Investor kauft St. Elisabeth und Kaplanei

Von: Robert Esser
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Verkauft: Hinter St. Elisabeth sucht die Jugendarbeit der KOT eine neue Heimat.

Aachen. Fast genau 100 Jahre nach der Einsegnung wird in St. Elisabeth am 24. April 2016 die letzte Messe gelesen. Der Aachener Investor Norbert Hermanns, Vorstand der Landmarken AG, hat die Kirche sowie die Kaplanei und die zwei Nachbargebäude an der Jülicher Straße 68 und 70 gekauft – Übergabe am 1. Dezember.

Geprüft wird jetzt, ob der Sakralbau zu einem Hotel umgebaut werden kann – oder als Heimat für eine kulturelle Institution in Frage kommt.

Seit 2012 suchte die Pfarrei Christus unser Bruder einen Käufer für das Gebäude-Ensemble. Die Gemeinde konnte die Unterhaltskosten nicht mehr stemmen. „Es war uns wichtig, einen Partner zu finden, der mit der Würde und der Geschichte dieses Gebäudes gut umgeht und eine angemessene Verwendung gewährleistet“, erklärt Dr. Johannes Bartholomäus vom Kirchenvorstand. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.

Per Kaufvertrag werde in solchen Fällen ausgeschlossen, dass ein entwidmetes Kirchengebäude als Bordell oder Spielcasino genutzt werden kann, erläutert Bernhard Stenmans auf AZ-Anfrage – wobei die Landmarken AG so etwas natürlich nie im Sinn hätte. Der Referent für kirchliche Gebäudeentwicklung im Generalvikariat betont, es gebe inzwischen viele großartige Beispiele für Umnutzungen. So existierten schon sechs Grabeskirchen im Bistum, sechs weitere seien in Planung. Von derzeit bistumsweit 560 Kirchengebäuden und 280 Kapellen seien etwa 40 für den Verkauf oder eine neue Nutzung vorgesehen, rechnet Stenmans vor.

In den Niederlanden und Großbritannien ist man da längst weiter: In Maastricht schmücken ein Hotel und eine Buchhandlung zwei ehemalige Kirchenräume. In Valkenburg hat ein griechisches Restaurant namens „Eklisia“ in einer ehemaligen Kirche eröffnet. Und in London kennt die Kreativität beim stilvollen Umbau altehrwürdiger Kirchen kaum Grenzen – im Internet bildhaft unter den Stichworten „church, conversion, london“ zu finden.

Ob in Aachen die beiden teils maroden Gebäude an der Jülicher Straße 68 und 70 bald abgerissen werden, um Platz für einen Neubau zu schaffen, ist offen. Jedenfalls sucht die Caritas-Anlaufstelle für „Ambulant Betreutes Wohnen“ eine neue Heimat; ebenso diverse private Mieter und die Kleine Offene Tür (KOT) nebenan. „Im Moment überlegt man, ob wir neben dem Kindergarten, der vom Verkauf ausgeschlossen wurde, in einen angedachten Neubau – eine Art Mehrzweckraum – ziehen können“, sagt KOT-Leiterin Sabrina Freitag. Ob sich die 40 Kinder, die regelmäßig in die KOT kommen, dort genauso wohlfühlen, sei jedoch fraglich. Denn die Außenanlagen inklusive Bolzplatz und Grillecke würden der Überplanung zum Opfer fallen.

Auch die Initiatoren des „Hotel Total“, das ab August für drei Monate Übernachtungsgäste von Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen betreuen lässt, hoffen auf eine Fortsetzung der Projektidee. Das Land NRW subventioniert das ambitionierte Vorhaben von Anke Didier sowie den Schwestern Patricia Yasmine und Julia Claire Graf – Budget: 400 000 Euro.

Investor Norbert Hermanns verspricht: „Für die spätere Nutzung werden wir ein attraktives und der Würde des Ensembles angemessenes Konzept entwickeln.“ Die Nutzung als Hotel – Empfang und Rezeption im Haupthaus, Hotelzimmer in einem Nebenbau, direkte Anbindung an Europaplatz und Autobahn – könnte sich anbieten. „Aber es gibt auch andere Ideen“, lässt der Projektentwickler alles offen.

Sicher ist: Das Konzept muss wirtschaftlich sein, nachhaltig Rendite abwerfen. Und dies natürlich nicht erst in 100 Jahren.

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