Junge Flüchtlinge bekommen ihre Chance

Von: Claudia Heindrichs
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Gelungener Anschluss: Youssef Abojobbah kam als junger Flüchtling nach Deutschland und macht jetzt seinen Lehrabschluss. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Abiturprüfungen stehen vor der Tür und viele junge Erwachsene haben dann die Qual der Wahl: Ausbildung oder Studium? Was Jugendliche aus der Region aufgrund vieler Möglichkeiten vor eine schwierige Entscheidung stellt, ist für junge Flüchtlinge oft ein langer Weg, der kaum Optionen bereit hält.

Selbst wenn die Geflüchteten die Schulausbildung beendet und einen Sprachkurs besucht haben, schrecken viele Arbeitgeber davor zurück, sie einzustellen. Der Grund dafür ist nicht etwa fehlende Motivation der Bewerber. Die Arbeitgeber haben Angst, dass ihnen die Auszubildenden während der Ausbildungszeit durch Abschiebung wieder genommen werden.

„Diese Angst ist unbegründet. Asylbewerber und Geduldete haben einen Anspruch auf Duldung für die gesamte Ausbildungszeit“, erklärte Markus Reissen von der Katholischen Hochschulgemeinde Aachen. „Ein Ausbildungsvertrag bedingt die Arbeitserlaubnis, nicht umgekehrt“, führte Reissen fort.

Er ist Teil der Arbeitsgruppe „willkommen.voran“. Das Team, das aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Café Zuflucht, des Regionalen Caritasverbands und der Katholischen Hochschule besteht, bemüht sich seit Monaten, Flüchtlingen einen besseren Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt zu schaffen. „Es ist wichtig, den jungen Erwachsenen nach ihrer Ankunft in Deutschland einen schnellen Start in die Beschäftigung zu ermöglichen“, sagte Reissen. Die Phase des Nichtstuns müsse schleunigst überwunden werden, damit die Geflüchteten nicht auf die schiefe Bahn geraten.

Auch die häufig erwähnten Bedenken seitens der Arbeitgeber unter dem Stichwort „Vorrangprüfung“ sind unbegründet. Das Gesetz, das die bevorzugte Behandlung eines deutschen Bewerbers regelte, ist aufgrund der niedrigen Arbeitslosenzahlen in den Kreisen Aachen und Düren seit 2016 für drei Jahre ausgesetzt.

Ein positives und ermutigendes Beispiel für alle Arbeitgeber ist das Ausbildungsverhältnis zwischen Youssef Abojobbah und Thorsten Schmitz. Youssef kam vor viereinhalb Jahren aus Pakistan nach Deutschland. Als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling erhielt er viel Unterstützung und eine engmaschige Betreuung seitens des Jugendamts. Er ging bereits nach zwei Wochen zur Schule, lernte Deutsch und machte in kürzester Zeit seinen Oberschulabschluss. Voller Tatendrang schrieb er eine Initiativbewerbung an Thorsten Schmitz, Inhaber der Firma Elektro Ell in Würselen. Dieser lud ihn ohne Vorbehalte zum Vorstellungsgespräch ein.

„Innerhalb von fünf Minuten war mir klar, ich muss diesen jungen Mann in meinem Team haben“, schwärmte Schmitz. „Entweder man kann sich riechen oder eben nicht. Da kommt es nicht darauf an, ob jemand ein Flüchtling ist oder nicht“, fügte er hinzu. Youssefs große Motivation überzeugte den Handwerksmeister nicht nur im Gespräch, sondern auch während des Praktikums. „Herr Schmitz hat mir alles gezeigt. Ich fühlte mich direkt wie ein Mitarbeiter seiner Firma“, lachte Youssef.

Die hohe Eigeninitiative von Ausbilder Schmitz und die gute Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer ermöglichten den reibungslosen Ausbildungsverlauf des jungen Pakistani. Ende des Jahres wird er seine Gesellenprüfung ablegen.

Die Arbeitsgruppe „willkommen.voran“ hofft, dass sich noch viel mehr Arbeitgeber trauen, jungen Flüchtlingen eine Chance zu geben. Vor allem im Handwerk könne dadurch dem großen Arbeitskräftemangel entgegen gewirkt werden. Ali Ismailovski vom Café Zuflucht ermutigt die Arbeitgeber: „Die Betriebe sind nicht allein. Wir beraten und begleiten nämlich nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Betriebe, die vorhaben, geflüchtete Jugendliche einzustellen.“ Neben dem Café Zuflucht helfen auch die Außenstellen der Caritas und die Katholische Hochschule weiter.

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