Jetzt ist das Rathaus wirklich zu begreifen

Von: Hans-Peter Leisten
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Rathaus vor dem Rathaus: Das M
Rathaus vor dem Rathaus: Das Modell wurde vom Erkelenzer Bildhauer Michael Franke geschaffen, links zwischen den beiden Türmen im Gespräch mit Lions-Präsident Manfred Reinders. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn man denn je sagen konnte, dass der Name verpflichtet, dann in diesem Fall: Der Lions Club Aachen-Kaiserpfalz hat nicht nur quasi einen „sprechenden” Namen, sondern kommt seiner Verpflichtung für die Pfalz Karls des Großen zweifelsohne auch nach.

Begreifen im wahren Wortsinne kann man dies seit Donnerstag direkt vor den historischen Überresten der Kaiserpfalz - in Form eines Bronzemodells unseres Rathauses, das links von der Haupttreppe auf dem Markt seinen Standort gefunden hat. Aber damit nicht genug der historischen Erinnerungsstücke. Am Donnerstag wurde gleichzeitig das archäologische Fenster am Rathausfundament nach einer umfassenden Sanierung eingeweiht.

Und so passte es ohne Frage, dass Oberbürgermeister Marcel Philipp am Donnerstag bei der Enthüllung des Bronzemodells von „der nächsten guten Meldung” für das historische Aachen sprach. Er ist nicht nur OB, sondern auch Vorsitzender des Aachener Rathausvereins, dessen Mitglieder sich seit Jahren um den Erhalt Hauses und dessen Gestaltung verdient machen. So auch jetzt.

Als Vorbild diente dabei das Bronzemodell des Domes, das aus der Hand des Künstlers Michael Franke stammt. Der Erkelenzer Bildhauer hat auch das neue Modell kreiert. „Es war wegen der Kleinteiligkeit sehr mühsam. Erst musste ein Wachsmodell gefertigt werden, das dann als Form für das Bronzemodell fungierte”, beschreibt er den Werdegang.

Wirklich möglich wurde das Projekt aber erst durch eben den Lions Club Aachen-Kaiserpfalz. Der hat sich im Jahr seines 25-jährigen Bestehens 2011 dazu entschlossen, die Finanzierung zu übernehmen, wie der aktuelle Präsident Manfred Reinders erzählte: „Es ist sehr schön, dass es nach dem Dom jetzt auch mit dem Rathaus eine weitere zentrale Kulturstätte in Aachen als Modell gibt.”

Konkret bedeutet das eine Summe von 23.000 Euro. Das Modell bringt nicht nur Touristen das Rathaus näher, es wird - eine weitere Grundidee - auch für Menschen mit Sehbehinderung im direkten Sinne begreifbar. Denn in diesem Falle gilt: anfassen erwünscht. „Jetzt können wir uns ein richtiges Bild vom Rathaus machen” - mit diesen Worten lobte Paul Schürmann, Ehrenvorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Aachen, das Bronze-Modell. Dieses ist sicher im Marktpflaster verankert, kann aber bei Bedarf entfernt werden, wenn zum Beispiel der Rosenmontagszug passiert.

Was im Fall des neu gestalteten archäologischen Fensters so unmöglich wie unnötig wird. Die Glasabdeckung des alten Fensters war komplett eingetrübt und viel zu klein. Jetzt hat man freien Blick auf die Fundamentmauern des Gebäudes, das bis 1330 der Zentralbau der Kaiserpfalz war. Nur an wenigen Stellen kann man noch das Mauerwerk von 800 sehen. Ganz leicht ist dies eben jetzt zwischen linkem Treppenaufgang und Postwagen.

Zu sehen ist nicht nur die von Karls Baumeistern verwendete Grauwacke mit ihrem Kalkmörtel. Es wurden auch noch ältere Steine verwendet. So öffnet das Fenster den Blick auf das Fragment eines römischen Grabsteins, der quasi recycelt wurde, um den Pfalzbau mitzutragen. Federführend hat Christina Albrecht vom städtischen Gebäudemanagement die Neugestaltung des Fensters betreut.

Auch hier hat der Rathausverein die Arbeiten begleitet, die insgesamt 30.000 Euro gekostet haben und komplett aus Mitteln des Konjunkturpaketes I zum Erhalt des Weltkulturerbes finanziert wurden.
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