Jost Pfeiffer: Ein Leben für Aachen

Von: Bernd Mathieu
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Würdevoller Abschied von Ehrenbürger Jost Pfeiffer: Aachen aufzubauen sei seine Leidenschaft gewesen, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp beim ökumenischen Gottesdienst im Dom. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Auf dem Programmzettel für den ökumenischen Trauergottesdienst sehen wir das Blatt des Ginkobaumes. „Ein Zeichen der Hoffnung”, wird Pastor Helmut Plank später sagen. Viele Menschen nehmen an diesem Freitagmorgen im Dom zu Aachen Abschied von Dr. Jost Pfeiffer. Abschied vom Ehrenbürger, vom Politiker, vom Kaufmann.

Die Familie trauert um ihren Mittelpunkt, den Mann, den Vater, den Schwiegervater, den Opa und Uropa. Wahrscheinlich hat sogar dieser altehrwürdige Dom selten eine so würdevolle Trauerfeier erlebt.

Bei den persönlichen und verbindlichen Worten des evangelischen Pastors Helmut Plank wird selbst dieses Kulturdenkmal für wenige Minuten zur Kulisse. Die Sprache, die Musik und die Stille vereinen sich zu einer anspruchsvollen und authentischen Dramaturgie. Sie trägt viele Züge, die den Verstorbenen prägten.

Helmut Plank, Pastor in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Hamburg-Blankenese, war Jost Pfeiffers Vertrauter, sein Seelsorger, sein Gesprächspartner, sein Freund. Was für eine Predigt!

Plank hat das Bild des Berges gewählt, auf dem er Jost Pfeiffer im anderen Leben angesiedelt hat, der nun auf sein Leben zurückblickt. Was er wohl sehen mag?, fragt der Theologe. Ja, es werden viele schöne Momente dabei sein, Höhepunkte eines in persönlicher, politischer und beruflicher Hinsicht erfolgreichen Lebens.

Sie werden an erster Stelle geprägt sein von Gedanken an seine Frau, mit der in diesem Jahr die Eiserne Hochzeit (65 Jahre) hätte feiern dürfen. Dieses Fest wurde ihm nicht mehr geschenkt, und sein Wunsch, irgendwann einen Tag nach seiner Frau zu sterben, kann sich nicht mehr erfüllen. Auch darüber spricht der so einfühlsame, aufmerksame Pastor.

Er erinnert an den Politiker Pfeiffer, an seine Kraft, an seine für ihn typische Abscheu vor halben Sachen und Kokolores. „Zupacken, das ist seine Sache gewesen, und davon sind tiefe Spuren geblieben”, sagt Helmut Plank.

Wie man das Leben des Ehrenbürgers in der Retrospektive mit einem Wort überschreiben könnte? Vielleicht mit „Verantwortung”. Plank meint, das sei ein Begriff, der „in alle Bereiche seines Lebens passt”. Besonders - und trotz seiner vielen ehrenamtlichen und beruflichen Aufgaben - für die Familie.

„Es war beeindruckend zu erleben, wie sehr er über das Tun seiner Kinder und Enkel informiert war.” Aber nicht nur das. Plank skizziert sehr fein Veränderungen im Alter: „Er hat mit den Enkeln viel gelernt.” Und das habe im Älterwerden Veränderung bei ihm möglich gemacht.

Der Stolz auf seine Stadt! Ja: Er hat gestaltet, gekämpft, gestritten, vor allem hat er Wesentliches erreicht. Oberbürgermeister Marcel Philipp liefert an diesem Morgen eine sehr persönliche Bestätigung: „Aachen aufzubauen war seine Leidenschaft. Ein Leben für Aachen. Er handelte dabei pragmatisch, zielstrebig, durchsetzungsfähig, überzeugend: So bleibt er uns in Erinnerung.” Dann ergänzt der junge OB: „Jost Pfeiffer hat mir Orientierung gegeben.”

Und doch hat es natürlich auch in diesem Leben Rückschläge gegeben und Schicksalsschläge. Pastor Plank erwähnt sie im zweiten Teil seiner Predigt, nennt Stichworte wie Tod, Krankheit, Krieg, verschweigt Konflikte nicht, die manchmal in zu hohen Erwartungen Jost Pfeiffers an andere ihre Ursache gehabt hätten. Plank sagt abschließend: „Wichtig war, dass am Ende das Versöhnen stand, sein Leben kennt auch das.”

Dompropst Helmut Poqué hat zu Beginn die Trauergemeinde begrüßt und den Protestanten Pfeiffer gewürdigt. Sein Einsatz für den Dom sei über alle Maßen intensiv gewesen. „Wir verdanken ihm viel.”

Eine der herausragendsten A-capella-Formationen, die „Singer Pur”, gestaltet die Trauerfeier mit Liedsätzen von Orlando di Lasso, Arvo Pärt, Cyprian de Rore, Johann Sebastian Bach und Heinrich Schütz. Beeindruckend! Am Ende erklingt, begleitet vom Domorganisten Norbert Richtsteig, die Aachener Hymne „Urbs Aquensis”. Jost Pfeiffer hätte sich darüber sehr gefreut.
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