Irans Frauen erhalten ihre Stimmen zurück

Von: Nadine Tocay
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„Kann denn Singen Sünde sein?“ Das Organisationsteam des Aktionstages beantwortet diese Frage eindeutig mit nein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für Sängerinnen ist es in Deutschland selbstverständlich, vor einem Publikum aus Männern und Frauen auftreten zu dürfen. Im Iran ist Frauen dies aus religiösen Gründen nicht gestattet.

Mit der Unterstützung des Dezernats der Internationalen Hochschulbeziehungen der RWTH Aachen richten sie am Samstag, 4. März, eine Informations- und Kulturveranstaltung mit dem Motto „Kann denn Singen Sünde sein?“ aus.

„Der Iran wirkt für uns eigentlich wie ein aufgeklärtes Land“, so die Schirmherrin der Veranstaltung, Bürgermeisterin Hilde Scheidt. Dass die Frauen dort ihre Talente nicht frei ausleben könnten, müsse man in den Fokus setzen. „Durch dieses Verbot geht der kulturelle Reichtum des Iran verloren“, unterstreicht Scheidt.

Nach der Revolution 1979 wurden die Musikauftritte reglementiert. Frauen dürfen nur noch in Begleitung von einem Sänger vor männlichem Publikum spielen, um eine sexuelle Erregung der männlichen Zuschauer zu vermeiden. Viele bekannte Sängerinnen haben als Reaktion auf das Gesetz das Land verlassen. „Die Frauen finden viele Wege, das Verbot zu umgehen“, so Shahrzad Massoodi vom Iranischen Kulturzentrum. Viele nutzten auch den Untergrund, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Darunter leide die Qualität der Musik. „Die Frauen brauchen unsere Unterstützung. Es ist unsere Pflicht, auf den aktuellen Zustand der dortigen Musikbranche aufmerksam zu machen“, betont die Bürgermeisterin.

Bei der Veranstaltung werden die Schauspielerin Annette Schmidt vom Theater K und der Gitarrist Sasan Azodi für deutsche Musikeinlagen sorgen. Das iranische Flair wird die Sängerin Parisa Badiyi einbringen. Begleitet wird sie von ihrem Sohn Naim Zabihi auf der Tombak. Für den informativen Teil des Abends sorgt die Musikpädagogin Raika Simone Maier, die einen Beitrag zum Thema „Gesangsverbot“ hält.

Auch die Möglichkeiten und Einschränkungen der Professionalisierung von Sängerinnen in der europäischen Vergangenheit werden thematisiert. Moderiert wird die interkulturelle Begegnung von der Fernsehredakteurin Arezou Khoshnam.

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