Jeder darf mit eigenem Gummiboot auf den Hangeweiher

Von: Robert Esser
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Dieses Jahr dicht: Bootshauspächter Peter Heinig hat seinen Tret- und Paddelbootverleih wegen des morschen Dachgebälks geschlossen. Wenn das neue Dach drauf ist, will er 2017 wieder öffnen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Untergang des Kahnverleihs am Aachener Hangeweiher ist abgewendet – trotzdem werden Tretboote erst Anfang 2017 wieder auf dem Gewässer im Kaiser-Friedrich-Park auftauchen. In diesem Sommer bleibt der Bootsverleih dicht.

Für 2016 kommt die Einigung zwischen Stadt Aachen und dem Pächter Peter Heinig zu spät. Seit Dienstag liege ihm ein neuer Pachtvertrag vor, erklärt Heinig auf AZ-Anfrage. Man habe sich darauf verständigt, sich Reparaturkosten in Höhe von 100.000 Euro jeweils zur Hälfte zu teilen, sagte der Gastronom, der auch das Café und Restaurant am Hangeweiher sowie den rückwärtigen Imbiss Richtung Freibad betreibt. „Damit habe ich eigentlich schon genug zu tun“, erklärt er.

Dass der Kahnverleih dieses Jahr nicht wie seit Jahrzehnten gewohnt betrieben werden könne, liege aber vor allem an der Baufälligkeit der Dachkonstruktion. „Das Holzdach ist völlig vergammelt, angeblich besteht Einsturzgefahr, das Risiko ist mir zu groß“, sagt Heinig. Noch in diesem Sommer sollen stattdessen die nicht gerade preiswerten Sanierungsarbeiten über die Bühne gehen. „Offenbar hat dem Holzdach die Nähe zum Teich nicht gerade gut getan, es ist total kaputt“, erinnert er an die Bestandsaufnahme, die Stadt und Pächter bereits 2015 gemacht haben. Dann passierte lange nichts, weil die Stadt laut ursprünglichem Pachtvertrag darauf bestand, dass der Pächter die hohen Dachreparaturkosten übernimmt. Der weigerte sich natürlich, da Summen in dieser Größenordnung niemals durch einen Kahnverleih inklusive Snackverkauf erwirtschaftet werden können. Nun, viele Monate später, also doch die Einigung – was Heinig der Stadt hoch anrechnet. „Es ist wirklich klasse, dass die Stadt auf uns zugekommen ist und wir nun eine für alle tragbare gemeinsame Lösung gefunden haben“, betont er. 50.000 Euro zahlt die öffentliche Hand, die anderen 50.000 Euro will Heinig in den kommenden zehn Jahren – so lange läuft der neue Pachtvertrag – über höhere Pachtzahlungen abstottern. Nicht zur Debatte steht, den Tretbootverleih außerhalb der morschen Überdachung in diesem Jahr über die Bühne zu bringen – der Aufwand ist den Beteiligten offenbar zu hoch. Somit bleibt das runde Dutzend Tretboote, darunter auch die beliebten Schwanmodelle, in diesem Jahr an Land. Das Gewässer hat das echte Gefieder – zum Leidwesen vieler Eltern und Kinder – dieses Jahr für sich. Heinig ist aber froh, dass die Zukunft des Kahnverleihs ab 2017 gesichert ist. „Sobald es nächstes Jahr warm wird, legen wir los – am liebsten schon ab März“, blickt er nach vorne.

Der ursprüngliche Kahnweiher ist übrigens älter als der Park. Er wurde schon im 18. Jahrhundert als Regenrückhaltebecken und Wasserreservoir für Tuchfabriken angelegt. 1836 entstand dort die erste Aachener Schwimmanstalt (nicht zu verwechseln mit der benachbarten Freibadanlage), bevor von 1908 bis 1910 der Kaiser-Friedrich-Park angelegt wurde.

Übrigens: Wer keine Lust hat, auf 2017 zu warten, der kann auch heute schon im Paddelboot über den Hangeweiher schippern. Voraussetzung ist, dass man sein eigenes Paddel-, Tret- oder Gummiboot zu Wasser lässt. „Das ist nicht verboten“, bestätigt Harald Beckers vom Presseamt. Mit einem Außenbordmotor sollte man allerdings nicht am Weiher auftauchen – das wäre für Enten und Schwäne der sichere Untergang.

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