Aachen - Ist die Spielbank der Preis für ein „Haus für Musik”?

Ist die Spielbank der Preis für ein „Haus für Musik”?

Von: Robert Esser
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Aachen. Noch liegen nicht alle Karten auf dem Tisch: Zurückhaltend haben CDU und SPD am Dienstag auf die Idee des Fördervereinsvorstands „Haus für Musik” reagiert, einen Konzertsaal für knapp 1000 Besucher ans Neue Kurhaus an der Monheimsallee zu bauen.

Weil der Betreiber Westspiel das unter Besucher- und Umsatzschwund leidende Aachener Casino offenbar zugunsten eines neuen Standorts in Köln aufgeben will, wird die Nachnutzung des Gebäude-Komplexes derzeit ausgelotet.

Fördervereinsvorstand Werner Schlösser plädierte auch Dienstagabend in der Spielbank bei der Mitgliederversammlung der Klassikfreunde für den Abriss des hinteren Casino-Trakts, den Neubau eines „modernen, akustisch perfekten Konzertsaals für rund 1000 Zuschauer” und den Anschluss des Kurhauses ans Eurogress. Dabei wähnt der Kurdirektor die Fraktionen des Stadtrats nach diversen informellen Gesprächen hinter sich.

Die Vorsitzende des Fördervereins, Ruth Crumbach-Trommler, betonte, niemand wolle das Casino und dessen Arbeitsplätze verjagen. Aber man habe eben Signale erhalten, dass die Standort-Frage nach den Landtagswahlen in Düsseldorf neu beantwortet werde. Man habe darum mit OB Marcel Philipp über die dann realisierbaren Konzertsaal-Pläne gesprochen - mit positivem Ergebnis. „Wir haben die Zusage, dass das Neue Kurhaus nach einem Weggang des Casinos für die Erweiterung des Eurogress und das Haus für Musik zur Verfügung steht”, sagte Crumbach-Trommler. Auch die Denkmalschutz-Problematik sei angesichts des beabsichtigten Teilabrisses historischer Gebäudeteile für den Konzertsaal-Anbau thematisiert worden. „Das müssen wir einfach schaffen”, sagte sie. „Das Projekt ist nicht tot, es lebt!”

Ein etwas anderes Bild ergeben hingegen - noch - die offiziellen Verlautbarungen politischer Entscheidungsträger: SPD-Ratsherr Karl Schultheis bekräftigte am Dienstag, dass der Erhalt des Aachener Casino-Standorts für seine Partei weiterhin oberste Priorität habe. Die jährliche Spielbank-Abgabe, die mittlerweile auf unter eine Million Euro gesunken ist, sei für den städtischen Etat eine wichtige Einnahmequelle. CDU-Fraktionschef Harald Baal erklärte, es gebe zur etwaigen Nachnutzung des Neuen Kurhauses und den Bau eines Konzertsaals noch kein Votum der Christdemokraten. „Ich sehe diesbezüglich auch keinen dringenden Handlungsbedarf”, sagte er. OB Philipp sagte, dass er mit Westspiel noch nicht über eine „Ablösesumme” für den Fall einer frühzeitigen Auflösung des Pachtvertrags verhandelt habe. „Ich habe in einem Gespräch mit Westspiel-Verantwortlichen nur darauf hingewiesen, dass wir auf Einhaltung der Verträge bestehen.” Diese Verträge binden das Casino eigentlich bis 2016 an Aachen.

Philipps Vorgänger Jürgen Linden hatte indes bereits 2009 scharf kritisiert, dass Westspiel das Aachener Casino „mit voller Absicht an die Wand” fahre, um die Flucht aus der Kaiserstadt einzuleiten. „Die Strategie hieß immer: Weg von Aachen, ab nach Köln!”, hatte Linden damals gewettert. Und unmissverständlich hinzugefügt: Die Kaiserstadt werde sich den vorzeitigen Abschied von Westspiel teuer bezahlen lassen, wenn sein Nachfolger im Amt sei.

Apropos Geld. Das braucht auch der Förderverein für sein ambitioniertes Kurhaus-Vorhaben, obwohl die nun favorisierte Umbaulösung günstiger als der vormals geplante Komplettneubau eines „Hauses für Musik” ausfallen soll. Allerdings sank die Zahl der Vereinsmitglieder 2009 um 38 auf 689 Musikfreunde. Die Einnahmen halbierten sich auf knapp 24.000 Euro. Und weil entgegen ursprünglicher Pläne bislang keinerlei Stiftungsvermögen zu Buche steht, beläuft sich der aktuelle Kontostand des Fördervereins auf exakt 16619,04 Euro, wie Schatzmeister Schlösser vorrechnete. Allerdings verfüge man noch über „ideelles Vermögen” - nämlich die ausgereiften Baupläne für ein frei stehendes „Haus für Musik”, in die man 100.000 Euro investiert hatte. Und zumindest Teile dieser Planungen könnten nun in das Konzertsaal-Projekt fließen. Denn, so viel ist jetzt klar, der unfinanzierbare Einzelbau ist vom Tisch.
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