Joan Schenkar liest „Miss Highsmith“ bei den Krimitagen

Von: Kathrin Albrecht
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„The talented Miss Highsmith“: Joan Schenkar (links) und Jutta Krönert bei den 5. Aachener Krimitagen - sicher ein Höhepunkt des literarischen Festivals. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Sie war nicht nett. Sie war selten höflich. Und niemand, der sie gut kannte, hätte sie großzügig genannt.“ Es sind keine schmeichelhaften Worte, mit denen Joan Schenkar ihre Biografie über die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith beginnen lässt.

Acht Jahre lang hatte sich Schenkar, selbst Schriftstellerin und Dramaturgin, in die Welt der Patricia Highsmith begeben, um ihr Buch „The talented Miss Highsmith“ schreiben zu können, das anlässlich des 20. Todestages von High-smith in diesem Jahr in deutscher Übersetzung erschienen ist. In ihrer Lesung im Rahmen der 5. Aachener Krimitage geht sie sogar noch weiter: „Patricia Highsmith ist wohl der komplizierteste Mensch, den ich je kennengelernt habe; und ich bin ihr in den acht Jahren auf jeder erdenklichen Ebene näher gekommen – außer der physischen.“

So ist „Miss Highsmith“ auch keine Biographie im klassischen Sinn, die mit der Geburt beginnt und mit dem Tod endet. Schenkar ging es darum, herauszuarbeiten, was Highsmith antrieb, woraus sie ihre kreative Kraft schöpfte, die Marotten und die Unsicherheiten, die Highsmith prägten. Dabei entdeckte Schenkar einige Parallelen zu sich selbst: Wie Highsmith lebt die in Seattle geborene US-Amerikanerin teilweise in Paris.

Im New Yorker Stadtteil Greenwich Village hat auch Patricia Highsmith einige Zeit gelebt. Schenkar hat eine Karte der Orte angefertigt, wo sich Highsmith durch die Stadt am Hudson River bewegt hatte: „Überall dort, wo sie Liebschaften hatte, hat sie später in dem Romanen auch jemanden sterben lassen“, ist ihre Erkenntnis. Auch Highsmith liebte es, Listen, Mindmaps und Karten anzulegen.

Dass Highsmith als Comictexterin begann, übrigens die einzige Frau zu der damaligen Zeit, ist eine ihrer unbekannteren Seiten. „Dafür hat sie sich später geschämt. Gleichzeitig erkennt man bereits hier Grundzüge ihres späteren Schaffens“, erzählt Schenkar. Die Biografin entdeckte auch die seltsame Doppelnatur der Autorin: „Als sie zwölf war, war sie überzeugt, ein Junge gefangen in einem Mädchenkörper zu sein. Jede Entscheidung, die sie im Privaten traf, hat sie bereut oder in Frage gestellt. Sie liebte es, sich im Kontrast zu ihrer Umwelt zu inszenieren.“

Die deutschen Passagen aus ihrer Biografie las Jutta Kröhnert, Vorsitzende der Aachener Theater- und Kulturinitiative „Akut“. Ihre kreative Kraft, glaubt Schenkar, war die überaus komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter: „Sie haben sich abgöttisch geliebt, ertrugen es aber kaum länger als einen Moment im gleichen Raum miteinander. Ihre Briefe lesen sich wie Liebesbriefe. Als Patricia den Kontakt zu ihrer Mutter vorübergehend abbricht, sinkt auch ihre schöpferische Kraft.“

1995 starb Patricia Highsmith im schweizerischen Exil. Bis zuletzt zeigt sich die Doppeldeutigkeit: „Sie litt an zwei sich widerstreitenden Krankheiten. Behandelte man die eine, beschleunigte man den Verlauf der anderen“, sagt Schenkar. Europa habe sie sehr geschätzt, weil man dort ihre Romane immer besser verstanden habe. Tom Ripley, der Charakter, der sie weltberühmt machte und dem sie insgesamt fünf Romane widmete, ist wohl auch ihr Lieblingscharakter gewesen: „Mit ihm hat sich Patricia Highsmith am ehesten identifiziert.“

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