Aachen - Ist Tivoli-Bau ohne Brücke noch rechtens?

Ist Tivoli-Bau ohne Brücke noch rechtens?

Von: Robert Esser und Albrecht Peltzer
Letzte Aktualisierung:
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So sollte sie aussehen: Der Plan für die neue Fußgängerbrücke am Tivoli war ebenso amitioniert wie teuer. Jetzt hat die Ausschreibung ergeben, dass der Bau fast drei Millionen Euro kosten würde. Die Verwaltungsspitze hat das Vorhaben deswegen gestoppt - und erhält dafür Rückendeckung aus der Politik.

Aachen. Ob die Stadt mit dem plötzlichen Aus für die zu kostspielige Fußgängerbrücke am neuen Tivoli ein Eigentor geschossen hat? Nicht nur diese Frage bewegt in diesen Tagen Ratsherr Hans-Dieter Schaffrath von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) und Vertreter von Behindertenverbänden.

In der nächsten Sitzung des Stadtrats erwartet Schaffrath unter anderem die Beantwortung folgender Fragen: Ist es richtig, dass ein Verkehrsgutachten dringend eine Fußgängerbrücke empfiehlt? Ist der Bebauungsplan ohne die Errichtung der Brücke gültig? Welche Kosten sind bisher angefallen? Und: Ist es zulässig, dass die Verwaltung einen Ratsbeschluss eigenmächtig ändert?

Axel Costard vom Presseamt wies am Mittwoch darauf hin, dass die Verwaltung nicht nur ermächtigt, sondern verpflichtet sei, Vorhaben auf Eis zu legen, deren Realisierung mehr als 20 Prozent mehr Baukosten verursachen können als ursprünglich kalkuliert. Die Fußgängerbrücke über die Krefelder Straße - ein kunstvoll geschwungenes Designerstück mit 65 Meter hohem Pylon - sollte zunächst 1,5 Millionen, dann 2,5 Millionen Euro kosten.

Im Rahmen der Ausschreibung war schließlich eine weitere Kostenexplosion zu erwarten. „Die Mehrkosten lagen mehr als 20 Prozent über der ohnehin schon teureren Kalkulation. Der Verwaltungsvorstand musste das Projekt auf Eis legen”, erklärte Costard. Er erinnerte daran, dass danach sämtliche Ratsfraktionen dem Stopp zugestimmt haben. Als fraktionsloser Ratsherr will Schaffrath trotzdem weiter nachhaken.

Die Verwaltungsspitze reagierte prompt: Nach Aussage von Planungsdezernentin Gisela Nacken ist der Bebauungsplan auch ohne die jetzt verworfenen Brückenpläne gültig. Man müsse nun sehen, wie man an Spieltagen die Sicherheit der Besucher gewährleisten könne. Dazu werde es in Kürze eine Sitzung unter anderem mit Polizei und Alemannia geben. Wenn sich herausstellen sollte, dass der Einsatz von Personal und zum Beispiel Sperrgittern nicht reiche, sei natürlich auch wieder eine Brücke - in abgespeckter Version - zu diskutieren, so Nacken am Mittwoch gegenüber der AZ.

Richtig sei allerdings, dass ein Verkehrsgutachten schon 2007 die Errichtung einer neuen Fußgängerbrücke am neuen Tivoli empfohlen habe, teilte die Stadt mit. Auf Seite 77 des Gutachtens heißt es wörtlich: „Die Fußgängerbrücke über die Krefelder Straße in diesem Bereich ist damit unbedingte Voraussetzung.”

Wenig begeistert von der Situation am neuen Tivoli zeigten sich auch Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Behindertenhilfe der Stadt Aachen. Diese hatte vor Monaten den für Rollstuhlfahrer unzumutbaren Steigungswinkel der Fußgängerbrückenrampen kritisiert. AG-Vorsitzender Helmut Huntgeburth schlägt nun eine Alternative vor: die Überquerung der vierspurigen Krefelder Straße für alle Tivoli-Besucher mit Hilfe von eigens abgestellten Verkehrskadetten. „Für uns ist entscheidend, dass die Gespräche mit der Verwaltungsspitze mittlerweile angenehm konstruktiv laufen”, sagte er.

Welche Kosten die bisherige Planung der Luxus-Brücke verursacht hat, die in der vom Stadtrat zähneknirschend abgesegneten Variante niemals realisiert werden wird, soll jetzt von der Stadtverwaltung berechnet werden. Eine Antwort soll spätestens zur nächsten Ratssitzung folgen, hieß es.
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