Jetzt rücken die Park-Rüpel ins Visier

Von: Stefan Herrmann
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Ärgerliches Hindernis: Widerrechtlich abgestellte Lieferwagen und Autos – hier die Haltestelle auf der Wilhelmstraße – sorgen zum Teil für erhebliche Verpätungen bis hin zu Ausfällen bei den Aseag-Bussen. Doch auch andere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer sind betroffen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Tatorte sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt: Adalbertsteinweg, Oppenhoffallee, Wilhelmstraße, Elsassstraße, Heinrichsallee, Theaterstraße. Die Liste ließe sich ohne weiteres fortsetzen. Denn bei der Suche nach einem „Parkplatz“ agieren viele Autofahrer wie im Wilden Westen.

Sie pfeifen auf Regeln. Getreu dem Motto „Ich bin mir selbst der Nächste“ blockieren sie immer häufiger Busspuren und Haltestellen – ganz zu schweigen vom obligatorischen Zweite-Reihe-Parken. Stadt und Aseag haben den Wildparkern nun den Kampf angesagt.

Denn unter den widerrechtlich abgestellten Fahrzeuge leidet vor allem der Busverkehr zum Teil erheblich. Daher werden die Politessen des Ordnungsamts nun regelrecht unter Strom gesetzt.

Schwerpunkt für sechs Monate

In einem elektrisch betriebenen Stadtflitzer werden sie nach den Pfingsttagen auf Falschparker-Jagd gehen. Den E-Smart stellt die Aseag zur Verfügung. Sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamts nehmen dann für zunächst sechs Monate schwerpunktmäßig all jene ins Visier, die ihr Auto unerlaubt auf Busspuren, an Haltestellen und in zweiter Reihe abstellen. Eine Fortsetzung der Maßnahme ist nicht ausgeschlossen.

Die Auswirkungen des Öcher Falschparkertums sind für den ÖPNV deutlich spürbar. So hat die Aseag jüngst eine Pünktlichkeitsquote seiner Busflotte von 85 Prozent ermittelt. Will heißen: Mehr als jeder zehnte Bus fährt auf seiner Tour mindestens sechs Minuten Verspätung ein. „Das ist nicht optimal“, gibt Hermann Paetz, Centerleiter Verkehr der Aseag, unumwunden zu. Er nennt aber zugleich einen der häufigsten Gründe dafür – zumindest in der City: die stark verstopften Straßen. Die Situation verschärft sich dann noch durch die widerrechtlich abgestellten Autos und Lieferwagen.

„Im Schnitt steckt drei Mal pro Tag einer unserer Busse wegen falsch parkender Autos fest. Das ist keine gute Zahl!“, klagt Sander Lutterbach, Leiter der der Aseag-Verkehrslenkung. An besonders engen Stellen kommt es dann sogar immer wieder dazu, dass letztlich eine Busfahrt komplett ausfallen muss. Das Auto steht in zweiter Reihe, der Halter ist auf die Schnelle nicht auffindbar und der 2,95 Meter breite Bus (inklusive Spiegel) hat keine Chance, am Hindernis vorbeizukommen.

In solchen Fällen droht der Abschlepphaken. Das soll bei der nach Pfingsten beginnenden Schwerpunktaktion des Ordnungsamts jedoch die absolute Ausnahme bleiben, sagt dessen Leiter Detlev Fröhlke. Auf einen häufigeren Griff in den Geldbeutel dürfen sich aber all jene einstellen, die weiterhin Busspur bzw. Bushaltestelle und zweite Reihe als Parkplatz missbrauchen.

Für ersteres fällt ein Ordnungsgeld in Höhe von 35 Euro, für zweiteres eins in Höhe von 25 Euro zu Buche. Mit Sorge beobachtet Fröhlke eine immer größer werdende Rücksichtlosigkeit. Hinzu kommt durch den explodierenden Internethandel eine ganze Flotte an Paketwagen, die mittlerweile Aachens Straßen zusätzlich verstopfen. Aber: „Die zahlen anstandslos, wenn wir sie im Halteverbot erwischen“, betont Fröhlke. Immerhin.

Den feststeckenden Bussen bringt die (späte) Einsicht jedoch erstmal nichts. Daher rücken die Park-Rüpel nun verstärkt ins Visier. Einen gut gemeinten Ratschlag hat Rechtsdezernentin Annkathrin Grehling an alle „Ich geh‘ mal schnell Brötchen holen“-Autofahrer parat: „Vielleicht gelingt uns mit der Maßnahme ja auch ein Stück weit Erziehung: Fahren Sie weniger mit dem Auto und gehen Sie stattdessen mal zu Fuß.“

Oder die Menschen setzen sich häufiger aufs Rad. Bei weniger Zweite-Reihe-Parkern wären schließlich auch die Radstreifen ohne gefährliche Ausweichmanöver befahrbar. Und im Wilden Westen auf Aachens Straßen würde ein wenig mehr Recht und Ordnung einkehren.

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