Investor drängt Rotlichtviertel zurück: Neubau an Antoniusstraße

Von: Robert Esser
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Unterm Strich geht die Rechnung für die Stadt auf: Helmut Falter will auf das 1300 Quadratmeter große Grundstück an der Ecke Antonius-/Nikolausstraße einen Einzelhandelskomplex bauen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Verkehr in der Antoniusstraße soll bald früher enden - ab Hausnummer 10. Das gilt fürs horizontale Gewerbe wie für Autofahrer.

Grund: Auf das 1300 Quadratmeter große Eckgrundstück Antonius-/Nikolausstraße am Rande des Rotlichtviertels will der Seniorchef der Mayerschen Buchhandlung, Helmut Falter, einen viergeschössigen Geschäftskomplex bauen. Am Dienstagabend gab die Politik im Liegenschaftsausschuss grünes Licht für den Verkauf einer Restfläche, die sich noch im städtischen Besitz befindet. Für etwa 350.000 Euro wechselt das 350 Quadratmeter große Grundstück den Eigentümer. Mindestens fünf Millionen Euro will Falter in den Neubau investieren.

Ein „signifikantes, architektonisch interessantes Gebäude in einem modernen industriellen Stil” kündigt der Unternehmer an. „Ein echter Blickfang”, wie Falter sagt. Als Vorbild nennt er den Ghirardelli-Schokoladen-Square am berühmten Fishermans Wharf in San Francisco. „Da war ich vor 30 Jahren. Seitdem bin ich von der kleinteiligen Durchmischung der Geschäfte dort begeistert.”

Keller, Erd- und ein Obergeschoss sollen in Aachen preiswerten Mietraum für den Einzelhandel bieten. Darüber sind einfache Wohnungen geplant. Baubeginn wäre nach Falters Idealvorstellung zum ersten Spatenstich der „Bel Etage”, welche die Strabag Real Estate GmbH eigentlich ab Frühjahr 2011 auf das rund 4400 Quadratmeter große Büchel-Parkhaus-Grundstück setzen will. Aber der Seniorchef der Mayerschen stellt klar: „Wenn die Bel Etage zu lange auf sich warten lässt, koppeln wir uns ab. Wir bauen auf jeden Fall.”

Zwei zeitgleiche Baustellen würden die Bauherren spürbar entlasten. Vor allem finanziell. Denn: „Klar ist, dass sich dieses Projekt vorne und hinten nicht rechnet”, betont Falter. Er engagiere sich an dieser zentralen Stelle, „um die Innenstadt ein weiteres Stück nach vorne zu bringen”. Das Potenzial bringe die Nikolausstraße fraglos mit, sagt er. „Man müsste den Bürgersteig von 70 Zentimeter auf zwei Meter verbreitern.”

Damit scheinen die Tage der Schmuddelecke im Herzen der Kaiserstadt gezählt: „Die Situation dort ist schlimm. Das Urin der nächtlichen Bordellkundschaft zerfrisst die Hausfassaden. Meine Mitarbeiterinnen - von denen im Buchhandel 75 Prozent weiblich sind - trauen sich kaum auf unsere Parkplätze, die ja an der Nikolausstraße liegen”, erläutert Falter. Er hofft - wie die Stadt - darauf, dass nun weitere Immobilienbesitzer nachziehen. Zum Beispiel die neuen Eigentümer eines ehemaligen Möbelhauses zwischen Kleinköln- und Antoniusstraße.

Die Hausnummer 10 im „Sträßchen” stand übrigens ebenfalls zum Verkauf. Die Stadt hatte ein Auge darauf geworfen. Doch der Eigentümer zog zurück - und spekuliert wohl auf einen explodierenden Verkehrswert des Grundstücks, wenn buntes Geschäftsleben das Rotlicht überstrahlt.
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