Integrative Kitas: Politik kippt Kürzungen bei Therapeuten

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Als Cornelia Lochner das Wort ergriff, hatten die Kinder- und Jugendpolitiker bereits den lautstarken Protest beim Gang in den Ausschuss hautnah erlebt. Gut 250 Therapeuten, Betreuer, Eltern und Kinder waren einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt, um ihrem Ärger im politischem Gremium Luft zu machen.

Als Lochner, selbst Physiotherapeutin und Sprachrohr für die Therapeuten der Stadt, ausführte, dass die jüngsten Pläne der Verwaltung wohl bedeuten würden, dass „wir ein Auslaufmodell sind“ und dass dies unbedingt im Sinne einer hochwertigen therapeutischen Versorgung an den Kindertagesstätten zu verhindern sei, brandete starker Applaus auf.

Und die Politik? Die übte den direkten Schulterschluss mit den Demonstranten. Einstimmig kippte sie den Plan der Verwaltung, ab dem kommenden Kita-Jahr mit weniger therapeutischem Personal in den integrativen Kitas der Stadt zu arbeiten. Und quasi als Zugabe hagelte es noch jede Menge Kritik am Vorgehen der Verwaltung. Denn die kam erst vor wenigen Tagen mit der Vorlage um die Ecke, dass man bereits ab Sommer 2016 mit weniger Therapeuten als zuvor (18 statt aktuell 20 Vollzeitstellen) zurechtkommen müsse.

Dabei stand bereits seit über zwei Jahren fest, dass sich die Finanzierung der sogenannten multidisziplinären Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung in integrativen Kitas grundlegend ändern würde. „Höchst verwunderlich“ fand es daher CDU-Sprecher Peter Tillmanns, dass das brisante Thema dem Ausschuss erst so spät zur Entscheidung vorgelegt worden sei.

„Die Kommunalpolitik soll es nun wieder ausbaden“, echauffierte er sich. In dieselbe Kerbe schlug auch Grünen-Politikerin Hilde Scheidt: „Wir haben schon lange bemängelt, dass in diesem Bereich nichts passiert!“ Guido Rothkopf stellte als Vertreter der freien Träger offen die Frage, was die Stadt in den vergangenen zwei Jahren denn eigentlich diesbezüglich gemacht habe und wo das gesamtstädtische Konzept sei?

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hatte bereits 2013 beschlossen, das Finanzierungssystem der therapeutischen Versorgung komplett umzukrempeln (wir berichteten). Das bedeutet letztlich: Die Kosten für das benötigte Spezialpersonal – eine bisher freiwillig erbrachte Leistung des LVR – sind ab dem neuen Kitajahr nicht mehr gedeckt.

Die Entscheidung des LVR löste schon damals heftige Kritik aus. Nur: Wie damit vor Ort umgegangen werden soll, wurde von den Kommunen vor Ort lange Zeit nicht klar umrissen. Heinrich Brötz, Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Schule, zeigte sich am Dienstagabend mit dieser Hängepartie selbst nicht zufrieden, versuchte sie dennoch mit einem „langen Abstimmungsprozess innerhalb der Verwaltung“ zu erklären.

Dass der Beschlussvorschlag – also die faktische Kürzung der therapeutischen Versorgung an den städtischen Kitas – nun von der Politik deutlich abgeschmettert wurde, schien dann aber auch die Fachverwaltung mit einem gewissen Wohlwollen aufzunehmen. Denn mit dem klaren Votum für den Antrag der großen Koalition – ergänzt durch einen Vorschlag der Grünen, alle therapeutischen Kräfte nicht nur ein Jahr, sondern auch darüber hinaus zu behalten – geht ein weiterer Arbeitsauftrag an die Verwaltung einher.

Sie soll schnellstmöglich prüfen, wie die Finanzierung auch durch Erstattungen von den Krankenkassen auf gesunde Beine gestellt werden kann. Zudem soll ein gesamtstädtisches Konzept bis Sommers 2017 erarbeitet werden, das auch die Belange der freien Träger berücksichtigt.

Diskussion ums Geld bleibt

Fakt ist: Erst einmal bedeutet der politische Beschluss Sicherheit für das therapeutische Personal an den Kitas – und weitere Diskussionen ums Geld. Denn die zusätzlichen Kosten, die erst einmal auf die Stadt zukommen, sind im auf Kante genähten Haushalt nicht vorgesehen.

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