Italienisches Flair verzaubert den Kurpark

Von: Robert Esser
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Magische Atmosphäre: (v.l.) Veranstalter Christian Mourad, Aachens früherer GMD Marcus Bosch und sein Nachfolger Kazem Abdullah begrüßten ein begeistertes Publikum. Foto: Andreas Steindl
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Magische Atmosphäre: (v.l.) Veranstalter Christian Mourad, Aachens früherer GMD Marcus Bosch und sein Nachfolger Kazem Abdullah begrüßten ein begeistertes Publikum. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Evviva Verdi!“ – „Es lebe Verdi!“: Der historische italienische Lobruf auf den Komponisten Giuseppe Verdi – und Titel des Konzertabends – schlüpft dem Publikum am Freitagabend zum Auftakt der 10. Kurpark Classix leicht und locker über die Lippen. Was nicht zuletzt am Wiedersehen mit Aachens ehemaligem Generalmusikdirektor Marcus Bosch liegt.

Dem Maestro fliegen die Herzen zu. Er hatte für das Aachen-Gastspiel eigens seinen Mallorca-Urlaub unterbrochen.

Irgendwie stellt sich schnell so ein Gefühl wie früher ein. Was wiederum auch am herrlich lauen Sommerwetter bei 28 Grad Celsius liegt, das vor allem die Picknicker rechts und links der Sitztribüne in vollen Zügen genießen. Da wird Schampus geschlürft, Käse gewürfelt, werden Würstchen serviert – während der Nürnberger Gastarbeiter im Frack am Dirigentenpult eine famose Vorstellung bietet.

Genauso wie das rund 70-köpfige Sinfonieorchester, die Solisten und die stimmstarken Chöre. Best of Oper eben. Da darf Schweiß tropfen. Und die Melodien perlen samtweich aus den haushohen Boxentürmen neben der 14 Meter hohen Rundbogenbühne – ein Augen-, Gaumen- und Ohrenschmaus vom Allerfeinsten. So lässt man sich Klassik schmecken.

Bis nach 22 Uhr verzaubern die Musiker ihr Publikum (ausführliche Konzertkritik folgt in unserer Montagausgabe). Das genießen auch Veranstalter Christian Mourad und Boschs Nachfolger Kazem Abdullah. Im himmelblauen Anzug erinnert der GMD an die Verdienste seines Vorgängers – Bosch hat die Klassik-Serie unter freiem Himmel erfunden. Beide begrüßen an diesem Abend gemeinsam genau 2351 Zuhörer. „Endlich mal ohne Gummistiefel“, wie Mourad auf der Bühne mit einem Augenzwinkern betont.

Der Blick ins Publikum fällt subjektiv noch voller aus. Nicht wenige haben neben Campingstühlen und Tischen gleich noch ein paar Kerzenständer und ein feistes Mehrgangmenü für ganze Tischgesellschaften herangekarrt. Das braucht Platz. Alles wird von der Bühne nach Sonnenuntergang in Bonbon-Scheinwerferlicht gehüllt. Eine zauberhafte Atmosphäre. Der Einlass hatte sich trotz allerlei Mitbringseln Stunden zuvor kaum verzögert. Nur stichprobenartig nimmt das höfliche Sicherheitsteam Picknickkörbe, Rucksäcke und Taschen unter die Lupe.

Marcus Bosch fühlt sich sichtbar wohl. „Ja, es fühlt sich wirklich wie eine Heimkehr an“, sagt er später hinter der Bühne. „Es ist großartig zu sehen, wie sich weiterentwickelt, was man aufgebaut hat.“ Er spricht von tiefer Dankbarkeit für die Wertschätzung des Publikums. Von Wahrhaftigkeit. „Das gibt Kraft.“ Und er winkt ab, wenn man ihn auf seine im Oktober beginnende Professur in München anspricht, eine besondere Auszeichnung – oder seine Erfolge als GMD in Nürnberg.

Auch dort hat Bosch die Auslastung des Hauses um ein Drittel auf 82 Prozent hochgeschraubt. „Wissen Sie, das größte Glück ist die Musik. Da kann kein Titel vor dem Namen mithalten“, strahlt er. Was Nürnberg von Aachen unterscheidet? „Dass man von der Oper in zwölf Minuten mit der U-Bahn an einem internationalen Flughafen ankommt“, lacht er. Bosch ist zudem Direktor der Opernfestspiele in Heidenheim. Und hier schließt sich ein Kreis. „Dieses Konzert in Aachen verbindet uns – denn Verdis Opern, wenn möglich alle 26, will ich in Heidenheim chronologisch zur Aufführung bringen“, kündigt er an.

In Aachen serviert der charismatische Dirigent schon einmal die Höhepunkte. Apropos Servieren: Die kulinarische Beköstigung läuft zum Auftakt 2016 spürbar flüssiger als im Vorjahr. Mehr Personal, mehr Stände – von Fritten bis zum Frozen Joghurt ist alles zu kriegen. Drei Euro für ein Bier, fünf für einen Cocktail. So hochklassig die Klassik, so zivil bleiben die Preise. „Das war ein fantastischer Auftakt, jetzt freuen wir uns auf Annett Louisan am Samstagabend“, resümiert Mourad am späten Abend. Hauptsache, der Wettergott spielt mit – „Evviva Petrus!“ heißt es dann. Auch er sei gelobt.

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