Juli fällt nicht nur im Freibad ins Wasser

Von: Stephan Mohne und Thorsten Karbach
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Geöffnet: So sah es im Hangew
Geöffnet: So sah es im Hangeweiher gestern Vormittag aus. Die ganz große Leere im Aachener Dauerregen. Wärme statt Abkühlung verschafft das Wasser im 50-Meter-Becken. Denn hier misst Hangeweiher-Leiter Torsten Liebel (kleines Bild) immerhin 23 Grad Celsius. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wann wirds mal wieder richtig Sommer? Rudi Carrells ebenso unvergessener wie unverwüstlicher Schlager ist gerade in diesem „Sommer” 2012 in aller Munde. Sonnenschein von Juni bis September? Torsten Liebel jedenfalls kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen, auch wenn es dieses Jahr nur ein Traum ist.

Denn für den Leiter des städtischen Freibades Hangeweiher fällt der Sommer bislang buchstäblich ins Wasser. „Vom Wetter her ist es absolut katastrophal, einfach schrecklich”, schaut er in den Himmel und blickt auf leere Liegewiesen.

5190 Besucher wurden im Hangeweiher im Juli gezählt. Und die auch nur, weil es unermüdliche Früh- und Sportschwimmer gibt, die jeden Tag ihre Bahnen durch das auf 23 Grad erwärmte Wasser ziehen. Mit dem 15. Juli endet am Hangeweiher auch die erste Halbzeit des Sommers 2012.

Und nach 15.774 Gästen im Mai und 7644 Besuchern im Juni stehen in der Halbjahresbilanz 28.608. Das ist wenig. Sehr wenig. Denn im keineswegs prächtigen Sommer 2011 kamen immerhin noch 71.969 Schwimmer. Im Rekordsommer 2010 98.638. Allein der Juli 2010 lockte dabei 50.060 Badegäste.

Schon der Juni 2012 wurde als schwächster Juni der letzten fünf Jahre erfasst. Bislang lag der Tiefstwert bei 10.776 Besuchern im Jahr 2007, im vergangenen Jahr kamen 19.963, im Jahr davor sogar 27.962.

Der Juli liegt auf ebenso niedrigem Niveau. Doch ging der schon 2011 baden - und die Menschen machten einen Bogen um das Freibad. 10.719 Besucher wurden am Monatsende in der Bilanz erfasst. Diese Marke kann der Juli 2012 sogar noch knacken.

Oder nicht? Udo ter Horst kann nicht mehr versprechen als Folgendes: „Das Wochenende wird trockener, aber Schauer wird es weiterhin geben. Und die 25 Grad werden wir bis zum Wochenende wahrscheinlich auch nicht knacken”, sagt der Experte von der Aachener Wetterstation in Orsbach. Naja, das hört sich zumindest so an, als dass der Regen nun etwas wärmer wird.

Bis zum 15. Juli haben ter Horst und Kollegen 57 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen. Das entspricht dem, was sonst durchschnittlich im ganzen Juli fällt. Montag waren es 7,1 Liter, der Sonntag ist Spitzenreiter mit 19,6 Litern, am 12. Juli wurden 7,5 Liter gemessen. 66 Stunden Sonnenschein wurden gezählt, in einem normalen Juli gibt es 200. Die Höchsttemperaturen haben sich in den letzten Tagen zwischen 16,5 und 18,5 Grad Celsius eingependelt - immerhin zeigte das Thermometer am 4. Juli - ausnahmsweise - 25,8 Grad. „Aber auch wir suchen den Sommer noch, bislang ist das Wetter eher herbstlich oder typisch für das frühe Frühjahr”, sagt ter Horst.

Das dürfte zumindest bei der Stawag die Kassen klingeln lassen. Schließlich hat so mancher doch schon die Heizung aufgedreht. Sollte man meinen. Doch offenbar ist es so schlimm dann doch noch nicht. „Beim Gasverbrauch gibt es nur extrem geringe Zuwächse”, sagt Stawag-Sprecherin Eva Wußing. Und eines verkauft die Stawag derzeit weniger: Wasser.

An einem normalen Durchschnittstag werden in Aachen laut Wußing 75.000 Kubikmeter verbraucht. das entspricht 75 Millionen Litern. Ist es besonders heiß oder gibt es gar ein Hitzewelle, kommen 10.000 Kubikmeter täglich hinzu. Das fällt in diesem Sommer bisher aus. Wer würde bei dem Regen denn auch schon seine Blumen im Garten gießen?

Und wer geht bei dem Wetter ins Städtchen shoppen? Das sind gar nicht so wenige. Zumindest, wenn man die Stimmung im Einzelhandel als Indikator dafür nimmt: „Die Stimmung ist gar nicht so schlecht”, sagt Manfred Piana, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes. „Sie könnte natürlich noch besser sein”, fügt er gleichwohl hinzu.

Ob es unterdessen Rekordverkäufe bei Regenschirmen gibt, ist nicht überliefert.

Von Rekordverkäufen kann Rolando Santarosa nur träumen. Er bekommt die Wettermisere ganz böse zu spüren - im Portemonnaie. Schließlich betreibt er das Eiscafé am Markt. Es ist immer dieser Juli. Schon wieder ein schlechter Juli, über den Santarosa schimpfen muss.

Doch diesmal sind die Klagen des Eis-Experten noch lauter als in den Vorjahren. „Vier Monate mit solch schlechtem Wetter habe ich auch noch nicht erlebt. Wenn das jedes Jahr so wäre, würde ich längst etwas anderes machen”, sagt er. Er sei mit seiner großen Terrasse extrem wetterabhängig. Doch die ist an diesem fiesen Dienstag menschenleer, die meisten Tische und Stühle stehen gestapelt vor dem Eissalon. „Wo bleibt nur der Sommer?”, fragt Santarosa fast flehentlich. So, wie es in diesen Tagen wohl die meisten Aachener tun.

Also. Wann wird es denn endlich mal wieder richtig Sommer? Fachmann Udo ter Horst kann es auch nicht sagen: „Solche Sommer gehören eben zum natürlichen Wechsel, das ist nichts Extremes. Aber es wird langsam besser.” Und Freibad-Chef Torsten Liebel hofft mehr denn je, dass sich der August nicht wie November anfühlen wird.
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