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Innovatives Projekt verbindet Kunst und Inklusion

Von: Julia Gröbbels
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Kunst und Küche kreativ vereint: Veronika Rappaport (rechts) und die Kreativen der „Filzblüte“ laden zur Vernissage.

Aachen. Mitten im Hubertusviertel befindet sich ein Ort, den es in Aachen so kein zweites Mal gibt. Was von außen wie eine Kunstgalerie anmutet, ist von innen weitaus mehr. Das Haus in der Matthiashofstraße 2 beherbergt eine Arbeitsstätte, in der Menschen mit und ohne Behinderung nicht nur Hand in Hand arbeiten, sondern gleichzeitig Kunst und Kultur erleben und produzieren.

„Hier arbeiten insgesamt acht ehemalige Schülerinnen und Schüler der Parzival-Schule, in der ich als Sozialpädagogin tätig war“, so Sabine Heinz. Gemeinsam mit Eltern, Freunden und der damaligen Klassenlehrerin gründete sie den Verein „Zwischen Uns“, der bis vor einem Jahr noch in der Südstraße anzutreffen war. Dort wurde gemeinsam gekocht, die produzierten Filz-Objekte wurden auf Märkten verkauft. „Ein Ziel des Vereins ist es, jungen Menschen mit Behinderung nicht nur einen Zugang zum Kulturleben zu ermöglichen, sondern auch Arbeitsplätze zu schaffen, die den Interessen der Menschen entsprechen“, so Heinz. Letztlich wünsche man sich, dass das Budget, das jedem behinderten Menschen laut UN-Konvention von 2008 zustehen sollte, auch in Deutschland endlich Wirklichkeit werde und somit eine freie Berufswahl möglich wäre. Für die Schülerinnen und Schüler der Parzivalschule blieb – nachdem die Besichtigung vieler Werkstätten in ganz NRW auf der Suche nach dem „richtigen Arbeitsplatz“ nicht von Erfolg gekrönt war – nur eine Option: Der Schritt in die Selbstständigkeit.

„Auf der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstätte spielte uns der Zufall in die Hände, und so machten wir Bekanntschaft mit Künstlerin und Sozialpädagogin Veronika Rappaport, die ihrerseits auf der Suche nach Ausstellungsräumen war“, sagt Heinz.

Ein halbes Jahr später ist die Fusion von Galerie und Handwerksladen mehr als geglückt. Beide existieren jedoch keineswegs isoliert voneinander. „Mit unseren Ideen befruchten wir uns gegenseitig und arbeiten sehr eng zusammen“, so Rappaport. Die Mitarbeiter können jeden Tag aufs Neue auswählen, ob sie lieber filzen, weben, stricken oder kochen wollen. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter haben hier höchste Priorität. „Wir wollen das unsere Mitarbeiter sich ganz auf das, was sie tun konzentrieren können, deshalb dürfen sie ihre Aufgaben immer selbst auswählen“, so Heinz. „Bei mir lernen sie außerdem viele künstlerische Grundlagen, und jede zweite Ausstellung in der Galerie soll eine Ausstellung mit Werken unserer Mitarbeiter sein“, so Rappaport. Und weiter: „Behinderte Menschen haben häufig einen viel direkteren Zugang zur Kunst und tun sich vielfach nicht so schwer wie nicht behinderte Menschen“.

Nichtsdestotrotz wird die nächste Ausstellung eine Ausstellung von Veronika Rappaport sein, die jedoch stark von den Eindrücken geprägt ist, die sie in Zusammenarbeit mit den Menschen erworben hat, die sie täglich umgeben. Auf ihrem Flyer heißt es: „Wir leben und arbeiten miteinander. Was dabei entsteht, bieten wir jedem an: Gastfreundschaft bei einer Tasse Kaffee und selbst gebackenem Kuchen und natürlich unsere Filzarbeiten und Bilder.“ Von diesem Austausch zwischen Innen und Außen lebt die Initiative, bei der sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden, Besucher und Gäste profitieren.

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