Jeder siebte Jugendliche bleibt ohne Berufsausbildung

Von: Robert Flader
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Aachen. Das Verhältnis zwischen jung und alt stimmt nicht mehr, soviel ist bekannt. Zumindest, was die reinen Zahlen in der Bevölkerungsstatistik angeht. Produkt des demographischen Wandels nennt sich eine solche Entwicklung.

Die Gesellschaft wird immer älter, was natürlich auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat, so der Tenor bei der von ZVA-Redakteur Achim Kaiser moderierten Podiumsdiskussion „Ausbildung in Zeiten des demographischen Wandels”. Die Diskussion bildete den Abschluss des Projektes „Aprops”, einem Förderprogramm zur Schaffung von Ausbildungsplätzen in Aachen.

Von denen gibt es nämlich viel zu wenige. Aktuell bleibt so bereits etwa jeder siebte Jugendliche (etwa 15 Prozent) ohne Berufsausbildung, schätzt Dr. Joachim Gerd Ulrich vom Bundesinstitut für berufliche Bildung in Bonn. „Das wird in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen - wenn wir nichts ändern.” Bedeutet: Die Ausbildungsbereitschaft müsse in den kommenden Jahren wieder deutlich steigen. Und das in fast allen Berufszweigen. Momentan werde das „gute” Potenzial verschenkt.

Erfreulich für Aachen: Die Mehrzahl der hiesigen Unternehmen hält trotz der Wirtschaftskrise die Zahl ihrer Auszubildenden konstant, bilanziert Petra Pauli von den Vereinigten Unternehmerverbänden Aachen. Auch Yvonne Faber, Ausbildungsleiterin der Spedition Hammer, hat eher das umgekehrte Problem, „wir brauchen dringend Nachwuchs.” Um dem demographischen Wandel allerdings gerecht zu werden, sei eine Erhöhung dringend erforderlich.

„Studium oder Ausbildung? Das ist die Frage”, schätzt Heinz Gehlen von der Industrie- und Handelskammer Aachen. „Man muss Schüler mehr begleiten.” Dazu kommt, dass für viele Jugendliche die Berufswahl auch mit dem gesellschaftlichen Ansehen zusammenhängt. „Sie schauen darauf, wie ihr Beruf bei anderen ankommt”, erklärt Ulrich. „Gebäudereiniger sind da längst nicht so angesehen wie etwa der IT-System-Elektroniker.”

Dieses Denken müsse sich schnellstens ändern, denn viele Berufe hätten sich heutzutage geändert. zum Beispiel der Berufskraftfahrer: „Man fährt nicht einfach nur Lkw”, erklärt Faber. In ihrem Unternehmen gäbe es deutlich mehr Bewerbungen für der Speditionskaufmann. Reinhard Hentrup, Leiter des Mies van der Rohe Berufskollegs. „Wir müssen Schüler früher an den Beruf führen und ihnen mittels Praktika Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen.”

Damit die Zahl der Azubis bald wieder ansteigt, sei es an der Zeit für einen umfassenden Paradigmenwechsel. Zum einen bei den jungen Menschen selbst, um sie zu motivieren. Aber auch bei den Unternehmen, um Jugendlichen eine Perspektive zu geben und deren Potenziale nicht mehr zu verschenken.
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