Jeckes Comeback: „Originale” gehen wieder auf die Bühne

Von: Manfred Kutsch
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Die „Originale”: In neuer Fo
Die „Originale”: In neuer Formation nach zwei Jahren wieder vereint: (v.l.) Gitarrist Dieter Frese, Sänger und Newcomer Michael Cosler, Keyboarder und Akkordeonist Guido Kempen, Schlagzeuger und Newcomer Jürgen Faltin, Bassgitarrist Peter Jacobs. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Gute närrische Nachrichten zur Sessionseröffnung am 11.11.: Die rar gesäte Musikszene des Aachener Karnevals erfährt mit dem Neustart der „Originale” eine echte Aufwertung. Zwei Jahre staubte in der Rudolfstraße der Hinterhof-Probenraum der Vollblutmusiker zu.

„Wir steckten in einem Loch. Keine Kreativität, kein Spaß, kein gar nichts”, erinnert sich Keyboarder Guido Kempen. Zudem stieg der damalige Schlagzeuger aus, der Sänger auch, die restlichen drei stellten ihre Instrumente in die Ecke - und verabredeten sich vor ein paar Monaten zur Räumung ihres Studios, nebst Beseitigung der Spinnweben.

Am Ende dieser Aktion war die Probestätte voller und sauberer als je zuvor - und die Originale hatten plötzlich wieder eine neue Zukunft. „Wir wollten spontan nur noch ein paar Lieder zum Abschied spielen”, erinnert sich Gitarrist Dieter Frese.

Das Ergebnis war: „Plötzlich war da wieder Feuer, wir hatten totalen Bock auf mehr.” Und wie das jecke Leben so spielt: Das „Mehr” begegnete dem Trio Frese, Kempen und Peter Jacobs in Person des Penn-Soldaten und Sängers Michael Cosler und des Schlagzeugers Jürgen Faltin. Letzterer feierte damit gleichzeitig ein Comeback der besonderen Art: Musste doch das Gründungsmitglied der Originale wegen eines Arbeitsunfalls bereits 1997 wieder aussteigen.

16 Auftritte sind in der kommenden Session gebucht. Das Fieber steigt. Der Anspruch ist hoch. Dem Publikum präsentiert sich die Gruppierung nicht als schrille Kamellen-Kapelle, sondern mit wertiger Öcher Folklore. Die Nerven der Neustarter vibrieren wie die Saiten der Gitarre von Installateur Dieter Frese, der beim Spielen seine Freude fortwährend in ein inneres Lächeln zementiert. „Ich nimm dich in dr Ärm”, tönt es aus dem Hinterhof - eines der drei neu arrangierten Lieder zum Neustart. Gänsehautstimmung macht sich breit.

Die Männer - alle zwischen 43 und 47 Jahren, drei von ihnen Väter - scheinen auf ihren Melodienwogen zu surfen. Feuerwehrmann Jürgen Faltin wirbelt die Klöppel wie ein Magier seine Zauberstäbe, Kühlerbauer Peter Jacobs lässt rhythmisch die Kniekehlen federn, während der Bass auf seinem Bauchansatz ruht. Michael Cosler, Marketing-Mann beim Zeitungsverlag, singt griemelnd und versunken, wirft seinen Blick auch dann in die Ferne, wenn es die gar nicht gibt. Bankkaufmann Guido Kempen reitet wie ein Cowboy auf seinem Drehstuhl, während er beidhändig Akkordeon und Keyboard zusetzt.

Alle fünf leben ihre Musik. Jeder auf seine Art. Ob eigene Kompositionen auch mit fetzigem Rock („Öcher Schelde”), ob Schunkellieder, altbekannte Gassenhauer („Danze met de Mäddcher”) oder verloren gegangenes und neu entdecktes Liedgut wie „Et Körverrjäsje” der „Atömchen”: „Wir knallen manchmal Dinger raus, die sind unglaublich”, staunt Faltin selber über das breite Spektrum. Alle Lieder haben ihren eigenen Charakter, auch dann, wenn sie alt sind. „Für jeden Musiker ist es doch das Ziel, seinen eigenen Ton zu finden”, sagt Frese. Und auch Michael Cosler, der Neue, kennt den Spirit der Truppe bereits bestens: „Im Grunde ist es ganz einfach: Wir wollen den Spaß, den wir zusammen haben, an unser Publikum weitergeben.”

Da abgesehen von Jürgen Faltin („ich bin glücklicher Junggeselle”) alle verheiratet sind, stellt sich die Frage nach den weiblichen „Originalen” und deren Stimme zum Comeback der Männer: „Ich darf das so lange machen, wie ich zufrieden nach Hause komme”, sagt Peter Jacobs. Cosler meint bierernst: „Meine Frau weiß die Ordnung zu schätzen, wenn ich nicht daheim bin.” Guido Kempen berührt die Frage überhaupt nicht: „Meine ist doch damit groß geworden?”. „Du meinst wohl alt”, grinst Faltin, dem fortan eine neue Herausforderung ins Haus steht - die nächste Begegnung mit Frau Kempen.

Sollte er die unbeschadet überstehen, bleibt alles beim Alten: Die pure Freude am Lachen untereinander, der Sound, der Elan, die närrische Aura, die tiefe Verwurzelung im Öcher Platt. Und vor allem die Vorfreude auf die Session.
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