Aachen - Internetumfrage zur Zukunft des Theaters sorgt für Unmut

Internetumfrage zur Zukunft des Theaters sorgt für Unmut

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Wechsel zur politischen Bühne: Das Schauspiel-Ensemble protestierte vor dem Rathaus gegen mögliche Kürzungspläne.

Aachen. Sein oder nicht sein? Soll „der Bürger” die Frage aller Fragen in Bezug auf den Fortbestand der Schauspielsparte am Theater Aachen quasi in Eigenregie beantworten? Fakt ist, dass der heikle Punkt zumindest in Teilen der Verwaltung durchaus als geeignet für eine Internet-Befragung an die Adresse aller Aachener betrachtet wird.

Was nicht nur der Generalintendant prompt mit heftigem Protest quittiert. „Wie eine Bombe”, sagt Michael Schmitz-Aufterbeck, sei der Vorschlag am Mittwoch im Ensemble eingeschlagen. „Für uns ist nicht verständlich, dass die Politik die Verantwortung aus der Hand geben will. Sie sollte den Mumm haben, sich zum Theater zu bekennen - wie dies in vielen Städten gerade geschieht.”

Gleiches forderten am Abend rund 30 Vertreter des Ensembles: Vor dem Rathaus verteilten sie Autogrammkarten mit der Aufschrift „Ich muss weg!”. „Wir sind empört, dass wir als arbeitende Menschen in den gleichen Topf geworfen werden, in dem man Kunstrasen und Grundsteuer, Park- und Bustickets oder Bettensteuer diskutiert”, heißt es in dem Protestschreiben.

Schmitz-Aufterbeck zürnt

Schließlich sei das Schicksal der größten deutschsprachigen Bühne im Umkreis von 80 Kilometern nicht mit Projekten wie Stuttgart 21 zu vergleichen, argumentiert der Intendant. „Niemand kommt etwa auf die Idee, das neue Alemannia-Stadion zur Disposition zu stellen - was ich ebenso für falsch hielte”, zürnt Schmitz-Aufterbeck. Letztlich sei „die Komplexität des Themas in dieser emotionalen Debatte nicht zu vermitteln”.

Schon gar nicht, solange die Willensbildung bei den Ratsfraktionen alles andere als abgeschlossen sei. Und: „Gilt die Stellengarantie für städtische Mitarbeiter hier nicht? Wenn es zu einer Schließung des Schauspiels kommen sollte, müsste mindestens 45 Kollegen gekündigt werden. Die Schauspieler sind schockiert darüber, dass sie wie das letzte Rad am Wagen behandelt werden.”

Komme hinzu, dass die neue Landesregierung klar signalisiert habe, die Kulturhorte künftig mit erheblich mehr Mitteln zu unterstützen, die wirtschaftliche Entwicklung sich allgemein erfreulich gestalte. Kurzum: „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass die Politik ein solch wichtiges Thema aus der Hand geben will.”

Davon, entgegnet CDU-Fraktionschef Harald Baal, könne indes keine Rede sein. „Es geht nicht um eine K.O.-Liste.” Vielmehr sei die Verwaltung lediglich der Aufforderung der schwarz-grünen Ratsmehrheit gefolgt, Schwerpunkte für eine Bürgerbefragung mit Blick auf Sparpotenziale zu benennen.

Er persönlich halte es „weder finanziell noch kulturpolitisch für sinnvoll”, beim Theater die Axt anzulegen. „Ähnliche Befragungen etwa in Essen haben ergeben, dass die meisten Bürger Schließungspläne mit Nachdruck ablehnen.” Und so plädiert auch Michael Rau, Fraktionssprecher der Grünen, für „mehr Gelassenheit. Es spricht ja wohl nichts dagegen, Kosten offenzulegen. Damit gibt die Politik gar nichts aus der Hand.” Natürlich gebe es „sehr gute Gründe, das Theater nicht anzutasten”.

Dazu, glaubt hingegen SPD-Fraktionssprecher Claus Haase, sei die Verwaltungsvorlage „zu dilettantisch”. Eine Bürgerbefragung müsse „viel besser vorbereitet werden, als es jetzt den Anschein hat”. Fest steht, dass der Vorschlag der Kämmerei nur „in sehr kleinem Kreis abgestimmt wurde”, wie Schmitz-Aufterbeck betont.

Selbst Kulturdezernent Wolfgang Rombey erklärte, er sei nicht einbezogen worden. „Es ist in Ordnung, die Bürger zu fragen - aber dann muss man genau überlegen, wie man dies tut”, sagte er. Auch Hubert Bruynswyck, CDU-Ratsherr und Vorsitzender des Betriebsausschusses für Theater und VHS, zeigte sich überrascht: „Ich denke, die Aktion kommt zu früh. Die Arbeit der Strukturkommission ist ja noch nicht abgeschlossen. In jedem Fall müssen die Ratsfraktionen sich erst einmal intensiv mit dem Thema Theater befassen.”

Heftig diskutierte der Rat über die Bürgerbeteiligung zum Etat. Insbesondere SPD und Linke appellierten an CDU und Grüne, solch eine Maßnahme nicht aus der Hüfte zu schießen - und schlugen vor, das Ganze nächstes Jahr auf solider und breiter Basis durchzuziehen.

Das wurde einstimmig angenommen. Aber: Die „kleine” Beteiligung übers Internet kommt trotzdem - davon rückte die Ratsmehrheit nicht ab. Welche Themen konkret angesprochen werden, wird bis Mitte Januar erarbeitet. Tabus soll es dabei nicht geben.
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