„Jugend im Dialog“: Eine berührende und prägende Begegnung

Von: Kathrin Albrecht
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Packten alle gemeinsam an und lernten sich gut kennen: Jungen Menschen aus aller Welt besuchten im Rahmen des Euriade-Austauschs die Werkstätten der Lebenshilfe. Foto: Andreas Herrmann
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Packten alle gemeinsam an und lernten sich gut kennen: Jungen Menschen aus aller Welt besuchten im Rahmen des Euriade-Austauschs die Werkstätten der Lebenshilfe. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Ich finde es klasse, dass Jugendliche so viel Interesse an uns haben,“ sagt Gabriele Kaltenberg. Sie arbeitet in der Verpackungsabteilung der Lebenshilfe Aachen Werkstätten Service GmbH am Standort Haaren. Sie und ihre Kollegen hatten dabei einen Tag lang Besuch von rund 70 Jugendlichen aus aller Welt, die am Euriade-Austauschprogramm „Jugend im Dialog“ teilnehmen.

In jedem Jahr lädt die Stiftung Euriade Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren eine Woche lang in die Region ein. Finanziert wird dies durch Spenden und Sponsoren. Aus den Niederlanden, Südafrika, Österreich und erstmals aus Rumänien stammten die Teilnehmer in diesem Jahr. Konzertbesuche stehen auf dem Programm, ebenso wie Gespräche mit lokalen Politikern. Höhepunkt und Abschluss ist eine Diskussion mit dem Preisträger der Martin-Buber-Plakette. In diesem Jahr wird der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher mit der Plakette ausgezeichnet.

„Charisma“ war der diesjährige Austausch überschrieben. Die Begegnung mit anderen ist dabei der Schlüssel des Programms, so Werner Janssen vom Geschäftsführenden Vorstand der Stiftung. Dabei sei auch die Begegnung mit Menschen mit Behinderung wichtig. „Das Phänomen Behinderung dabei nicht nur als Information, sondern als Erfahrung wahrzunehmen, das ist eine tiefe und prägende Begegnung, die bei den Jugendlichen auch etwas zurücklässt.“ Seit sechs Jahren ist die Lebenshilfe Aachen an diesem Austauschprojekt beteiligt. „Für uns ist es eine Möglichkeit, unsere Einrichtungen nach außen zu präsentieren“, so Björn Spangenberg vom sozialen Dienst.

Die Jugendlichen gehen dabei in die Abteilungen, der Metallverarbeitung, der Verpackung oder der Kunstwerkstatt, und arbeiten dort mit den Menschen gemeinsam. Kaylie Nowacki aus den Niederlanden und Paul Pester aus Wien halfen beim Verpacken von Partyluftballons. Beide waren beeindruckt, wie offen und herzlich die Mitarbeiter mit ihnen und miteinander umgehen. „Solche Einrichtungen sind wichtig“, finden sie. Die Sprachbarriere ist dabei das geringste Problem. Diese Erfahrung machte die Serbin Milica Rauska in der Kunstwerkstatt, wo sie sich mit der Künstlerin Süreijja Dobrovska anfreundete. „Wir hatten durch das Malen sofort eine Verbindung zueinander“, erzählt sie. Die Offenheit der Menschen, die hier arbeiten, beeindruckte auch Nina Hermanns, die das Rhein-Maas-Gymnasium in Aachen besucht. „Mich hat berührt, wie erstaunt die Menschen waren, dass wir uns für ihr Leben interessierten. Dieser Blick in ihre Welt war toll.“ Ihr Besuch bei der Lebenshilfe hat sie darin bestärkt, auch später beruflich mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Die Lehrkräfte, die die Jugendlichen beim Austausch begleiten, heben vor allem die positive Entwicklung hervor, die die Teilnehmenden nach dieser Woche machen. „Es ist ein inneres Wachsen“, so Thomas Wenge von der Europaschule in Herzogenrath. „Es ist gut, dass es so etwas gibt“, findet auch Melanie Hönlein, die in der Metallabteilung arbeitet. „So können wir zeigen, dass wir genauso arbeiten können wie andere auch. Wir brauchen nur etwas mehr Hilfe.“

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