Junge Flüchtlinge lernen fürs neue Leben

Von: kaa
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Nur fröhliche Gesichter: Die Kreativ-Werkstatt Deutsch, ein Kooperationsprojekt des Rotary Clubs Aachen und der Volkshochschule Aachen, war ein voller Erfolg. Foto: Andreas Steindl.

Aachen. „Es ist das erste Mal, dass ich etwas gezeichnet habe. Der Kurs war wunderbar“, sagt Shabir Amiri. Er floh aus Afghanistan und lebt seit vier Monaten in Aachen. Gemeinsam mit 29 weiteren Jugendlichen zwischen 17 und 19 Jahren nahm er an der Kreativ-Werkstatt Deutsch teil, einem Kooperationsprojekt des Rotary Clubs Aachen und der Volkshochschule Aachen.

An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden paukten Schüler der internationalen Klassen an der Mies-van-der-Rohe-Schule, Berufskolleg für Technik und des Berufskollegs für Technik und Gestaltung vormittags Deutsch und probierten sich nachmittags im Gestalten, Fotografieren oder Zeichnen aus.

Auch Mustafa Jawadi hat sich für das Zeichnen entschieden und das Wort „Glück“ grafisch umgesetzt. Wie Shabir Amiri ist auch Mustafa Jawadi aus Afghanistan geflohen und lebt seit sieben Monaten in Aachen: „Ich habe in Deutschland bisher sehr viel Glück und Chancen gehabt. Das sagt mein Bild“.

Bei der Konzeption des Projektes habe man Wert darauf gelegt, dass es neben der Unterrichtssituation auch praktische Elemente gebe, sagt Beate Blüggel, Leiterin der VHS: „Die Jugendlichen erleben in ihrem Alltag vor allem, was man nicht machen kann. Hier erleben sie, was sie können.“

Sein Talent für Holzarbeiten hat Samuel Diaz entdeckt. Er baute eine Mehrzweckkiste. Die Form hat er selbst nach seinen Initialen gestaltet. Außerdem ziert die Kiste der berühmte Dunking-Sprung des Basketballers Michael Jordan. „Ich bin ein großer Basketballfan und spiele auch selbst,“ erzählt Samuel, der aus der Dominikanischen Republik stammt und seit sechs Monaten in Aachen lebt.

Dozent Ralf Jansky lobt vor allem die hohe soziale Kompetenz, die viele Projektteilnehmer mitbringen: „Sie gehen sehr respektvoll miteinander um und zeigen großes Interesse an unserer Kultur. Bei einem großen Teil stellen wir auch schon die Reife fest, um eine Ausbildung zu beginnen.“

Zum Projekt gehörte auch, dass die 17 bis 19-Jährigen Einblicke in Aachener Betriebe bekommen, an zwei Nachmittagen besuchten sie die Firmen Gronen Malerarbeiten, Funken Bauunternehmung, Schaaf & Dornhöfer Dachdeckerbetrieb sowie Weber Metallgestaltung. „Uns ging es darum, den jungen Leuten einen Einstieg zu ermöglichen. Sie haben viele Fragen zum Berufsbild gestellt“, sagt Hans-Joachim Kopp, beim Rotary Club Aachen verantwortlich für die Rotary Foundation.

Er freute sich auch darüber, dass der Club mit seiner Idee bei den Aachener Unternehmen praktisch offene Türen einrannte: „Der Bedarf an jungen Fachkräften ist da. Wir haben Kontakt zu Unternehmen, die ein Praktikum oder eine Ausbildung anbieten möchten.“ Auf jeden Fall möchte man den Kontakt zu den Teilnehmern halten und eine Schnittstelle bilden, um Jugendliche und Betriebe zusammen zu bringen.

Finanziert wurde das Projekt von der Rotary Foundation. Den Kontakt zu den Schülern stellte das kommunale Integrationszentrum der Stadt Aachen her. „Für uns ist dieses Projekt sehr wichtig, denn es bedeutet gesellschaftliche Teilhabe. Es ermöglicht in einem außerschulischen Rahmen, dass sich die jungen Menschen und ihre Umwelt nicht nur als Flüchtlinge wahrnehmen“, sagt Sevim Dogan, Leiterin des kommunalen Integrationszentrums und fügt hinzu: „Das Projekt baut Brücken in soziale Netzwerke, die die Jugendlichen sonst nicht gehabt hätten.“

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