer Land eine JU?

Nicolas Lunz: Als Sprachorgan für die Jugend. Die Politik trifft viele Entscheidungen, die die Zukunft der Kommunen Simmerath, Roetgen und Monschau betreffen. Die Interessen der jungen Leute werden bei solchen Entscheidungen häufig nicht einbezogen. Das wollen wir ändern. Wir möchten unsere eigene Meinung vertreten und nicht nur der „großen Union“ nach dem Mund reden.

Woher kam die Idee, die JU neu aufzustellen?

Nicolas Lunz: Ich arbeite seit ein paar Jahren im Ortsverband der CDU Imgenbroich, bei dem ich seit letztem Jahr auch Vorsitzender bin. Mir ist aufgefallen, dass in Monschau sehr wenig junge Leute in der Politik sind. Das finde ich schade. Ich werde von Jugendlichen oft auf Themen wie Schul- oder Gewerbeentwicklung angesprochen – Interesse ist vorhanden. Um diesen Jugendlichen eine Plattform zu bieten, auf der sie sich beteiligen können, habe ich entschieden, die JU zu reaktivieren.

Was ist euer Ziel?

Nicolas Lunz: Die Nordeifel wieder so zu gestalten, dass sie attraktiv für die Jugend und junge Familien wird.

Wie wollt ihr das erreichen?

Nicolas Lunz: Dazu gehört zum Beispiel eine vernünftige Verkehrsanbindung an Aachen, damit Studierende oder Schüler in der Eifel wohnen bleiben können, wenn sie eine Schule oder Hochschule in Aachen besuchen. Der aktuelle Zustand der Strecke ist zu manchen Uhrzeiten eine Belastung für jeden Pendler.

Eine bessere Verkehrsanbindung alleine wird nicht alle Probleme in der Nordeifel lösen.

Nicolas Lunz: Nein. Ich möchte auch schaffen, dass es ausreichend Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gibt, damit Familie und Beruf vereinbar sind. Außerdem ist es wichtig, dass sich die Zahl der Gewerbebetriebe in der Nordeifel erhöht, um berufliche Perspektiven zu bieten. Mein Traum ist es, auch in 40 Jahren in einer jungen und dynamischen Nordeifel zu leben.

Die CDU ist bei vielen Jungen als konservativ verschrien. Warum bist Du ausgerechnet in dieser Partei aktiv?

Nicolas Lunz: Ich habe mich schon früh mit Parteien auseinandergesetzt. Ich bin kein Freund von Bevormundung wie bei der SPD, den Linken oder den Grünen, die gerne Vorschriften an die Bevölkerung erlassen möchten. Ich möchte jedem die Chance geben, eigene Entscheidungen zu treffen. Es ist richtig, dass die CDU als konservativ bezeichnet wird. Aber gerade konservative Werte wie Familie, Solidarität und Tradition sind in der heutigen Zeit moderner denn je. Was wäre ein Dorf ohne Vereine, Ehrenämter oder Traditionen, wie zum Beispiel die Mainacht?

Stichwort „schon früh mit Parteien auseinandergesetzt“: Woher kommt Dein Interesse an der Politik?

Nicolas Lunz: Ich bin in einer Familie mit drei Geschwistern groß geworden – da habe ich gelernt zu diskutieren und eigene Interessen durchzusetzen. Ich bin außerdem schon seit Jahren in unterschiedlichen Vereinen aktiv und war in meiner Schulzeit in der Schülervertretung tätig. Bei meinem Studium als Diplom-Verwaltungswirt habe ich dann gelernt, wie Kommunen verwaltet werden und wie genau Politik funktioniert.

Gibt es politische Themen, die dich besonders interessieren?

Nicolas Lunz: Sozial-, Finanz- und Wirtschaftspolitik. Ein gutes Zusammenleben mit einer geringen Arbeitslosenzahl, einer guten In­frastruktur und so weiter kann nur mit einer guten Wirtschaft funktionieren.

Müssen junge Leute sich in der Politik mehr engagieren?

Nicolas Lunz: Ich würde das sehr positiv finden.

Warum?

Nicolas Lunz: Gerade sind viele Veränderungen möglich. Wir gestalten die Zukunft. Die heutigen Beschlüsse entscheiden, wie unsere Gemeinden in 30 bis 40 Jahren aussehen. Da sollte jeder mitreden wollen. Demokratie funktioniert nur, wenn die Bevölkerung sich informiert. Daher müssen wir es schaffen, junge Leute wieder für die Politik zu interessieren.

Woran liegt denn die viel zitierte Politikverdrossenheit?

Nicolas Lunz: Das Problem ist nicht das fehlende Interesse, sondern die fehlende Nähe der Politik zur Gesellschaft.

Wie könnte man das ändern?

Nicolas Lunz: Wir müssen Menschen die Möglichkeit geben, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Nur wenn man die Jugend ernst nimmt und sich für sie einsetzt, kann man ihr Vertrauen in die Politik zurück gewinnen. Ich bin der Meinung, dass man mit der Zeit gehen muss.

Ein Beispiel?

Nicolas Lunz: Ich würde es begrüßen, wenn zum Beispiel die Wahl über das Internet möglich wäre.

Wer sich in der lokalen Musikszene auskennt, dem wird Dein Gesicht bekannt vorkommen.

Nicolas Lunz: Ja, ich spiele in einer Rockband. Wir nennen uns „Vorübergehend“ und ich singe, spiele Gitarre und Piano.

Rockmusik und Politik. Wie passt das zusammen?

Nicolas Lunz: Für mich ist Musik ein Ausgleich zur Politik. Hier kann ich komplett abschalten und auf Konzerten auch mal richtig „die Sau rauslassen“.

Sind Rockmusiker nicht alle harte, böse Kerle?

Nicolas Lunz: Das ist ein Vorurteil, das ich auf keinen Fall bestätigen kann. Die meisten Rockmusiker, die ich kenne, sind sehr nette Kerle. Politiker sollen ja angeblich auch steif und spießig sein. Das hoffe ich genauso wenig zu sein.

Verarbeitest du auch politische Themen in Euren Songs?

Nicolas Lunz: Musik ist zwar wie Politik ein Medium, um Leute zu erreichen. Aber wir machen keine politische Musik. Natürlich gibt es trotzdem Anspielungen: Fremdenhass zum Beispiel kann ich überhaupt nicht leiden und das bringe ich bei Konzerten auch zum Ausdruck.

Ein Blick in die Zukunft: Verdienst Du Dein Geld als Politiker?

Nicolas Lunz: Ich würde mich freuen, wenn ich die Chance hätte, eines Tages in der Politik zu arbeiten. Ich würde es aber als Traum und nicht als Ziel bezeichnen. Ich bin mir bewusst, dass es sehr schwierig ist. Daher werde ich auch in Zukunft meine Arbeit als Einkäufer an der RWTH Aachen nicht vernachlässigen und auch dort versuchen, mich von Tag zu Tag zu verbessern.

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