Aachen - „Jugend forscht“: Die neue Wunderwaffe Schneckenhaus

„Jugend forscht“: Die neue Wunderwaffe Schneckenhaus

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„Panzerknacker“ überzeugen die Jury: Allegra Wingen (l.) und Julia Kuckelkorn von der Domsingschule holten beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht/Schüler experimentieren“ im Forschungszentrum Jülich einen 1. und einen 2. Preis sowie den Sonderpreis für die beste Präsentation. Sie fahren nun zum Landeswettbewerb, der im Mai in Essen stattfindet. Foto: Guido Jansen

Aachen. In ihrem Comicleben sind die Panzerknacker immer die Gelackmeierten. Doch diesmal haben sie fette Beute gemacht. Denn für das gleichnamige Projekt sind die beiden Domsingschülerinnen Julia Kuckelkorn und Allegra Wingen mit dem 1. Preis in der Kategorie Biologie beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht/Schüler experimentieren“ (9 bis 14 Jahre) im Forschungszentrum Jülich ausgezeichnet worden.

Die beiden zehnjährigen Jungforscherinnen hatten im Internet gelesen, dass Wissenschaftler an schusssicheren Westen nach dem Vorbild von Schneckenhäusern arbeiten, um sie leichter und widerstandsfähiger zu machen. „Das hat uns gewundert“, sagt Julia Kuckelkorn. Schließlich wirken Schneckenhäuser dünn und zerbrechlich.

Stabiler wirken hingegen Muschelschalen, die ja auch im Meer hohem Druck ausgesetzt sind. Also warum nicht diese als Vorbild nehmen? Die beiden Grundschülerinnen wollten es genau wissen und setzten Schneckenhäuser und Muschelschalen – beide vorwiegend aus Kalk und Schutzgehäuse für Tiere – Versuchen aus.

Mal fielen sie aus verschiedenen Höhen zu Boden, mal wurden sie mit Gewichten belastet, mal in Säure gelegt. Siehe da: Während Muscheln schon bei einem Sturz aus zwei Metern zerbrachen, waren Schneckenhäuser noch bei mehr als sechs Metern Fall weitgehend intakt.

Auch Spielplatzcheck prämiert

Und während Muscheln bei einer Belastung mit 32 Kilogramm – was angesichts ihres Eigengewichts von wenigen Gramm schon enorm ist – brachen, schafften es Schneckenhäuser bis 48 Kilogramm Belastung. Auch dem Säurebad hielten sie länger Stand, bevor auch sie sich schließlich auflösten. „Unsere These, dass Muscheln mehr aushalten, war also falsch“, bilanzierten die beiden. Und wissen nun, warum ausgerechnet Schneckenhäuser als Vorbild für schusssichere Westen dienen sollen.

Die Jury überzeugte die Arbeit: „Sie erfüllt alle Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens – inklusive Eigenkritik“, hieß es in der Laudatio. Julia Kuckelkorn und Allegra Wingen hatten in Jülich sogar zwei Projekte am Start. Mit dem Thema „Zwischen hui und pfui – Aachener Spielplätze im Praxischeck. Qualitative und quantitative Analyse“ holten sie auch noch einen 2. Preis in Geo- und Raumwissenschaften. Dieses Projekt erhielt zudem den Sonderpreis der Jugendjury für die beste Präsentation.

Im Bereich „Jugend forscht“ (15 bis 21 Jahre) konnten sich Andreas Münstermann (KKG), Finn Hess und Tobias Hauffe-Waschbüsch (beide Rhein-Maas-Gyamnasium/alle 17) über diese Sonderauszeichnung für ihr Projekt „Optimal cabling“ (Mathematik/Informatik) freuen, bei dem sie die möglichst kosten- und materialeffiziente Verkabelung eines Solarthermiekraftwerks berechneten. Für diese Arbeit gab es auch einen 2. Preis.

Mit ebendieser Auszeichnung in der Tasche traten auch Marit Ewert (12) und Julia Schlebusch (10) den Heimweg nach Aachen an. Die beiden Schülerinnen des Inda-Gymnasiums erzeugten „Strom durch Durchzug“ (Schüler experimentieren/Physik). Ein weiterer 2. Preis ging an Christian Hubbertz (15), Felix Hansen (13) und Mathis Frankenne (14/alle Pius-Gymnasium). Sie überzeugten die Jury mit dem Projekt „Bau und Optimierung einer Nebelkammer“ (Jugend forscht/Technik).

Anna Stollenwerk und Jonas Colve (beide 18/ St.-Michael-Gymnasium Monschau/KKG) holten einen 2. Preis mit „Mathematische Modellierung der Temperatur während der Torrefizierung von Biomasse“ (Jugend forscht/Mathematik/Informatik).

Über einen 3. Preis freuten sich ebenfalls mehrere Jungforscher aus Aachen. So zum Beispiel Katharina Absalon und Jil Münstermann (beide 12, Inda-Gymnasium), die „Bestandteile von effektiven Mikroorganismen“ erforschten (Schüler experimentieren/Biologie). In Richtung Domsingschule gingen gleich zwei 3. Preise. Nämlich an Katharina Arndt (10) und Marie Sofie Kunert (9) für ihr Projekt „Schutz vor Lärm – aber natürlich!“ (Schüler experimentieren/Technik) und an Julius Peters, Rafael Cokcan und Konstantin Plange (alle 10), die wissen wollten: „Kugeln alle Kugeln gleich?“ (Schüler experimentieren/Physik).

Marcella Arndt (14) vom Pius-Gymnasium heimste einen 3. Preis mit dem Projekt „Wasserkraft – Alternative Energiegewinnung vom Flachdach“ ein. Einziger Student unter den Geehrten war David Dziuba (18) von der RWTH Aachen, der unter dem Titel „Wie greife ich das?“ eine selbstständig lernende Roboterhand entwickelte (Jugend forscht/Technik).

69 Projekte am Start

Insgesamt waren in Jülich 69 Projekte am Start. Mit sieben Projekten war allein die Domsingschule – eine von regional nur zwei teilnehmenden Grundschulen – neben dem Jülicher Gymnasium Haus Overbach am stärksten vertreten. Insgesamt fünf Projekte wurden mit einem 1. Preis gekürt – wobei es nicht automatisch in jeder Kategorie die sonst üblichen Plätze eins, zwei und drei gibt. Vielmehr werden die Preise kategorieübergreifend von den Fachjurys anhand mehrerer Kriterien vergeben. Wettbewerbsleiter Werner Decker betonte im Rahmen der Feierstunde im Forschungszentrum, dass sich alle Teilnehmer als Sieger fühlen dürfen.

Die fünf mit einem 1. Preis ausgezeichneten Projekte – drei aus Jülich, eines aus Herzogenrath und eines aus Aachen – fahren jetzt zu den Landeswettbewerben von „Jugend forscht“ (3. bis 5. April in Leverkusen) und „Schüler experimentieren“ (4./5. Mai in Essen). Dort werden natürlich auch die „Panzerknacker“ wieder versuchen, fette Beute zu machen.

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