Aachen - „Jahrhundertspiel“: Auch Balsam für die Alemannia-Seelen

„Jahrhundertspiel“: Auch Balsam für die Alemannia-Seelen

Von: André Schaefer
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So entspannt kann Fußball sein: Unter den zahlreichen Zuschauern auf dem Tivoli hatten sich auch viele Familien eingefunden – das Outfit unterstrich den Spaßfaktor dieses „Sommermärchens“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Er hatte sich noch einmal herausgeputzt, der Tivoli. Strahlender Sonnenschein, gut gefüllte Zuschauerränge und große Namen auf der Stadionleinwand. Es ist lange her, dass die elektronische Videoanzeige des Stadions Fußballnamen der Kategorie Mark van Bommel und Torsten Frings anzeigen durfte. Vermutlich wird es auch lange dauern, bis es wieder so weit ist.

Doch die Chance, nochmals europäischen Fußball als Kontrastprogramm zur Talfahrt der heimischen Alemannia sehen zu können, wurde von den knapp 20.000 Zuschauern beim „ran Jahrhundertspiel“ zwischen Deutschland und den Niederlanden sichtlich genossen. Die Letztgenannten setzten sich am Ende in einem unterhaltsamen Spiel mit 4:3 durch.

Es ist eben dieser Fußballklassiker zwischen den Deutschen und Oranje, der ganz automatisch für ausgelassene Stimmung sorgt. Das war auf den Tag genau vor 39 Jahren beim WM-Endspiel 1974 in München zwischen beiden schon so, und auch am diesem Sonntag sorgte das Prestige-Duell für tolle Atmosphäre – im und außerhalb des Stadions.

Blutgrätschen oder Spuckattacken suchte man am Sonntag zum Glück vergeblich, schließlich gaben sich die Stars von gestern für den guten Zweck die Ehre auf dem Rasen. Doch so ganz ohne Ehrgeiz, das geht nicht. Doch nicht zwischen Holland und Deutschland!

Vor allem nicht, wenn ein Mario Basler oder Mark van Bommel auf dem Rasen stehen. Groß eingreifen musste der Schiedsrichter nicht. Einziger negativer Beigeschmack der Partie: Ex-Nationalspieler Manfred Binz riss sich die Achillessehne. Ein gebrauchter Tag für ihn, brachte er die Deutschen mit einem Eigentor schon früh auf die Verliererstraße.

Dass man die Verbissenheit zwischen beiden Fußballnationen allerdings auch mal bei Seite legen kann, bewiesen Ruth Dolfen und Marc Federau auf eindrucksvolle Weise. Seit Jahren sind die Beiden ein Pärchen. Er ist Fan der Deutschen, sie hingegen der Niederländer. „Die Holländer spielen einfach den schöneren Fußball“, sagt Ruth Dolfen. „Dafür gewinnen die Deutschen aber meist am Ende“, kontert ihr Partner.

Am Sonntag galt dieses Gesetz ausnahmsweise mal nicht, vielleicht auch, weil der niederländische Schiedsrichter es im Gegensatz zum deutschen Referee (beide pfiffen jeweils eine Halbzeit) nicht ganz genau nahm mit der Unparteilichkeit. „Schade, sonst hätte es für die Fans noch ein Elfmeterschießen obendrein gegeben“, sagte Fußball-Legende Lothar Matthäus nach dem Abpfiff. Doch der Stimmung – der Meinung war auch der Rekordnationalspieler – tat das keinen Abbruch: „Das war eine fantastische Atmosphäre. Ich wünsche den Leuten, dass sie in Aachen bald wieder öfter ein volles Stadion haben“, so Matthäus.

Auch Mario Basler, der „ganz schön ins Schwitzen“ kam, war angetan vom Aachener Tivoli: „Ich kannte bislang nur den alten Tivoli. Wenn man hier aufläuft und sieht, welch‘ tolle Stimmung hier herrscht, tut das schon ein bisschen weh, dass die Alemannia nur noch in der Regionalliga spielt. Ich hoffe, das ändert sich bald wieder“, so Basler. Und damit auch die Namen auf der Anzeigetafel.

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