Jülicher Straße: Fahrradweg weicht Haltestelle

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Ganz schön eng: An der Haltestelle Blücherplatz müssen sich Radfahrer den Bürgersteig nun mit Fußgängern teilen. Der Grund ist ein neues Haltestellenhäuschen. Foto: Michael Jaspers
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Der ehemalige Radweg führt ins Leere. Die Stadt verspricht sich davon mehr Sicherheit. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es wird eng an der Jülicher Straße, genauer gesagt an der Haltestelle Blücherplatz. Seit Freitag teilen sich zwischen der Elisabethkirche und dem Ludwig Forum Fußgänger den Bürgersteig nicht mehr nur mit Radfahrern.

Auch ein brandneues Haltestellenhäuschen steht nun auf dem Weg in Richtung stadtauswärts. Was für die Aseag-Gäste im regnerischen Aachen durchaus ein Grund zur Freude ist, bedeutet für die Zweiradfahrer vor allem eine Umstellung. Und einen Tritt auf die Bremse.

Denn das Haltestellenhäuschen steht mitten in dem Bereich, der bis vor kurzem noch mit roter Farbe als Radweg deklariert war. Dieser wurde ersatzlos entfernt. Den Radfahrern bleiben somit zwei Optionen: den Weg auf der Straße ohne Schutzstreifen fortzuführen oder die Haltestelle auf dem Bürgersteig zu umfahren – und sich dabei an Fußgängern vorbeizuschlingern.

„Mehr Sicherheit“

Den vormals separaten Rad- und Gehweg habe die Stadt bewusst aufgehoben, teilte Harald Beckers vom städtischen Presseamt auf Anfrage mit, und zwar „um mehr Sicherheit auf den Gehweg zu bringen“. Denn zwischen Radfahrern und Fußgängern sei es in dem Bereich in der Vergangenheit wiederholt zu Konflikten gekommen, wegen zu schneller Geschwindigkeit und zu geringer Rücksichtsnahme seitens der Fahrradfahrer.

Die Stadt gehe davon aus, dass sich das nun ändert, sagte Beckers. Zwar ist das Radfahren auf dem Gehweg nun offiziell erlaubt. Laut Straßenverkehrsordnung müssen sie dann aber mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Fußgänger haben Vorrang. „Jetzt sind die Radfahrer dazu gezwungen, rücksichtsvoller zu fahren“, so der Stadtsprecher. Dass die „Konflikte“ zwischen Radfahrern und Fußgängern nun erst recht steigen würden, glaube er hingegen nicht. „Das funktioniert schon.“ Eine entsprechende Beschilderung sucht man in dem Bereich jedoch bislang vergebens. Ein Mangel, der „schnellstmöglichst“ behoben werden soll, wie Beckers versichert.

Die Stadt muss abwägen

Das neue Haltestellenhäuschen unterteilt den Gehweg an der Jülicher Straße in zwei Bereiche: Vor dem Unterstand steht den wartenden Fahrgästen bis zur Fahrbahnkante ein Bereich von 1,50 Metern zur Verfügung. Den drei Meter breiten Bereich zwischen Unterstand und Hausfassade teilen sich die Radfahrer nun mit den Fußgängern – und zwar mit ganz schön vielen. Laut Beckers gehört die Bushaltestelle Blücherplatz zu den stark frequentierten Haltestellen in Aachen. Bis zu 600 Menschen steigen laut einer Erhebung täglich an der Stelle in den Bus. „Die standen bislang buchstäblich im Regen.“ Beckers spricht von einem „Kompromiss“, den die Stadt habe treffen müssen, ein Abwägen zwischen den Interessen der Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des ÖPNV. In diesem Fall fiel der Kompromiss zugunsten der Aseag-Nutzer aus.

Für Martin Christfreund vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist das keine Überraschung. Dass der Verzicht auf einen ausgewiesenen Radweg für mehr Sicherheit sorge, hält er für „Unfug“. „Statistisch gesehen ist es sicherer, wenn man auf der Straße fährt“, sagt Christfreund, jedoch auch nur dann, wenn ein entsprechend breiter Schutzstreifen für Radfahrer ausgewiesen ist. An der Jülicher Straße ist das jedoch nicht der Fall.

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