Aachen/Nordeifel - Junge Krimiautoren begeistern in Aachen

Junge Krimiautoren begeistern in Aachen

Von: Berthold Strauch
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Kleine Krimiautoren, tolle Schauspieler und Musiker: Die Kinder der Grundschule Kalterherberg/Mützenich überzeugten das begeisterte Publikum beim ausverkauften Krimiabend „Mörderische Eifel“ in Aachen. Foto: Heike Lachmann

Aachen/Nordeifel. Die Blut- und Gewaltwellen der „Mörderischen Eifel“ schwappten bis in die Mayersche: Trotz dieses martialischen Titels ging es am Donnerstagabend im Forum M ausgesprochen friedlich zu – und auf glänzende Weise unterhaltsam. Denn bereits die siebte Auflage dieser beliebten Veranstaltungsserie stand auf dem Programm. Entsprechend war der Ansturm der großen Fangemeinde: ausverkauft!

Dafür sorgte insbesondere ein Name: Jacques Berndorf alias Michael Preute. Der ehemalige Journalist habe sich binnen fast 25 Jahren zum „erfolgreichsten deutschen Krimiautor“ gemausert, schwärmte Buchhändler Marcel Emonds-pool, der den Abend moderierte – und passend zum Ambiente und Thema im klassisch gestreiften Sträflingsanzug auflief.

Doch der Auftakt gehörte zunächst anderen Akteuren: 28 Kindern der vierten Klasse der Grundschule Kalterherberg/Mützenich in der Stadt Monschau.

Die Roetgener Kulturpädagogin Ingrid Peinhardt-Franke hatte mit den kleinen Autoren im Rahmen der „Krimiwerkstatt Städteregion Aachen“ – gefördert durch „Kultur und Schule NRW“ – einen munteren Kinderkrimi auf die Bühne gestellt. Dabei spielte ein am Kloster Reichenstein zwischen den beiden Dörfern ausgegrabenes Dinosaurier-Skelett eine tragende Rolle

Herzerfrischend, mit viel Darstellerkunst und überhaupt nicht aufgeregt meisterte die muntere kleine Schauspielerschar ihre Aufgabe – immer wieder mit herzlichem Zwischenapplaus vom begeisterten Publikum belohnt.

Außerdem sorgten die Kinder selbst für den temperamentvollen musikalischen Rahmen ihrer Show: mit vier Gitarren und zudem mit heller Sangeskunst, wobei Nenas berühmter Song kurzerhand in „99 Krimifälle“ umgedichtet wurde. „Das war professionell!“, lobte Emonds-pool hinterher.

Apropos Musik: Dabei gab es ein weiteres Highlight. Krimi- und stilgerecht präsentierten sich Heribert Leuchter (Klarinette und Gesang) und Manfred Hilgers am Kontrabass – im schwarzen Anzug und mit dunkler Sonnenbrille, etwa bei ihrer Interpretation der Moritat von Bertolt Brecht, Mackie Messer und der „Haifisch, der hat Zähne“ aus der „Dreigroschenoper“.

Und dann wurde es noch gruseliger – laut den Autoren mit „geklauten“ Anleihen, etwa beim berühmten Regisseur Alfred Hitchcock und seinem Film „Die Vögel“: Bei den „jungen Talenten“ Rosa und Thorsten Wirtz aus Nettersheim, die aus ihrem Eifelkrimi „Die Kunst der letzten Stunde“ vorlasen, wurde der mörderische Angriff „frontal und mit voller Wucht“ mit einem Modellflugzeug gesteuert. Das Paar wurde 2012 mit dem Jacques-Berndorf-Preis ausgezeichnet.

Übrigens: Der Altmeister selbst griff in seiner Vorleserunde nicht zum bekannten Krimi-Genre, sondern spießte in seiner kleinen Erzählung genüsslich „mal was Lustiges“ auf, eine kleine Begebenheit, die er in Hillesheim in der Südeifel aufgeschnappt hatte, wie er nachher im Gespräch mit der AZ bekannte.

Zu dieser Verbandsgemeinde gehört auch das Örtchen Berndorf, wo der Schriftsteller lebt und dessen Namen er „geborgt“ hat.

Bauherr Paul Josef Maria Schmitz, längst pleite, will aus einem alten Benediktinerkloster eine „Touristenattraktion“ machen – ein „Clubhotel für Schwule“. Eine „grandiose, überzeugende Idee“, wie es im Dorf hieß: Der „Probelauf“ sei „ein rauschender Erfolg“ geworden. „Die Eifel muss vorankommen“, grinste Jacques Berndorf hinterher schelmisch.

Im November soll übrigens sein neuester Eifelkrimi erscheinen. „Über den Titel haben wir auf der Hinfahrt diskutiert“, lässt Berndorf ein wenig Einblick zu: „Eifel-Krieg“ könnte das Buch heißen, sagt er. Die mörderische Story spielt im Neonazi-Sumpf, wobei der Autor auch die schreckliche NSU-Mordserie einbezieht.

Mit Interesse werde er den bevorstehenden Prozess in München beobachten – auch mit Blick auf mögliche neue Scheußlichkeiten, die dabei ans Tageslicht kommen könnten. Bis August muss sein Manuskript fertig sein, da hat er noch genügend Zeit, das Gerichtsverfahren auszuwerten – so wie der Journalist immer wieder bei seinen Themen vor dem Schreiben akribisch recherchiert.

Nach der Pause überzeugte das „Multitalent, der Tausendsassa“ (Emonds-pool) Hubert vom Venn aus Roetgen. Im Oktober soll sein neuer Krimi mit seinem Alter Ego, dem Journalisten Charly Nusselein, erscheinen.

Die Schauplätze liegen allesamt im Monschauer Land, wobei auch „echte“ Akteure wie Kanzlerin Angela Merkel eine (Neben-)Rolle spielen. In einer brennenden Blockhütte in Hirschrott bei Einruhr, für die das Kanzleramt die Grundsteuer zahlt, wird eine verkohlte Leiche gefunden . . . „Ich weiß noch nicht, wer der Mörder ist“, erzählte vom Venn, der beim Schreiben gerade bei Seite 100 angekommen ist.

Den krönenden Abschluss setzte Krimiautor Ralf Kramp mit seiner „Kurzgeschichte“ von einer Zelttour in die Eifel, die er darstellerisch überaus gekonnt, fast wie ein vielstimmiges Hörspiel präsentierte und die mit Todesfällen per Heugabelstichen endete. Ein wenig fühlte man sich bei Kramps beschaulicher Erzählweise an Loriots berühmtes Gedicht „Advent“ erinnert.

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