„Jung trifft Alt“: Mutiges Projekt, das Generationen zusammenführt

Von: Julia Gröbbels
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Gemeinsames Lesen, Basteln, Singen und vor allem Verstehen: Die Kooperation von Senioren aus dem "Haus Anna" und Kindern der Kita Bergstraße funktioniert bestens. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Hilde Breuer wartet schon sehnsüchtig auf die Ankunft der Kinder. Obwohl sie die 90 schon lange überschritten hat, blüht sie merklich auf bei dem Gedanken an den Besuch, der sich für den Nachmittag angekündigt hat. Immer wieder fragt sie voller Vorfreude: „Wann kommen sie denn? Wissen Sie, ich habe Kinder ja so gern.“

Hilde Breuer gehört zu den sechs Senioren im „Haus Anna“, die seit vier Monaten Besuch von Kindern der Kita Bergstraße bekommen. Seither wird alle vier bis sechs Wochen gemeinsam gesungen, gebastelt und gelacht.

Zunächst bekommen jedes Kind und jeder Senior ein Namensschild, dann kann es losgehen. „Am Anfang singen wir immer ein Lied, in das alle Namen der Kinder und Senioren eingebaut werden. So kann man sich gegenseitig besser kennenlernen“, sagt Sozialdienstleiterin Ulrike Vollmer.

Auch Körpereinsatz ist bei diesem ersten Begrüßungslied gefragt, solange das die motorischen Fähigkeiten der Senioren zulassen. So halten Kinder und Senioren sich an den Händen oder klatschen im Takt mit. Auch sprachlich hat es das Lied in sich. Weil die Kinder der Kita die verschiedensten Nationalitäten besitzen, wird neben deutsch auch auf polnisch, türkisch und englisch gesungen.

Nach dem Begrüßungslied geht es ans Basteln. Jedes Kind bastelt mit jeweils einem Senioren an einer Clownsmaske, die als Karnevals-Deko die Fenster des Seniorenheimes schmücken soll. Beim gemeinsamen Basteln zeigt sich, dass es keine Berührungsängste gibt.

Im Gegenteil: Voller Neugier und positiven Erwartungen begegnen sich Menschen, bei denen der größte Altersunterschied nicht weniger als 90 Jahre beträgt. „Auf diese Weise können sowohl jüngere als auch ältere Menschen voneinander und miteinander lernen und wertvolle Erfahrungen für ihr eigenes Leben sammeln“, sagt Einrichtungsleiter Johannes Krückel.

Durch das Projekt werden die jungen Heranwachsenden ebenso wie die Älteren sensibilisiert für das Zusammensein mit verschiedenen Charakteren und Persönlichkeiten, Menschen mit und ohne Behinderung. „Besonders die Kinder erwerben durch den Umgang mit den Senioren viele soziale Kompetenzen, die sie spätestens im Berufsleben brauchen werden“, so Vollmer.

„Ein weiterer Vorteil ist, dass viele der Kinder ohne Großeltern aufwachsen müssen, weil diese in einer anderen Stadt wohnen oder bereits verstorben sind. Auch viele Senioren bekommen keinen Besuch von ihren Enkeln. Ich hatte das Glück in einem Drei-Generationen-Haus aufzuwachsen. Durch das Projekt können nun noch mehr Menschen diese tolle Erfahrung machen und vom Austausch der Generationen profitieren“, meint Krückel.

In Zukunft kann er sich auch vorstellen die Besuche der Kinder auf gemeinsame Tagesausflüge mit den Senioren zu erweitern. „Auch eine Kooperation mit Museen oder anderen kulturellen Einrichtungen fände ich sehr spannend“, sagt Krückel.

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