Aachen - Integrationsrat: Harmonischer Neustart ohne Misstöne

Integrationsrat: Harmonischer Neustart ohne Misstöne

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
Der neue Vorstand des städtis
Der neue Vorstand des städtischen Integrationsrats: Vorsitzender Sadio Barry (2.v.r.) mit seinen Stellvertretern Bülent Iscan (v.l.), Paola Blume und Carmelo Licitra. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Der Ton war sanft und freundlich, der Umgang betont höflich. „Würden Sie die Wahl bitte annehmen?”, fragte Sadio Barry von der Afrika-Liste Paola Blume. Und die „MIT”-Vertreterin antwortete: „Ja, danke. Ich freue mich.”

Barry war kurz vorher gerade zum neuen Vorsitzenden des städtischen Integrationsrats gewählt worden, Blume gehört nun mit Carmelo Licitra (ELA) und Bülent Iscan von der kurdischen Liste zum Kreis der Stellvertreter.

Vor sieben Monaten krachte es

Vor sieben Monaten war das noch anders: Da war das langjährige CDU-Mitglied Paola Blume zur Vorsitzenden gewählt worden, und Sadio Barry hatte schwere Vorwürfe erhoben: Die sieben aus dem Stadtrat entsandten Vertreter der Fraktionen hätten die Frau von der „MIT”-Liste, die bei der Wahl nur zwei Sitze errungen hatte, zur Vorsitzenden gewählt. Er selber - immerhin mit sechs Sitzen im Rücken - schaue hingegen in die Röhre, obwohl die Mehrheit der von Aachens Migranten gewählten Vertreter ihn als Vorsitzenden haben wolle.

Die Ratsleute bestritten eine Absprache, die Vorwürfe ließen sich auch nicht belegen, doch in der nächsten Sitzung nahm das weitere Unheil seinen Lauf. Und der Ton war scharf und unfreundlich: Vier Listen boykottierten forderten eine Neuwahl des Vorsitzes und erklärten ihren Boykott des Gremiums - womit sich der dadurch handlungsunfähige Integrationsrat de facto zunächst einmal selbst aufgelöst hatte.

Ein Fall für den Mediator. Externe Vermittlung schien die letzte Möglichkeit zu sein, dem zerstrittenen und auch schon durch vorherige Wahlfälschungs- und Boykottskandale schwer gebeutelten Gremium noch einmal Leben einzuhauchen. Der Sozialarbeiter und KHG-Referent Markus Reissen, der seit Jahren als „interkultureller Trainer” Konflikte zwischen Mitarbeitern der Stadtverwaltung aus dem Weg zu räumen versucht, übernahm die Mission. Und in zwei intensiven Gesprächsrunden fand man offenbar wieder zusammen.

Zumindest gab es am Mittwoch eine Neuwahl des Vorsitzenden ohne jeden Misston. Der Diplominformatiker Barry ist jetzt doch gewählt, Blume seine Stellvertreterin. Und fast alle machen wieder mit. Nur die drei Vertreter der Liste ADZ um den früheren Integrationsratsvorsitzenden Georg Georgiadis fehlten. Ob sie doch noch mitmachen, wird die Zukunft zeigen. Die soll, wie Barry bekräftigte, im Übrigen der politischen Sacharbeit gehören.

Mehr Interesse für die Migrationsarbeit bei den Bürgern will er wecken, mehr Vertrauen zwischen Migranten, Politik und Verwaltung schaffen. Eine eigenständige Verwendung der dem Integrationsrat zustehenden Finanzmittel strebt er an, ebenso eine gleichberechtigte politische Beteiligung von Migranten in Aachen. „Dafür werde ich mich einsetzen”, versprach Barry vor der Wahl. Und fügte kurz darauf als neuer Vorsitzender ganz sanft und freundlich hinzu: „Sie werden es nicht bereuen.”
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