Integrationsprojekt: Erfolgsmodell hofft auf Hilfe aus Berlin

Von: Christiane Chmel
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Ein Idyll mit sozialem Hintergrund: Gut Hebscheid hat sich zu einer wichtigen Einrichtung der beruflichen Weiterbildung entwickelt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Unter dem Titel „Integrationsbetriebe fördern – Neue Chancen für schwer behinderte Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt eröffnen“ haben CDU und SPD Anfang Juli einen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht. Hauptthema: Schaffung von mehr Plätzen in Integrationsbetrieben in den kommenden drei Jahren durch zusätzliche 50 Millionen Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe.

„Es muss mehr getan werden“, betonte Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, beim gemeinnützigen Unternehmen VIA Integration auf dem Gut Hebscheid. „Deshalb will die Bundesregierung die Integrationsunternehmen stärker fördern.“

Die Firma VIA Integration besteht bereits seit 2002 und ist eines der ältesten Integrationsunternehmen im Rheinland. Aktuell werden 53 Mitarbeiter beschäftigt, davon 28 Menschen mit Behinderungen und elf Auszubildende. Auf dem Hof Gut Hebscheid werden Obst und Gemüse von Bioland-Qualität sowie bis zu 1000 verschiedene Naturkostprodukte erzeugt, welche in eigenen Naturkostläden in Aachen vermarktet werden.

Zudem betreibt VIA Integration in Aachen und Umgebung diverse Gastronomie-Projekte. „Das Unternehmen trägt sich zu 80 Prozent selbst“, erklärte Alois Poquett, Geschäftsführer der VIA Integration. „20 Prozent werden aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe gefördert, um die Mitarbeit und Ausbildung von Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen.“ Sieben Mitarbeiter haben aktuell ihre Ausbildung auf Gut Hebscheid erfolgreich beendet.

Zu ihnen gehört auch Christian Rössig, der seine Ausbildung zum Gemüsebauer als Bester in NRW in diesem Jahr abschloss und von VIA Integration übernommen wurde. Erst im Erwachsenenalter erfolgte bei ihm die Diagnose ADHS, die einen Schulabschluss unmöglich machte. Die Aufmerksamkeitsstörung und eine posttraumatische Belastungsstörung machten eine Langzeittherapie nötig.

Nach einem Praktikum auf Gut Hebscheid entschied sich der 31-Jährige schnell für eine Ausbildung zum Gemüsebauer und hat nun nicht nur eine Berufsausbildung, sondern auch den Hauptschulabschluss in der Tasche. „Ich habe meinen Traumberuf gefunden“, betonte Rössig. „Das ganze Umfeld hat mir viel Stabilität gegeben und mein Selbstwertgefühl enorm gesteigert.“

Zum neuen Ausbildungsjahr starten wieder acht neue Auszubildende mit und ohne Behinderung in sechs verschiedenen Berufen auf Gut Hebscheid. Dies ist nur durch die finanzielle Förderung möglich, die längere Krankheitszeiten sowie die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter mit Behinderungen auffängt. „Inklusion heißt lernen von anderen“, so Poquett. „Die Verschiedenheit führt zu einer Bereicherung aller Beteiligten.“ Christian Rössig ist hierfür das beste Beispiel: Im neuen Ausbildungsjahr wird er andere Auszubildende anlernen und kann somit sein Wissen und seine Erfahrungen weiter geben.

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