Aachen - Integration steht auf der Kippe

Integration steht auf der Kippe

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Hat eine weitere fünfte Klass
Hat eine weitere fünfte Klasse beantragt: Berthold Winterlich, Rektor des Anne-Frank-Gymnasiums, würde ohne Zustimmung die geplante Integrationsklasse nicht einrichten. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Ausnahme soll nicht zur Regel werden. Deswegen wird die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen am Dienstag im Schulausschuss (17 Uhr, Rathaus) einen Antrag des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) auf eine vierte fünfte Klasse ablehnen.

„Die Gesamtzahl der Plätze an den Gymnasien ist absolut ausreichend”, sagt Ausschussvorsitzender Wolfgang Boenke (CDU). „Wir haben jedes Jahr bei den Anmeldezahlen eine Spitze und müssen Kinder an anderen Schulen unterbringen, das ist ganz normal. Es erschließt sich mir nicht, warum wir hier nun eine Ausnahme machen sollten”, erklärt Ulla Griepentrog (Grüne).

Berthold Winterlich könnte ihr ein paar gute Gründe nennen - vergleicht die Situation mit dem „Inda”, wo 2011 eine weitere Klasse genehmigt wurde. Winterlich ist der Rektor des Gymnasiums im Schulzentrum Laurensberg, freute sich über 103 Anmeldungen und hat deswegen den Antrag für eine weitere „Fünf” gestellt.

„Sehr unzufrieden”, ist er nun, nachdem er die Signale aus der Politik vernommen hat. Nur Gretel Opitz (FDP) steht auf seiner Seite, die SPD hat noch Nachfragen. Winterlich sieht gravierende Auswirkungen - nicht nur auf die Kinder, die er bei 96 Plätzen Kapazität nun ablehnen muss. Er wird ohne weitere „Fünf” nämlich einen zweiten Antrag, der am Dienstag beraten wird, nicht in die Tat umsetzen. Eigentlich wollte das AFG als erstes Aachener Gymnasium eine integrative Lerngruppe eröffnen, sprich eine Klasse mit acht Kindern mit einer Behinderung bilden.

„Wir haben uns als erstes Gymnasium auf den Weg gemacht und ein tolles Konzept entwickelt. Aber ich kann deswegen nicht noch mehr Regelschüler ablehnen. Wenn es keine weitere Klasse gibt, dann gibt es auch keine integrative Lerngruppe”, sagt Winterlich. Eine solche ließe sich nämlich mit mehr als 30 Schülern nicht bilden, das wären viel zu viele. „Ich halte es für zweifelhaft, einen solchen Zusammenhang zwischen den beiden Anträgen zu ziehen. Wir lassen uns auf keinen Kleinkrieg ein”, kommentiert dies Wolfgang Boenke.

Zwischen den Fronten steht dabei auch die Heinrich-Heine-Gesamtschule, die sich mit dem AFG das Gebäude am Hander Weg teilt. Gäbe es eine weitere Klasse für das Gymnasium, würde dies die Raumsituation zu Ungunsten der Gesamtschule verändern. „Wir können keine Räume mehr abgeben. Das geht uns an die Substanz”, erklärt Schulleiter Dr. Heinrich Parting. Zumal die Gesamtschule auf jeden Fall eine Integrationsklasse bildet und dafür Differenzierungsräume braucht. Von dem Antrag der Nachbarschule hat er dabei aus der Zeitung erfahren. „Wir sind als Betroffene vorher nicht informiert worden”, sagt er. Zufrieden klingt er darüber nicht. Für einen der beiden Schulleiter wird sich dies am Dienstag ändern.
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