Aachen - „Jukebox-Youth“: Liebe und Leben im Takt leerer Botschaften

„Jukebox-Youth“: Liebe und Leben im Takt leerer Botschaften

Von: Svenja Pesch
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Konfrontationen ohne Konsequenzen: Der Jugendclub U 21 des Theaters Aachen spießt in „Jukebox-Youth“ die vermeintlichen Botschaften der Pop-Musik auf seine Weise auf. Foto: Marie-Luise Manthei

Aachen. Warum braucht jeder Liebe, wenn keiner weiß, was Liebe ist? Und wieso ist es unser gottverdammtes Recht, geliebt zu werden? Nehmen wir uns selbst überhaupt noch richtig wahr? Oder verlieren wir unser eigentliches Leben im Angesicht tausendfacher Abbilder, die uns sagen wollen, wer wir sind und was wir mögen – zum Beispiel, welche Musik wir hören sollen.

Hinterfragt wird nichts, und wenn doch, dann denkt man vielleicht für einen kurzen Moment an das, was wirklich zählt...

Die glatte Oberfläche ein wenig zerkratzen: Auch das ist ein Ziel der neuen Produktion „Jukebox-Youth“, die jetzt im Mörgens Premiere hatte. Der U21-Club setzt sich auseinander mit den Folgen des täglichen Medienkonsums, vor allem aber der Musik und deren Inhalten. Madonna, Amy Winehouse oder Lady Gaga kennt jeder, hört jeder, denkt aber keiner drüber nach.

Dennoch bestimmen sie unseren Alltag. „Anfassen ist überall erlaubt“: Der provokante Satz – einer von vielen, die das junge Ensemble aus den Erfahrungen mit der Pop-Musik aufgespießt hat – prägt die Mentalität der Gesellschaft. Man kommt zusammen, liebt sich heiß und innig, trennt sich, vermisst sich und kommt wieder zusammen. Untermalt ist das fatale Spiel der Oberflächlichkeiten mit dem perfekten Soundtrack, denn „nur unter dem Loveboat besteht die ewige Liebe“.

Als Kinder der jungen Generation liefern die Akteure keine klaren Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Das ist auch gar nicht möglich, schließlich bestimmen andere, was gehört und wie gelebt wird. Mit aufgesetztem „Poker Face“ (nach Lady-Gaga-Hit) ist nichts zu spät, aber vieles zu früh. Vielleicht weiß die Generation, in der sogenannte Pop-Ikonen sich halbnackt räkeln, in der Tat nicht, was sie charakterisiert und wie sie sein will.

Die jungen Darsteller des Clubs ziehen deshalb sprichwörtlich blank – puppenartig, mit knallroten Lippen und knappen Outfits. Was sie dem Publikum präsentieren, stammt gleichwohl größtenteils aus ihrer eigenen Feder. Es sind ihre Gedanken und ihre Ängste, die sie zu einem in sich stimmigen Stück zusammenfügen, in das geschickt bekannte Liedertexte eingesponnen sind. Nach und nach wird dem Zuschauer erst bewusst, was die Lieder, die tagtäglich aus dem Radio dudeln, eigentlich sagen. Nämlich meist nichts. Keine echte Botschaft, keine echten Standpunkte. Wo ist sie hin, die Zeit, in der Musik noch die Herzen berührte und etwas zu sagen hatte? Emotionen bleiben da letztlich außen vor. Und doch wird die Botschaft klar transportiert: Es geht irgendwie doch immer um das, was alle im Kern brauchen und wollen: die Liebe.

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