Integration: 605 Menschen aus 65 Ländern eingebürgert

Von: Peter Schopp
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Ein Schritt, der vieles verändert: Die Stadt feierte am Samstag mit Menschen, die sich im vergangenen Jahr haben einbürgern lassen. Zum Festakt gehörten neben Reden auch Tanznummern.
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Ein Schritt, der vieles verändert: Die Stadt feierte am Samstag mit Menschen, die sich im vergangenen Jahr haben einbürgern lassen. Zum Festakt gehörten neben Reden auch Tanznummern. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es sind die Schlagworte unserer Zeit: Migration, Integration, Auswanderung, politische Verfolgung! Am Ende steht im besten Fall das, was jetzt im Krönungssaal in einer ausgesprochen harmonischen Veranstaltung gefeiert wurde: Die Einbürgerung zum deutschen Staatsbürger!

Im vergangenen Jahr durften sich 605 Menschen aus 65 Ländern aus allen Kontinenten (außer Australien) über den positiven Bescheid freuen. Gut die Hälfte von ihnen hat europäische Wurzeln, hier sind türkische Mitmenschen mit 104 Personen in der Überzahl.

Dem Anlass angemessen, stellte die Stadt bei dieser Veranstaltung das Tafelsilber ins Schaufenster. Der schönste und historisch bedeutendste Raum der Stadt, der Krönungssaal im Rathaus, wurde für dieses Fest herausgeputzt. Kulturell und politisch bedeutende Protagonisten der Aachener Szene gaben sich – meist unentgeltlich – ein Stelldichein. Neben Oberbürgermeister Marcel Philipp und Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer erschienen die Vorsitzende des Integrationsrates, Paola Blume, und die Integrationsbeauftragte der Stadt Aachen, Heidemarie Ernst. Im künstlerischen Teil gaben mit dem Chor der Domsingschule Aachen, dem Opernchor des Theaters Aachen, dem integrativen Stadtteilchor „InCHORsiv“ aus Rothe Erde, der orientalischen Tanzgruppe Karima El-Barkani sowie dem Blues-Musiker Dieter Kaspari Musiker und Künstler auf hohem Niveau ihre Visitenkarte bei den „Neu-Aachenern“ ab. Soviel zu den Fakten.

„Viel tiefer gehend als der reine bürokratische Akt ist für den Einzelnen aber der emotionale Vollzug dieses Schrittes“, lenkte Heidemarie Ernst den Blick in die seelische Tiefe. Viele der Eingebürgerten würden mit dem Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft quasi die Leinen zu ihrem bisherigen Leben kappen. „Das beginnt beim Abgeben des alten Passes und endet vielleicht sogar im Zurückzahlen staatlicher Förderungen des bisherigen Mutterlandes“, schilderte sie keinen Einzelfall. Und dazwischen läge die große Grauzone der individuellen Empfindsamkeiten. Jeder Einzelne vollziehe auf seine ganz eigene Art den Schritt ins Deutsch-Sein.

Dies unterstrich auch Paola Blume in ihrer Ansprache. Selbst einst eingewandert aus Italien, schilderte sie die Schwierigkeiten, mit denen alle Zuwanderer mehr oder weniger konfrontiert werden. Beginnend bei der Sprache, seien auch das Denken und die Reaktionen der Menschen durchaus fremd. „Integration ist ein langer Prozess, der von allen Beteiligten – Zuwanderern und Einheimischen – den notwendigen Willen zu einem gemeinsamen Miteinander erfordert“, fügte Bürgermeisterin Schmeer in ihrem Grußwort an. „Werte anerkennen und teilen, Vorurteile abbauen, Pflichten annehmen und Möglichkeiten ausschöpfen, das sind grundlegende Dinge, die nicht diskutierbar sind!“ Von allen Vertretern der Verwaltung wurde die Bitte an die Menschen herangetragen, sich zu engagieren und Aachen für eine bunte, gemischte und offene Zukunft mit zu gestalten. Möglichkeiten hierzu seien beispielsweise Gewerkschaften, Vereine, Nachbarschaftshilfe oder politische Gremien.

Ein besonderer Auftritt

Ein kleiner Höhepunkt des Nachmittags war der gemeinsame, zivile Auftritt der Karnevalsprinzen „Axel II“ Schwartz (Aachen 2015) und „Balam“ Byarubanga (Richterich 2012). In solchen Momenten wurde am Samstag Integration greifbar. Der dunkelhäutige Byarubanga schilderte seinen Werdegang vom Flüchtling zum Karnevalsprinzen. „Balam hat in seiner Heimat sicher nicht davon geträumt, einmal Karnevalsprinz zu werden“, schmunzelte Axel II. Er hingegen schon. Aber dieses Beispiel zeige, was möglich sei, wenn alle Beteiligten das gemeinsame Ziel haben, Menschen aus der Fremde in Aachen eine neue Heimat zu geben. Dieter Kaspari setzte noch einen schönen Schlusspunkt. Der weitgereiste Musiker sprach vielen Anwesenden auf bestem Öcher Platt aus der Seele: „Oche, du weäds mich nit mie quitt.“ (Aachen, du wirst mich nicht mehr los).

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