Jürgen Linden: Zum 70. kommen „ein paar Freunde“

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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Vor seinem früheren Arbeitsplatz: Jürgen Linden war 20 Jahre lang Aachens Oberbürgermeister. Am Freitag feiert er seinen 70. Geburtstag – mit seiner Familie und abends dann noch „mit ein paar Freunden“. Auf vielen Hochzeiten tanzt er immer noch. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Er freue sich besonders darauf, mal wieder mit seiner Frau zu frühstücken. Sagte Jürgen Linden vor mehr als sieben Jahren. Das war an seinem letzten Arbeitstag am 21. Oktober 2009. Dann verließ der Oberbürgermeister das Rathaus – nach 20 Jahren an der Spitze der Stadt. Und, hat‘s geklappt mit dem Frühstück?

Linden lacht: „Zunehmend am Wochenende“, sagt er. Über Unterbeschäftigung kann sich der Mann, der Aachens erster hauptamtlicher OB war, wahrlich nicht beklagen. Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, engagiert im AKV oder auch der Katholischen Stiftung Marienhospital – das sind die Ehrenämter des Jürgen Linden. Und im Berufsleben steht er als Rechtsanwalt auch noch. Kompletter Rückzug von der öffentlichen Ebene? Das ist nicht seine Sache. Dabei wird Jürgen Linden am Freitag 70 Jahre alt.

Aktuell steht die Kür des diesjährigen Karlspreisträgers an. Ende Januar wird er feststehen, sagt Linden, der sich bezüglich seines persönlichen Favoriten naturgemäß nicht in die Karten blicken lässt. Brennpunkte in Sachen Europa gibt es jedoch genug. Die Aufgaben rund um den Karlspreis sind jedenfalls bisweilen „mehr als ein Halbtagsjob“, sagt Linden.

Ein paar Jahre will er diese Aufgabe aber auf jeden Fall noch wahrnehmen. Unter dem Strich bleibt jedoch bedeutend mehr Freizeit übrig, als das früher der Fall war: „Oberbürgermeister sein, das ist ein Job, den man sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag ausfüllt“, erinnert sich Linden noch bestens an die Jahre 1995 bis 2009. Am 12. Oktober 1995 wurde Linden zum hauptamtlichen Oberbürgermeister gekürt, nachdem in NRW die vormalige Doppelspitze aus OB und Oberstadtdirektor abgeschafft worden war. Zuvor war Linden bereits sechs Jahre ehrenamtlicher OB und als solcher für die Repräsentation zuständig.

Traumergebnisse bei den Wahlen

Bei der Wahl 1989 hatten es SPD und Grüne erstmals geschafft, die CDU-Mehrheit im Rathaus zu durchbrechen. Daraufhin löste Linden Kurt Malangré als Oberbürgermeister ab. Die Direktwahl für diesen Posten wurde erst nach Abschaffung der Doppelspitze eingeführt. Von 1984 bis 1989 war Linden auch schon Bürgermeister gewesen. Apropos Direktwahl: Da erntete der Sozialdemokrat, der 1970 in die Partei eintrat, mehr als 61 Prozent der Stimmen. Ein Spitzenergebnis in NRW. 2004 brachte er gar fast 70 Prozent der Wähler hinter sich.

Kommentare zur aktuellen Politik und zur Verwaltungsspitze gibt der gebürtige Öcher nicht ab. Das hat er seit seinem Abschied grundsätzlich so gehandhabt. So viel sagt er aber doch: „Die Politiker müssen wieder viel näher an den Bürger heranrücken. Sie müssen sich um die Menschen kümmern und ihnen zuhören.“ Das bezieht der promovierte Jurist, der am Einhard-Gymnasium sein Abi machte, auf alle Ebenen – bis hinunter zur Kommunalpolitik. Man müsse dem Vormarsch der Populisten von AfD und Pegida entschieden und engagiert entgegentreten. Und das funktioniere nicht vom Schreibtisch aus.

Als ebensolchen „interessierten Bürger“ sieht sich der langjährige OB heute selber. Wenn sein Rat gefragt ist, sage er natürlich auch etwas zu den Themen. Das komme bisweilen vor – nicht nur auf politischer Ebene. Und Parteigrenzen gibt es dabei für ihn nicht. So lobt er beispielsweise Angela Merkel über den grünen Klee: „Die beste Kanzlerin, die man haben kann.“ Natürlich treiben ihn auch die Krisen in der EU um. „Ich bin ein Kind der europäischen Gemeinschaft“, sagt er. Für die gelte es zu kämpfen. Da sei die Karlspreisverleihung an Papst Franziskus im vergangenen Jahr für ihn ein besonderer Höhepunkt gewesen: „Das hat mir in einer Situation, in der die Ideale der EU kaputtzugehen drohten, viel Mut gegeben.“

In seine Amtszeit fielen wichtige Entwicklungen in Aachen. Insbesondere den Strukturwandel nach dem Wegbrechen ganzer Industriezweige wie etwa der Tuchfabrikation galt es zu begleiten. In Lindens Zeit wurde – auch vor diesem Hintergrund – die Zusammenarbeit mit den Hochschulen deutlich intensiviert. Zudem galt es, die Stadt angesichts der damals schon tiefroten Zahlen im Haushalt auf Kurs zu halten, sie dennoch weiterzuentwickeln, die Strukturen nicht kaputtzusparen.

Auch das gelang. Sein Nachfolger Marcel Philipp nennt noch weitere Erfolge Lindens, den Bau der neuen Synagoge etwa. Aachen habe sich in Lindens Amtszeit tiefgreifend verändert. Die Campus-Projekte wurden auf die Schiene gesetzt, die Städteregion gegründet, das Geschäftsleben sei modernisiert, die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert worden. Linden habe als Verwaltungschef „gegen bürokratische Schwerfälligkeit und für mehr Dienstleistung, Bürgernähe und Kundenorientierung gekämpft“, so Philipp.

Auch Niederlagen gab es

Weniger erfreuliche Stationen waren die Häme in Sachen Avantis und Feldhamster und in der Folge das Ausbleiben von ansiedlungswilligen Unternehmen für das erste grenzüberschreitende Gewerbegebiet oder auch das per Bürgerentscheid beerdigte „Bauhaus Europa“ am Katschhof, dessen Planung eng mit dem Namen Jürgen Linden verknüpft war. Für den Bau des neuen Tivoli muss er, der von 2007 bis 2010 auch Aufsichtsratvorsitzender der Alemannia Aachen GmbH war, bis heute böse Kommentare einstecken. Und zwar oftmals von jenen, die seinerzeit vehement forderten, dass das neue Stadion in Aachen und nicht in Merzbrück gebaut werden müsse. Zu der Entscheidung steht Linden auch heute noch felsenfest.

„Die Finanzierung war absolut wasserdicht und von etlichen renommierten Wirtschaftsexperten geprüft worden. Und die Kosten fielen genau so wie vorhergesagt aus“, sagt Linden. Erst mit dem Abstieg und gekürzten Fernsehgeldern sei die Sache ins Ungleichgewicht geraten. Der Absturz in die Insolvenz folgte für die Alemannia dann schnell. Da war Linden allerdings längst nicht mehr im Amt. Alemannia-Fan ist Linden natürlich immer noch: „Mit ganzem Herzen“, wie er unterstreicht.

Mit ganzem Herzen steht eines allerdings für Jürgen Linden an allererster Stelle: „Das ist meine Familie. Und ich bin glücklich, dass es ihr gutgeht.“ So wird das Geburtstagskind am Freitag denn auch erstmal mit seiner Frau, seinen beiden Söhnen und seiner Tochter feiern. Nicht zu vergessen: Opa ist er auch.

Einen städtischen Empfang im Rathaus hat Linden indes abgelehnt. Stattdessen wird dann noch „mit ein paar Freunden“ gefeiert. Man darf annehmen, dass ein Frühstück mit seiner Frau Maria auch noch drin ist.

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