Jedes vierte I-Dötzchen geht weiteren Weg

Von: Thorsten Karbach
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Aachen. In Haaren gilt er noch, der alte Grundsatz von den kurzen Beinen und den kurzen Wegen zur Schule. Denn dort kommen tatsächlich alle 84 Kinder, die im Sommer eingeschult werden, aus der Nachbarschaft.

Sie besuchen also die sogenannte nächstgelegene Grundschule. Und das ist mehr als bemerkenswert, denn nach der Auflösung der Schulbezirksgrenzen haben Eltern theoretisch die freie Wahl zwischen allen 43 Aachener Grundschulen. Auch wenn es weiterhin einen Rechtsanspruch auf die nächstgelegene Schule gibt.

Das Haarener Resultat ist dem entsprechend auch keineswegs repräsentativ. Denn im gesamten Stadtgebiet sind immerhin 490 Grundschüler (24,72 Prozent), die nicht die nächstgelegene Grundschule besuchen. Das halten Kritiker für viel, Befürworter der Abschaffung der Schulbezirksgrenzen wiederum für wenig. Auf der anderen Seite besuchen nämlich 1455 Kinder (73,41 Prozent) die Schule in der Nachbarschaft. Viel oder wenig? Eine Frage der Sichtweise. 37 Schüler besuchen übrigens eine Grundschule außerhalb des Stadtgebietes.

Zum Status quo bekannt

Die Landesregierung stellt es den Kommunen mittlerweile wieder frei, Schulbezirksgrenzen wieder einzuführen oder alles so zu lassen, wie es ist. In Aachen haben sich Verwaltung und schwarz-grüne Mehrheit zum Status quo bekannt. Denn erstens haben sich die Zahlen auf einem planbaren Niveau eingependelt (im Vorjahr besuchten 72,95 Prozent die nächstgelegene Grundschule und 24,97 Prozent nicht), und zweitens lassen sich die Zahlen nicht pauschal interpretieren. In vielen Fällen muss die Analyse weiter gehen. Und die Schulverwaltung analysiert diese und damit das Elternwahlverhalten seit einigen Jahren weiter.

Letztlich fallen zwölf Schulen auf, an denen mehr als 30 Prozent der angemeldeten Kinder nicht die nächstgelegene Schule besuchen: KGS Am Fischmarkt, KGS am Römerhof, KGS Beeckstraße, GGS Brühlstraße, GGS Gerlachstraße, KGS Karl-Kuck-Straße, KGS Mataréstraße, KGS Michaelsbergstraße, GGS Montessorischule Eilendorf, GGS Montessorischule Reumontstraße, GGS Schönforst und GGS Vaalserquartier. Warum dies so ist, lässt sich auf sehr unterschiedliche Gründe zurückführen. Deswegen einige Beispiele:

Die Schule am Fischmarkt ist wegen ihrer Erreichbarkeit auch von Eltern aus anderen Ecken der Stadt, die aber im Zentrum arbeiten, beliebt. Allein neun Kinder kommen aus dem Einzugsgebiet der Passstraße, wo es zu viele Kinder und eigentlich zu wenige Plätze gibt. Hier wird laut Stadt für eine Entlastung gesorgt.

Beispiel Brühlstraße: Dort besuchen zwar nur 37 von 78 Kindern die nächstgelegene Schule, aber 73 kommen aus Eilendorf. Ähnlich ist es in Brand, wo 20 Kinder eigentlich näher an der Marktschule wohnen, auf dem Schulweg aber die Marktstraße queren müssten. Der Schulweg ist laut Stadt ein wichtiger Faktor bei der Wahl der Eltern.

Beispiel Montessori-Schulen: Hier ist es das pädagogische Konzept, das Kinder aus dem ganzen Stadtgebiet lockt. Und zu Ablehnungen führt. Sieben Kinder konnten an der Reumontstraße nicht angenommen werden, ein Kind wurde in Eilendorf nicht berücksichtigt. Hier müsse laut Verwaltung geprüft werden, ob und wie mehr Plätze angeboten werden können.

Auf alle Schulen bezogen mussten letztlich 33 Kinder (1,45 Prozent) an ihrer Wunschschule abgelehnt werden. Im Vorjahr waren es 27 (1,25 Prozent).

Montessori-Pädagogik sorgt aber auch zu Auffälligkeiten in die andere Richtung. Denn an der GGS Schönforst wurden 17 Kinder aus dem Einzugsgebiet der Montessorischule Mataréstraße angemeldet. Hier ist davon auszugehen, dass sich die Eltern bewusst gegen die Pädagogik entschieden haben.

Beispiel Vaalserquartier: Mit 62 Prozent ist der Anteil von Kindern, die nicht ihre nächstgelegene Grundschule besuchen, im Vergleich am höchsten. Und diese Situation ist nicht schlüssig zu erklären. Einerseits kann man aber davon ausgehen, dass viele Eltern der neuen Schüler im Umfeld, beispielsweise im Klinikum, arbeiten. Andererseits haben hier viele Kinder als nächstgelegene Schule Laurensberg oder Gut Kullen, obwohl sie einst zum Schulbezirk der GGS Vaalserquartier zählten.

Hohe Abwanderungsquoten gibt es an folgenden Schulen: KGS Düppelstraße, GGS Gerlachstraße, GGS Gut Kullen, KGS Luisenstraße, KGS Marktstraße, KGS Michaelsbergstraße und KGS Passstraße. Während dies an der Passstraße die zweizügige Schule (zwei erste Klassen) entlastet, kann die KGS Düppelstraße mangels Schülern nur zwei statt der eingeplanten drei Klassen bilden, und an der Luisenstraße wird es nur eine Klasse geben. Zwei sind hier möglich. Über diese und alle anderen Zahlen wird der Schulausschuss am Donnerstag, 17 Uhr, im Ratssaal diskutieren.

Nicht berücksichtigt in der Analyse wurden die Anmeldungen an Aachens einziger evangelischer Grundschule, der Annaschule, den privaten Schulen und den städtischen Förderschulen. Die Zahl der Anmeldungen sind wie folgt: Annaschule 29, Domsingschule 34, Waldorfschule 18, St.-Georges-School 4, Förderschulen 2. Sie zählen allesamt nicht als nächstgelegene Grundschule, und es gibt keinen Rechtsanspruch auf den Besuch einer dieser Schulen.
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