Jahresbericht der Straffälligenhilfe Aachen

Von: Leon Heckmann
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Wie geht es „draußen“ weiter? Die Straffälligenhilfe Aachen bietet vielfältige Hilfen für Haftentlassene. Trotz schwieriger Finanzlage zogen die Mitarbeiter jetzt eine positive Bilanz. Foto: dpa

Aachen. Vor vier Jahren gründete der Aachener Arbeitskreis Straffälligenhilfe e.V. eine gemeinnützige gGmbH, um die wichtige Arbeit des Vereins für Inhaftierte, Haftentlassene und von Haft bedrohte Menschen unter einer hauptberuflichen Geschäftsführung zu organisieren. Der Jahresbericht 2014 zeigt, dass dieser Schritt richtig war.

Neben vielfältigen und umfangreichen Hilfsangeboten für Inhaftierte und Haftentlassene sowie deren Angehörige gelang es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, viele Gelder und Zuschüsse für die Straffälligenhilfe nach Aachen zu holen.

Die Straffälligenhilfe Aachen gGmbH hat aktuell zwölf hauptberufliche und neun freiberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zudem engagieren sich über 100 Ehrenamtler für aktuelle und ehemalige Häftlinge in der Städteregion. Die Angebote der Straffälligenhilfe sind vielfältig und konzentrieren sich einerseits auf die Betreuung und Beratung von Inhaftierten sowie deren Angehörigen und andererseits auf die Vorbereitung und Unterstützung der Resozialisierung von Strafgefangenen und Haftentlassenen.

Ein zentraler Anlaufpunkt ist dabei die Beratungsstelle der Straffälligenhilfe in der Königstraße: Hier können Straffällige und Angehörige zwei Mal wöchentlich spontan Hilfe bekommen. Außerdem gibt es ein „Hafturlauberzimmer“ zur Entlassungsvorbereitung, das auch als Übergangswohnraum nach der Haftentlassung benutzt werden kann.

Ein beträchtlicher Teil der Arbeit findet auch direkt in den Justizvollzugsanstalten Aachen und Heinsberg statt, so wird eine wöchentliche Sprechstunde für Gefangene und Angehörige vor Ort angeboten. Weiterhin engagiert sich die Straffälligenhilfe im Bereich des Betreuten Wohnens, organisiert Arbeitsprojekte und kleinere Arbeitsmöglichkeiten für Haftentlassene und kümmert sich besonders um suchtkranke Inhaftierte und Haftentlassene im Rahmen von Suchtprophylaxe und Anbindung an kommunale Hilfsangebote nach der Haftentlassung.

Catrin Brust, Diplom-Sozialarbeiterin und Ehrenamtskoordinatorin der Straffälligenhilfe Aachen, freut sich besonders über die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Über 100 Menschen engagieren sich derzeit in ihrer Freizeit im Verein, die meisten sind zwischen 50 und 60 Jahre alt. „Die Aufgabenbereiche der Ehrenamtler sind dabei ganz unterschiedlich“, erzählt Brust, die meisten arbeiteten aber direkt in den Justizvollzugsanstalten Aachen und Heinsberg.

Cordula Pfleging etwa ist seit einem halben Jahr ehrenamtlich für den Verein aktiv: Sie bietet einen wöchentlichen Deutsch-Kurs für Gefangene in der JVA Aachen an. Sie habe durch eine Freundin von einer ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Straffälligenhilfe erfahren und sich „einfach mal drauf eingelassen“ – eine Entscheidung, die sie heute nicht bereut.

Es gehe „sehr locker“ zu im Gefängnis, außerdem mache es ihr selbst und den teilnehmenden Gefangenen sichtlich Freude. Natürlich werden alle Ehrenamtler zuvor auf die Arbeit vorbereitet: Die Straffälligenhilfe bietet einen unverbindlichen Schulungskurs an. Am 20. August um 19 Uhr findet hierzu ein Info-Abend in der Königstraße 1b statt, Interessenten können sich unter Telefon 99728800 bei Catrin Brust anmelden.

„Katastrophe mit fatalen Folgen“

Bei der Vorstellung der Bilanz nahm Martin Czarnojan, Geschäftsführer der Straffälligenhilfe, sehr kritisch Stellung zu den aktuellen Kürzungsvorschlägen der Städteregion im sozialen Bereich.

Durch die geplante Kürzung der Zuschüsse für unter anderem die Beratungsstelle der Straffälligenhilfe um 50 Prozent könne insgesamt grade einmal knapp 16.000 Euro jährlich eingespart werden, für die Straffälligenhilfe Aachen sei dieser Schritt aber eine „Katastrophe mit fatalen Folgen“: Schon jetzt operierten der Arbeitskreis und dessen Mitarbeiter am Rande des Möglichen, weitere Kürzungen würden „massive personelle Einsparungen“ zur unvermeidlichen Folge haben und einzelne Angebote komplett in Frage stellen.

Czarnojan appellierte an die Politik und wies besonders auf das gemeinnützige Engagement der gGmbH hin: „Unsere Mitarbeiter engagieren sich mit viel Herzblut für eine gute Sache und tragen so dazu bei, das Leben sicherer und lebenswerter zu machen.“

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