Jobcenter-Statistik: Wohnungsfrage trübt die Bilanz

Von: Rolf Hohl
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Aachen. Die Stadt ist für Arbeitssuchende ein schwieriges Terrain. Neben den Arbeitslosenzahlen für die Städteregion hat das Jobcenter jetzt erstmals detaillierte Statistiken für die Stadt Aachen veröffentlicht.

Diese zeichnen insgesamt zwar ein positives Bild der Beschäftigungssituation, machen aber auch die Probleme deutlich. Vor allem die steigende Wohnungsnot treibt den Mitarbeitern des Jobcenters die Sorgenfalten in die Stirn.

Im Oktober 2016 gab es dem Bericht des Jobcenters zufolge 8219 Arbeitslose in Aachen, das sind 752 weniger als im Vorjahresmonat. Damit setzte sich ein leichter Abwärtstrend fort, der im Februar vergangenen Jahres begonnen hat. Mit 4890 waren etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen Langzeitarbeitslose. In der Stadt gebe des insbesondere das Problem, dass große Unternehmen mit niederschwelligen Arbeitsplätzen – etwa in der Produktion – fehlten, so Brigitta Brinker, Jobcenter-Geschäftsstellenleiterin für die Stadt Aachen im Bereich Markt und Integration.

„Dazu kommt, dass hier viele Studenten in Minijobs arbeiten. Das sind Arbeitsplätze, die unseren Klienten fehlen.“ Derzeit gibt es in Aachen etwa 4800 Erwerbstätige, die trotz Arbeit auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind.

Leicht gestiegen ist hingegen die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, von 14.010 im Vorjahr auf 14.111 im Oktober 2016. Auffällig ist hierbei, dass weit über die Hälfte davon Singles sind, die auf staatliche Unterstützungen angewiesen sind. „Wir führen diesen Anstieg auf den Zuzug von Geflüchteten und die sich ändernden Lebensumstände der Menschen zurück“, sagte Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters der Städteregion Aachen.

Doch Sorgen macht sich Graaf vor allem um die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt, wo er mit einer Verschärfung der Situation rechnet. Zum einen hätten viele Geflüchtete Anspruch auf eine Wohnung, zum anderen drängten immer mehr Studierenden in dasselbe Marktsegment.

Lieber eine kleine Bude in Aachen

Dabei scheine Aachen bei vielen die erste Wahl zu sein: „Offenbar ist es so, dass man lieber in einer Einzimmer-Wohnung in Aachen lebt, als in einer geräumigeren in Vaals, wo teilweise Leerstand herrscht.“ Dazu komme, dass sich einige Vermieter an der Notlage der Wohnungssuchenden zu bereichern versuchten.

Es gibt aber auch deutliche Erfolge, wie die Zahlen zur Integration von Arbeitssuchenden in den Arbeitsmarkt zeigen. Mit knapp 3800 Menschen konnte 2016 etwa jeder Fünfte wieder in Arbeit gebracht werden. Das sind ungefähr gleich viele wie im Vorjahr, aber über 400 mehr Leute als noch in den Jahren 2014 und 2013. Die Herausforderungen der kommenden Jahre, so Graaf, werden zudem die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die Integration von Geflüchteten und die Sicherung des Fachkräftenachwuchses sein.

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